Tatort Kritik: Quietschbuntes Weihnachtsgeld zum Fest aus Saarbrücken

Marek Bang

Das Weihnachts-Special ging dieses Jahr nach Saarbrücken und damit an den skurrilen Kommissar Devid Striesow. Ob die wieder einmal sehr grelle und spezielle Episode des Saarland-„Tatorts“ diesmal überzeugen konnte, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Weihnachtsgeld“.

Tatort Kritik: Quietschbuntes Weihnachtsgeld zum Fest aus Saarbrücken

„Tatort“-Kritik: Weihnachtsgeld

Story

Im vergangenen Jahr beglückte uns die ARD mit einem ganz famosen Weihnachts-„Tatort“ und ließ das Traumpaar Christian Ulmen und Nora Tschirner in Weimar den Tod der „Fetten Hoppe“ ermitteln und viele Fans wünschten sich sicherlich auch dieses Jahr zum Fest einen Auftritt der beiden sehr speziellen Kommissare. Doch die Verantwortlichen entschieden anders und so kamen wir gestern in den nach seinen bisherigen Auftritten zu urteilen eher zweifelhaften Genuss des schrägen Saarbrücker Ermittlers Jens Stellbrink (Devid Striesow). Dieser bekam es in der Episode „Tatort: Weihnachtsgeld“ mit der schwangeren Sizilianerin Maria (Fanny Krausz) und dem Taxifahrer Josef (Florian Bartholomäi) zu tun, inklusive Kindsgeburt am 24.12. in einem saarländischen Stall. Mehr Weihnachten geht also nicht im „Tatort: Weihnachtsgeld“. Doch der eigentliche Fall liegt woanders.

Eine junge Frau wurde kurz vor Weihnachten Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht. Der Verdacht auf den Verursacher fällt schnell auf den zwielichtigen Bordellbesitzer King George (Gregor Bloéb), denn der ist der einzige Mensch im beschaulichen Saarland, der einen derartig auffälligen amerikanischen Sportwagen fährt. Doch nicht nur die Polizei meldet sich bei dem Luden, sondern auch ein Erpresser, der den Unfall beobachtet haben möchte. Letzterer hört auf den Namen Theo Diehl und liegt bald tot in seiner Wohnung, erdrosselt mit der Lichterkette seines Weihnachtsbaumes. Kommissar Jens Stellbrink hat also an Weihnachten alle Hände voll zu tun und muss zudem noch unter erschwerten Bedingungen ermitteln, denn ausgerechnet vor seinen aktuellen Einsätzen wurden ihm Handy und Brieftasche auf dem Weihnachtsmarkt gestohlen…

Ermittler

Jens Stellbrink ist ein seltsamer Kommissar der Marke kauziger, aber nicht unsympathischer Typ. In den bislang drei „Tatort“-Episoden aus dem Saarland stand stets das Skurrile im Vordergrund und so waren die Folgen seit dem Debüt „Melinda“ aus dem Jahr 2013 irgendwo zwischen Provinz-Krimi und Groteske angesiedelt. Das Ganze wirkte aber im Gegensatz zum ähnlich ausgelegten Pendant aus Münster oft mehr bemüht und aufgesetzt als pointiert und gekonnt überspitzt. Auch beim Publikum erfreut sich der Saarbrücker „Tatort“ im Gegensatz zu den Ermittlern Boerne und Thiel bisher deutlich geringerer Beliebtheit.

Die Saarländer Unausgewogenheit lag bislang auch an den in der Regel überagierenden Mitspielern des eigentlich großartigen Schauspielers Devid Striesow. Elisabeth Brück spielt die strenge Kommissarin Lisa Marx, die über ihren Vespa-fahrenden Kollegen mit Gummistiefeln nur die Stirn runzelt und Sandra Steinbachs anstrengende Aufgeregtheit als Chefin gab dem geneigten Krimi-Fan auch wenig Gründe, sich auf einen sonntäglichen „Tatort“ aus Saarbrücken zu freuen. Einzig Striesows Kollege Horst Jordan (Hartmut Volle) konnte seinen Dienst am Krimi-Volk bislang mit Erfolg absolvieren.

Besondere Vorkommnisse

Ähnlich wie „Die fette Hoppe“ im vergangenen Jahr ist auch der gestrige Weihnachts-„Tatort“ nicht mit einem gewöhnlichen Krimi am Sonntag Abend zu vergleichen. Vielmehr geht es darum, möglichst viele weihnachtliche Motive und Rituale in einen 90 Minuten dauernden Fernseh-Krimi zu pressen - koste es, was es wolle. Im Gegensatz zu der charmanten und vergleichsweise dezenten Weihnachtsepisode aus Weimar ist im Saarland jedoch der Holzhammer am Werke und so gibt es für den Zuschauer im „Tatort: Weihnachtsgeld“ das heilige Fest regelrecht mitten in die Fresse serviert.

Polizeilicher Baumkauf, Taschendiebstahl auf dem Weihnachtsmarkt und eine eher trist-spießige Weihnachtsfeier in einer Taxi-Zentrale sind im Vergleich zu der bald folgenden Geburt des kleinen Jesu im Stall mit passendem Josef als Geburtshelfer und den unwahrscheinlichsten Begleitumständen noch das Harmloseste, was Autor Michael Illner am gestrigen zweiten Weihnachtsfeiertag aufzubieten hatte. Auch die Geschichte der heiligen Hure fehlt nicht und am Ende stellen Jens Stellbring und Konsorten sogar noch das erste Abendmahl nach - natürlich schrill, bunt und grotesk.

Fazit

Selten verläuft Weihnachten im Kreise der Liebsten ausschließlich harmonisch und entspannt und nicht immer ist jedes Geschenk ein Volltreffer. So rennen auch wir schnell nach München und tauschen Logik, Spannungsbogen und Authentizität bei den Kollegen um, die uns morgen Abend wieder einen ordentlichen „Tatort“ liefern werden. Devid Striesow darf jedoch gern unterm Baum liegen bleiben, denn ausgerechnet die grelle gestrige Sonderausgabe war für ihn der entscheidende Wendepunkt im Saarländer „Tatort“. Seine Figur hat sich endlich gefunden und ist im „Tatort“-Universum angekommen. Das liegt zum einen daran, dass seine unnötigen Gimmicks und Ticks wohltuend reduziert wurden und der Schauspieler jetzt auch mit kleinen Gesten und Ausdrücken arbeiten darf, die seiner Figur sichtlich gut tun und die viel sympathischer und ehrlicher wirken als das Brimborium an Absurditäten aus den vergangenen Fällen.

Ein weiterer Grund dafür, dass der gestrige „Tatort“ nicht so schlecht wie sein Ruf geraten ist, liegt daran, dass Michael Illner uns und sich das Weihnachtsgeschenk machte, die Rollen von Elisabeth Brück und Sandra Steinbach auf ein Minimum zu kürzen, so dass sie gar nicht erst anfangen konnten, auf ihre sonst so penetrante Art das letzte Quäntchen Wohlwollen zu verdrängen. Vielleicht  liegt es aber auch schlichtweg an der niedrigen Erwartungshaltung an die Saarbrücker Ermittler und der Tatsache, dass niemand bei einem Weihnachts-Special einen nervenaufreibenden Thriller unter dem Weihnachtsbaum vermutet, dass der „Tatort: Weihnachtsgeld“ die mit Abstand beste Episode aus dem Saarland wurde und bis auf die zähe erste halbe Stunde sogar streckenweise richtig Laune machte. Bleibt also nur zu hoffen, dass Jens Stellbrink und Co. auch im normalen „Tatort“-Leben an die Qualitäten des gestrigen Falls anknüpfen können.

Bis zum 02.01.2015 könnt ihr euch den „Tatort: Weihnachtsgeld“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist  eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare.

Tatort: Weihnachtsgeld - Trailer deutsch.

 

Tatort-Quiz: Testet euer Wissen über Thiel, Boerne und Co.!

Jeden Sonntag um 20:15 Uhr ist bei dir "Tatort" angesagt und du ermittelst liebend gern auf dem heimischen Sofa mit? Dann beweise hier in unserem Quiz, ob du wirklich ein "Tatort"-Experte bist und zum Polizeipräsidenten des sonntäglichen Evergreens taugst! Viel Spaß bei deinen Ermittlungen!

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