Tatort Kritik: Nora Tschirner, Christian Ulmen & der Irre Iwan

Marek Bang

Zum Start in das neue Krimi-Jahr 2015 schenkt uns die ARD ein Wiedersehen mit dem schrulligen Ermittlerpaar Nora Tschirner und Christian Ulmen. Ob das gestrige „Tatort“-Special „Der Irre Iwan“ auch überzeugen konnte, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Der Irre Iwan“.

Tatort Kritik: Nora Tschirner, Christian Ulmen & der Irre Iwan

„Tatort“-Kritik: Der Irre Iwan

Story

 

„Tatort“ der etwas anderen Art: Die Weimarer Kriminalkommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) sind nach einem Jahr zurück auf dem Bildschirm und ermitteln in ihrem zweiten Einsatz im Fall eines bewaffneten Überfalls mit Todesfolge. Eingebrochen wurde in die Stadtkämmerei und die Beute betrug vergleichsweise geringe 112.000 Euro. Viel tragischer wirkt da der auf den ersten Blick völlig sinnlose Tod der Sekretärin Sylvia Kleinert (Nora Quest), die sich während der Tat gar nicht im selben Raum aufgehalten hat. Der maskierte Täter feuerte scheinbar zur allgemeinen Abschreckung mehrmals in die Luft und da das altehrwürdige Weimarer Kämmerei-Gebäude nicht über die dicksten Deckenwände verfügt, drangen die Kugeln direkt in den nächsten Stock ein, und damit leider nicht nur in den Gymnastikball, auf dem die Sekretärin gerade Platz genommen hat.

Dorn und Lessing glauben bald nicht mehr an die Theorie des tragischen Zufallsopfers und nehmen den Stadtkämmerer Iwan Windisch (Jörg Witte) ins Visier, der nicht nur über eine höchst eifersüchtige Ehefrau (Therese Hämer) zu klagen hat, sondern auch ein intimes Verhältnis zum Opfer pflegte. War es also doch ein geplanter, scheinbar perfekt getarnter Mord?

Eine weitere Spur führt das Ermittlerpaar im „Tatort: Der Irre Iwan“ in die Welt der Schausteller und Gaukler. Dort ist vor kurzer Zeit der Betreiber einer Geisterbahn verschwunden und als Lessing und Dorn dessen Ehefrau Rita (Sophie Rois) einen Besuch abstatten, machen sie eine mehr als seltsame Entdeckung. Auf einem Foto erkennen sie, dass sich Geisterbahnbetreiber Josef und Iwan Windisch verblüffend ähnlich sehen, als wären sie ein und derselbe Mensch…

Ermittler

 

Eigentlich war die Folge „Die fette Hoppe“ 2013 als einmaliger Weihnachts-„Tatort“ vorgesehen, doch das Traumpaar Christian Ulmen und Nora Tschirner konnte in dem parodistischen Krimi derart überzeugen, dass ein zweiter Bildschirmauftritt unausweichlich war. Der ist wiederum ein Special geworden, nur dass die weihnachtliche Thematik in der Episode „Der Irre Iwan“ fehlt. Das humoristisch-schräge Grundgerüst blieb aber auch gestern Abend erhalten.

Nora Tschirners und Christian Ulmens Figuren sind genau so angelegt, wie sich der Zuschauer die beiden Schauspieler aus ihren bisherigen gemeinsamen Leinwandauftritten wie etwa in der Komödie „FC Venus - Angriff ist die beste Verteidigung“ vorstellt. Christian Ulmen spielt seinen Kommissar gewohnt schrullig und auf den ersten Blick leicht schluffig und so wirkt Lessing bisweilen wie ein bewaffneter „Herr Lehmann“ mit vernünftiger Ausbildung und Nora Tschirner spielt ihren Part gewohnt resolut und sympathisch frech wie etwa in Til Schweigers „Keinohrhasen“. Dass die beiden Kommissare auch privat ein Paar sind, ist bei ihrer schauspielerischen Vorgeschichte für den „Tatort“ ebenfalls nur konsequent und wird durch das gemeinsame Baby, das beim „Irren Iwan“ auch nicht fehlen darf, untermauert.

Besondere Vorkommnisse

Ähnlich wie „Die fette Hoppe“ im vergangenen Jahr ist auch der gestrige Weihnachts-„Tatort“ nicht mit einem gewöhnlichen Krimi am Sonntag Abend zu vergleichen und bildet schon an sich ein besonderes Vorkommnis erster Sahne. Die beiden Kommissare sind zwischenzeitlich Eltern geworden und ermitteln gewohnt flapsig wie in ihrem ersten gemeinsamen Fall. Dabei bekommen sie es mit einigen prominent besetzten Verdächtigen wie etwa Dominique Horwitz oder der wie immer famos aufspielenden Sophie Rois zu tun. Auch die Band Element of Crime gibt sich in einem Gastauftritt die Ehre.

Als Running Gag der gestrigen Krimi-Komödie zum neuen Jahr fungiert die grüne Hölle, so lautet der Spitzname des Dienstwagens von Chef Kurt Stich (Thorsten Merten), ein VW Passat aus Großvaters Zeiten mit über einer Million Kilometern auf der Uhr, der in jeder neuen Einstellung ein Stückchen mehr zerfällt. Ebenfalls skurril gestaltet sich der Besuch in einem Tatoo-Studio, der zudem für einen der schmerzlichsten Liebesbeweise der jüngeren „Tatort“-Geschichte sorgt. Neben all den Späßen hat der „Tatort“: Der Irre Iwan“ aber auch einen schönen schwarzhumorigen Schockmoment zu bieten, auf den an dieser Stelle natürlich nicht näher eingegangen werden kann.

Fazit

Nachdem bereits der „Tatort: Weihnachtsgeld“  in der vergangenen Woche als besonderes Special aus dem Rahmen fiel, setzte die ARD gestern noch eins drauf und präsentierte uns zum Jahresbeginn einen weiteren ganz speziellen Ausreißer aus der gewohnten sonntäglichen Krimi-Welt, der ebenfalls nicht mit den normalen Standards zu bewerten ist. Wer mit einem waschechten „Tatort“ in das Krimi-Jahr 2015 starten wollte, konnte mit dem Absurditätenkabinett natürlich wenig anfangen, wer sich aber auf den Charme der beiden Ermittler einließ, wurde mit einer wunderbar sympathischen und unterhaltsamen Krimi-Komödie belohnt, die wieder einmal bewies, dass Christian Ulmen und Nora Tschirner einfach nur das Telefonbuch vorlesen könnten und auch dabei noch genügend Charme und Esprit versprühen würden.

Nachdem ausgerechnet die sonst so überzeugenden Münchner Kommissare in der vergangenen Woche im regulären „Tatort“ schwächelten, bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen der ARD im Jahr 2015 die Kernkompetenzen ihres „Tatort“-Flaggschiffs nicht aus den Augen verlieren. So unterhaltsam und zauberhaft das gestrige Special auch war, es muss klar sein, dass erst frühestens zum nächsten Weihnachtsfest außerhalb von Münster wieder so hemmungslos geblödelt werden darf wie gestern Abend. Den Anfang macht am Sonntag der Wiener Kommissar Eisner und wir hoffen, dass die Qualität des „Tatorts“ als Kriminalfilm ansatzweise so hoch wird wie der aus der gestrigen schwarzen Krimi-Komödie. Gegen ein Wiedersehen mit Nora Tschirner und Christian Ulmen zum Neujahr 2016 wäre natürlich ebenfalls nichts einzuwenden.

Bis zum 08.01.2015 könnt Ihre Euch den „Tatort: Der Irre Iwan“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist  eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare.

Tatort: Der Irre Iwan - Trailer deutsch.

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