Tatort Kritik: Roomservice & große Politik überfordern Lena Odenthal

Marek Bang

Die große Politik hält im beschaulichen Ludwigshafen Einzug und Lena Odenthal bekommt es mit dem Mord an einem Zimmermädchen zu tun, das zuvor mit einem hochrangigen Politiker gegen Bezahlung geschlafen hat. Ob der Herr Opfer einer Intrige wurde oder es letztlich doch um etwas ganz anderes ging, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Roomservice„!

Story vom „Tatort: Roomservice“

Für den Politiker Joseph Sattler (Peter Sattmann) scheinen im „Tatort“  keine Gesetze zu gelten und wenn er sich mal wieder eine Eskapade geleistet hat, hat ihn Ehefrau und Anwältin Valerie (Suzanne von Borsody) stets aus jeder noch so verzwickten Lage befreit. Doch Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihr Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) lassen sich nicht so schnell abspeisen, schließlich geht es diesmal um Mord. Das Zimmermädchen Yasemin Akhtar wurde im Treppenhaus eines Luxushotels in den Tod gestürzt und hatte pikanter Weise kurz zuvor mit Joseph Sattler gegen Bezahlung geschlafen.

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Obwohl der Lebensstil von Joseph Sattler Lena ein Dorn im Auge ist, ermittelt sie bald in alle Richtungen und gerät einmal mehr mit der ehrgeizigen LKA-Beamtin Johanna Stern (Lisa Bitter) aneinander. Der passt Lenas Theorie, dass der ungeliebte Politiker Opfer einer Intrige sein könnte, gar nicht in den Kram und es entbrennt ein regelrechter Machtkampf im Polizeipräsidium von Ludwigshafen.

Ermittler im „Tatort: Roomservice“: Ulrike Folkerts als Lena Odenthal & Andreas Hoppe  als Mario Kopper

Bereits seit 1989 ist Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal im „Tatort“-Universum aktiv und damit die dienstälteste Ermittlerin am sonntäglichen Krimi-Abend. Die Ermittlerin aus Ludwigshafen ist eine taffe Frau, die sich auch emotional tief in ihre Fälle hineinkniet. Mit der Episode „Tatort: Blackout“ feiert sie im vergangenen Jahr nicht nur ihr 25. Dienstjubiläum, sondern bekam von den Drehbuchautoren auch eine hartnäckige Krise auf den drahtigen Leib geschrieben, unter der auch ihre Freundschaft zu ihrem Kollegen Kopper leidet.

Der Deutsch-Italiener Mario Kopper ist ein Gemüts- und Genussmensch, dessen größter Stolz sein fast vierzig Jahre alter Fiat 130 ist. Bis zuletzt teilte er sich mit Lena Odenthal eine gemeinsame Wohnung. Das führte oft zwangsläufig dazu, dass beim gemeinsamen, stets von Kopper zubereiteten Abendessen die Ermittlungen auch im privaten Rahmen fortgesetzt werden. Diese Zeiten sind nun aber wohl vorbei, denn Lena ordnet ihr Leben neu und dazu gehört auch eine eigene Wohnung.

Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Roomservice“

Das größte besondere Vorkommnis im „Tatort: Roomservice“ ist seine offenkundige Anspielung auf die Affäre um  den ehemaligen IWF-Präsidenten Dominique Strauss-Kahn, der von einem Zimmermädchen eines New Yorker Hotels der Vergewaltigung bezichtigt wurde, was schließlich sowohl zu seiner Verhaftung führte, als auch das Ende seiner politischen Karriere bedeutete. Die Autoren Stefan Dähnert und Patrick Brunken basteln aus der Figur des Joseph Sattler eine Art pfälzische Variante von Strauß-Kahn mit passender bundesdeutscher Biographie. So ist der ehemalige Ministerpräsident im Europaparlament scheinbar auf Eis gelegt, sorgt mit seiner vehementen Befürwortung einer Frauenquote aber weiterhin für Schlagzeilen.

Neben der Geschichte um einen beliebten Politiker mit zweifelhaftem Verhältnis zu Frauen fällt der „Tatort: Roomservice“ aber noch auf einer weiteren Ebene auf. Es scheint, als habe das Duo Odenthal und Kopper ausgedient, denn der Kollege und (ehemalige?) beste Freund der Kommissarin hat immer weniger zu melden und verkommt auch durch den neu eingeführten Charakter der LKA-Ermittlerin Johanna Stern immer mehr zu einer Randfigur. Das ist ausgesprochen schade, denn so beraubt sich der Ludwigshafener „Tatort“ grundlos einer seiner größten Stärken.

Fazit vom „Tatort: Roomservice“

Ein Politiker, der ein mehr als zweifelhaftes Privatleben führt, ein undurchsichtiges Netz an Intrigen, eine neue Rivalin am Arbeitsplatz und der immer noch nicht gänzlich abgeklungene Burn-out sind für Lena Odenthal schlicht zu viel des Guten. Während ständig neue Ermittler das“Tatort“-Universum verjüngen und altgediente Kräfte in den Ruhestand versetzt werden wird auch in Ludwigshafen krampfhaft versucht, etwas frischen Wind in die angestaubten Amtsstuben zu blasen. Doch dabei geht leider eine der größten Stärken dieses „Tatorts“ flöten. Ohne das Zusammenspiel der Kommissare Odenthal und Kopper fehlt den Ludwigshafenern das Herzstück und der impulsiven Lena die Erdung. Die unnötig hinzu erdachte Figur der verbissenen LKA-Ermittlerin Johanna Stern verdrängt den armen Kopper völlig unnötig in den Hintergrund und sorgt für schrille Störgeräusche, die wenig bis gar keinen Sinn ergeben und leider nur ein klassisches Beispiel für Verschlimmbesserung darstellen.

Also, liebe Verantwortlichen des SWR, vertraut auf die Stärken der Ludwigshafener Ermittler und lasst die unnötigen Mätzchen sein! Und was den kommenden Fall betrifft, so darf der ruhig spannender daherkommen und muss sich nicht künstlich um Aktualität bemühen, denn die gestern gezeigte „große Politik“ wirkt im beschaulichen Ludwigshafen dann doch eine Spur zu aufgesetzt.

Bis zum 01.06.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Roomservice“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Roomservice - Trailer deutsch.

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