Tatort Kritik: Wiener Gier führt leider zu einem Tiefpunkt der Tatort-Saison

Marek Bang

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser dürfen Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr (!) auf Mörderjagd gehen und ihnen scheint dabei so langsam die Puste wegzubleiben. Was genau passiert ist, erfahrt ihr bei uns. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Gier„.

Story vom „Tatort: Gier“

Eigentlich möchte Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) in seinem neusten „Tatort“ -Auftritt gepflegt den Geburtstag seines Vorgesetzten Ernst Rauter (Hubert Kramar) feiern und hat sich gemeinsam mit seiner Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ordentlich in Schale geworfen. Doch nicht nur der Dress-Code ist an diesem Abend ein anderer, bald ruft auch wieder die Arbeit. Roswita (Emily Cox) ist tot. Die junge Frau ist an den Verätzungen eines Chemieunfalls gestorben, eigentlich also ein tragischer Arbeitsunfall und nichts für die Mordkommission, doch bei dem Opfer handelt es sich ausgerechnet um das Patenkind von Ernst Rauter und der verzweifelte Mann bittet Moritz und Bibi, sich der Sache anzunehmen.

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Erste Ermittlungen ergeben, dass die Schutzanzüge der Chemiefabrik nicht den erforderlichen Sicherheitsvorschriften entsprechen. Moritz und Bibi nehmen im „Tatort: Gier“ daher deren Hersteller näher unter die Lupe und finden beim sogenannten Wendler-Konzern nicht nur eine eiskalte Mauer des Schweigens vor, sondern auch ein undurchsichtiges Netz von Intrigen, dass nur schwer zu entschlüsseln ist…

Ermittler im „Tatort: Gier“: Harald Krassnitzer als Moritz Eisner und Adele Neuhauser als Bibi Fellner

Vor 16 Jahren betrat Major Moritz Eisner mit der Episode „Nie wieder Oper“ das „Tatort“-Universum und ermittelte zunächst als Chefinspektor und meist allein. Heute ist er bei der österreichischen Bundespolizei angestellt und hat mit der schillernden Bibi Fellner eine so beliebte wie explosive Partnerin an seiner Seite. Desweiteren ist Moritz Eisner Vater einer Teenagerin, neigt zum Granteln und verfügt über den berühmt-berüchtigten Wiener Schmäh, mit dem er  immer wieder für humorvolle Akzente im „Tatort“ sorgen kann.

Moritz` Kollegin Bibi Fellner kann zwar einen guten Instinkt vorweisen, hat aber mit einigen Dämonen zu kämpfen, die es nicht immer leicht machen, mit der impulsiven Polizistin zusammenzuarbeiten. Doch trotz ihres Alkoholproblems und der komplizierten Beziehung zum Kleinkriminellen Inkasso-Heinzi funktionieren Eisner und Fellner als Team wunderbar und stehen sich auch privat nahe. Die Beiden pflegen eine Art Freundschaft der ruppig-herzlichen Art, von deren herrlich bissigen Kapriolen in der gestrigen Episode „Gier“ leider wenig zu sehen war.

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Besondere Vorkommnisse im „Tatort: Gier“

Ein müder Gag zum Auftakt eröffnet einen Krimi, der an besonderen Vorkommnissen wenig bis gar nichts zu bieten hat. Moritz und Bibi stehen mit einer Magnum-Champagnerflasche bewaffnet in feinem Zwirn auf einer lockeren Feier und fühlen sich fehl am Platz. Diese merkwürdige Grundstimmung zieht sich dann leider durch den ganzen arg konstruierten und an Spannung armen Fall und der geneigte Krimi-Freund bekommt schnell den Eindruck, dass die Drehbuchautorin Verena Kurth wenig von der Vorgeschichte ihrer Figuren weiß. Warum nur darf Bibi plötzlich ganz normal ein Glas Champagner trinken? Spielt ihr Alkoholproblem einfach keine Rolle mehr? Solche Unzulänglichkeiten und Brüche mit den Biographien der altgedienten Figuren bleiben kein Einzelfall und auch auf die besondere Chemie zwischen Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser wird ohne ersichtlichen Grund einfach verzichtet.

Inmitten dieses unterdurchschnittlichen Krimis ragt dann doch eine Begebenheit besonders heraus. Der Todeskampf der von Säure durchfressenen Roswita wird recht drastisch bebildert und sorgt für ein unbehaglichen Einstieg in den „Tatort“, doch auf Grund der schleppenden und verworrenen weiteren gut 80 Minuten des gestrigen Falls wirkt sie wie ein fieser Fremdkörper.

Fazit vom „Tatort: Gier“

In der Regel bekommt jedes Ermittlerteam zwei Einsätze pro Krimi-Saison zugesprochen. Die Wiener Ermittler sind nun zum dritten Mal am Werke und das noch vor der Sommerpause! Leider wäre hier weniger mehr gewesen, denn die Kurve zeigt eindeutig nach unten. Zum Auftakt bekamen wir mit der als Agententhriller angelegten Folge  „Deckname Kidon“ einen bestenfalls soliden Krimi präsentiert, der Nachfolger „Grenzfall“ war dann auch nur minimal ansprechender umgesetzt. Gestern Abend folgte mit einer extrem schleppenden und statischen Folge der ultimative Tiefpunkt aus Wien. Das ist auch deshalb besonders schade, da die österreichischen Episoden mit Harald Krassnitzer nach dem Einstieg von Adele Neuhauser vor vier Jahren einen extremen Aufschwung erfahren haben und für eine Zeit lang zum Besten gehörten, was der „Tatort“ zu bieten hat.

Leider ist diese Hochphase spätestens seit gestern Abend beendet und wir können nur hoffen, dass die Verantwortlichen des österreichischen „Tatorts“ schnell wieder zu alter Form zurückfinden. Dazu müssten die eigentlich großartigen Hauptdarsteller aber auch wieder mit einem packenden Drehbuch versehen werden und zu all den besonderen Facetten ihrer Figuren zurückkehren dürfen. Zum Erreichen dieser Ziele wäre vielleicht doch mal eine Pause von Nöten.

Bis zum 14.06.2015 könnt Ihr euch den „Tatort: Gier“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort-„Kommissare, ein „Tatort-Quiz“ haben wir auch für euch vorbereitet.

Tatort: Gier - Trailer deutsch.

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