Tatort Kritik: Wotan Wilke Möhring, Homeland & Die Feigheit des Löwen

Marek Bang

Der „Tatort“ bekommt Besuch aus Hollywood, dennoch lebt auch die gestrige Folge aus dem Norden Deutschlands vor allem vom intensiven Spiel seines Hauptdarstellers Wotan Wilke Möhring, der die ein oder andere Schwäche des diesmal am Politthriller orientierten „Tatort“ im Alleingang ausmerzen kann. Hier kommt die aktuelle „Tatort“-Kritik von GIGA FILM zur Episode „Die Feigheit des Löwen“.

„Tatort“-Kritik: Die Feigheit des Löwen

Story  

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Alle aktuellen Tatort-Kommissare im Überblick

Längst ist Hamburg nicht mehr das einzige Einsatzgebiet von Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und so verschlägt es den Polizisten in der gestrigen Episode „Tatort: Die Feigheit des Löwen“ in die niedersächsische Provinz, genauer gesagt in das beschauliche Oldenburg, wo sein ehemaliger Freund und Partner Jan Katz (Sebastian Schipper) mittlerweile eine ruhige Kugel schiebt, so jedenfalls sieht das der immer noch ein wenig schmollende Kommissar Falke. Einst waren die beiden ein Team, nun muss sich Thorsten Falke bei der Bundespolizei mit seiner neuen Partnerin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) herumschlagen, zu der er nur zögerlich ein gutes Verhältnis aufbauen kann.

In einem Park wurde die Leiche eines Mannes gefunden, der offenbar aus Syrien stammte und der Kontakt zu einem Schleuser-Ring hatte, dem die Bundespolizei bereits seit einiger Zeit auf der Spur war. Viel schockierender ist jedoch der ungefähr zeitgleiche Fund von Jan Katz, der kaum fassen kann, was er im Kofferraum eines alten Mercedes zu Gesicht bekommt: Ein kleiner Junge hält völlig verängstigt und verstört seine tote Schwester im Arm, auf die er immer noch aufzupassen versucht, wie er es seiner Mutter versprochen hat, die verletzt auf dem Rücksitz des Autos liegt. Schnell wird klar, dass die beiden Fälle miteinander zusammenhängen und die Bundespolizei befindet sich im  „Tatort“ plötzlich zwischen den Fronten des Syrien-Krieges, der mittels Schleusern nun auch in Deutschland ausgetragen wird.

Ermittler

Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke ermittelte gestern erst zum vierten Mal für den „Tatort“. Nach einem kurzen Gastauftritt bei seinem Hamburger Kollegen Nick Tschiller (Till Schweiger) startete der Ermittler mit der Folge „Feuerteufel“ ebenfalls in der Hansestadt, wechselte jedoch spätestens seit der komplett auf der ostfriesischen Insel spielenden Episode „Mord auf Langeoog“ ins niedersächsische und Schleswig holsteinische Umland und geht seitdem, ähnlich wie seine Kollegin Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler, in ganz Norddeutschland auf Verbrecherjagd.

Thorsten Falke ist ein Mann der klaren Worte und ein waschechter Hamburger Jung. Mit seinem ehemaligen Team-Kollegen Jan Katz (Sebastian Schipper) verband den hemdsärmeligen Kommissar einst eine enge Männerfreundschaft, die allerdings in dem Moment, wo Katz sich wegen der Schwangerschaft seiner Frau versetzen ließ, einen tiefen Riss bekam. Dementsprechend kühl war zu Beginn sein Verhältnis zu seiner neuen Kollegin Lorenz, was sich aber spätestens seit der gestrigen Folge „Tatort: Die Feigheit des Löwen“ gewaltig geändert hat.

Besondere Vorkommnisse

Der „Tatort“ bekommt Besuch aus Hollywood. „Homeland“-Bösewicht Navid Negahban gibt sich die Ehre und spielt den syrischen Arzt Harun, der aus seiner Heimat geflohen ist und nun bei seinem Bruder, dem Arzt Nagib (Husam Chadat) und seiner Ehefrau Lydia (Karoline Eichhorn), Unterschlupf gefunden hat. Gleich bei seinem ersten Auftritt umgibt den Hollywood-Star eine dunkle Aura und der Zuschauer ahnt schnell, dass Navid Negahban auch in seinem gestrigen Gastspiel keinen Sympathieträger verkörpert, sondern vielmehr einen dubiosen Mediziner, der möglicherweise im Auftrag Assads Menschen gefoltert haben könnte.

Während sich der prominente Gast aus Hollywood überraschend nahtlos und relativ unspektakulär in den „Tatort“ einreiht, ist es Kommissar Falke selbst, der für das größte besondere Vorkommnis des gestrigen Krimi-Abends sorgt. In einer Oldenburger Bar überredet er seine Kollegin Lorenz zu einem selbst kreierten Korn-Milch-Mixgetränk, dessen Genuss zu einer Nacht führt, die in dieser Form im Falke-Tatort nicht zu erwarten war und die das Verhältnis zwischen den beiden Ermittlern auch für die kommenden Episoden nachhaltig geprägt haben dürfte.

Fazit

Wotan Wilke Möhring bleibt eine Attraktion im „Tatort“- Universum und trug auch die gestrige Folge mit seinem intensiven Spiel im Alleingang. Der eigentlich clevere Schachzug, mit Navid Negahban dem „Tatort: Die Feigheit des Löwen“ nicht nur etwas Hollywood-Glanz zu verpassen, sondern ihn in die von „Homeland“ vorgegebene Richtung des Politthrillers zu lenken, ging da fast schon unter. Und dass die großartige Karoline Eichhorn mittlerweile immer öfter nur noch als schmückendes Beiwerk zum Einsatz kommen darf, ist ebenfalls mehr als bedauerlich.

Eigentlich könnte der Falke-„Tatort“ prima als anspruchsvollerer und erdiger Gegenpart zum Krawall-Kommissar Tschiller alias Til Schweiger funktionieren, doch leider ergeben die an sich stimmigen Einzelteile auch im vierten Anlauf kein wirklich überzeugendes Ganzes. Zu wirr war gestern Abend das Geflecht der syrischen Verdächtigen, Opfer und Täter gestrickt, dass auch der diabolische Blick eines Navid Negahban nicht mehr zu einem wirklich spannenden Thriller beitragen konnte. Was bleibt, ist ein starker Einstieg, einige brillante Passagen und viel Leerlauf, der nur dank Wotan Wilke Möhring mit so viel Leben gefüllt wurde, dass sein kommender fünfter Einsatz immer noch für eine gewisse Vorfreude sorgen kann.

Bis zum 07.12.2014 könnt Ihre Euch den „Tatort: Die Feigheit des Löwen“ ab 20 Uhr in der Mediathek der ARD anschauen. Hier ist  eine Übersicht über alle aktuellen „Tatort“-Kommissare.

Tatort: Die Feigheit des Löwen - Trailer deutsch.

 

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