Ted 2 - Kritik: Anarcho-Bär macht auf Justizdrama

Christoph Koch

Nachdem sich „Ted“ von „Family Guy“-Schöpfer Seth McFarlane zu einem riesigen Erfolg entwickelte, war bereits abzusehen, dass man den Kiffer-Teddy auf keinen Fall in Rente schicken wird, sondern er noch ein weiteres mal sein loses Mundwerk auf die Zuschauer loslassen darf. Heraus kam „Ted 2“ und ob sich ein erneuter Ausflug lohnt, verraten wir euch in unserer Kritik!  

Der Anarcho-Teddybär Ted ist wieder da! Einer der Drehbuchautoren von „Ted 2“ scherzte einmal, dass er für „Ted 2“ den Titel „Ted 2: More of Same“ vorgesehen hatte und wenn wir ehrlich sind, gibt es keinen wirklich guten Grund, warum der kiffende Teddy und sein mindestens so verpeilter bester Freund erneut auf die Leinwand kehren sollten, außer die 550 Millionen US-Dollar, die der Überraschungserfolg „Ted“ im Jahre 2013 einspielte. Also schickt man die Donnerbuddys noch einmal ins Rennen und zum Glück findet Regisseur Seth McFarlane nach dem etwas vergurkten „A Million Ways to Die in the West“ sein Mojo wieder, was „Ted 2“ zu einer vergnüglichen schwarzen Komödie macht, am Ende aber leider etwas uninspiriert und unentschieden wirkt. Eben More of the Same.

Das letzte Mal, als wir den chaotischen Teddybären zu Gesicht bekamen, stand er als Trauzeuge mit seinem Donnerbuddy John (Mark Wahlberg) vor dem Traualtar. Zu Beginn von „Ted 2“ ist jetzt der kuschelige Junkie Ted am Zug, denn er ist bereit seine Freundin Tami-Lynn (Jessica Barth) zur Frau zu nehmen, während erneut Flash Gordon dem Bund der Ehe seinen Segen gibt. Während Ted „Ich will“ sagt, ist Jon schon länger allein, denn die Ehe mit seiner Angebeteten aus „Ted“ ging leider in die Brüche. Auch bei Ted sieht es ein Jahr nach der Hochzeit nicht viel besser aus, denn schnell verwandelt sich das traute Glück in eine Hölle aus Anschuldigungen, Streit und Beleidigungen. Es scheint nur eine Lösung zu geben: Ein Kind muss her! Da gibt es nur ein Problem: Wie genau soll das rein anatomisch funktionieren?

Doch das ist im Verlaufe von „Ted 2“ nur das geringste Problem, mit dem sich die Donnerbuddys fürs Leben herumschlagen müssen, denn der Staat Massachusetts ist plötzlich der Auffassung, dass Ted gar kein Mensch sei, sondern vielmehr ein Objekt. Das muss angefochten werden! Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich „Ted 2“ zu einem Seth Mcfarlenschen Justizdrama, in dem Ted für seine Gleichberechtigung kämpft und als Mensch anerkannt werden will.

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Fluch und Segen

„Ted 2“ punktet mit einer Unmenge an popkulturellen Anspielungen, die zumindest bei mir immer wieder für die größten Lacher gesorgt haben. Da wird fröhlich aus den unterschiedlichsten Filmen und Serien zitiert und die 80er scheinen wieder lebendig zu sein. Nicht zuletzt die Cameo-Auftritte der unterschiedlichsten Schauspiel- und Showgrößen führen immer wieder zu Schenkelklopfern, da die Stars sich nicht zu schade sind, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Das sind die Szenen, in denen „Ted 2“ richtig viel Spaß macht, die aber eingestreut sind und im Verlauf der Geschichte zwar für einen Gag, aber nicht für den nötigen Story-Fortschritt sorgen. Hier kommt der Gag nicht aus der Geschichte heraus, sondern wurde gefühlt einzig und allein für den Lacher noch addiert.

Ja, auch „Ted 2“ spart nicht mit infantilem Humor auf dem Niveau von „Er hat Penis gesagt hihi“. Es gibt Samen-Jokes, Peniswitze, Sex-Anspielungen, politisch unkorrekte Scherze und eine Menge vulgärer Ausbrüche unter die Gürtellinie. Manches davon trifft voll ins Schwarze, doch vieles schießt weit über das Ziel hinaus oder wirkt einfach unpassend und aufgesetzt, allen voran diese merkwürdig übertriebende Angst vor Homosexualität.

Versteht mich nicht falsch, „Ted 2“ hat wirklich den ein oder anderen Kracherwitz zu bieten, doch man merkt dem Film an, dass hier die Kaltschnäuzigkeit und Over-The-Top Vulgarität des ersten Teils heruntergeschraubt wurde auf ein Level, auf dem es plötzlich aufgesetzt und wie darübergestülpt wirkt. „Ted 2“ erzählt, wenn wir alle Nebenstränge, Zusatzgeschichten und Story-Kurven weglassen, eine Geschichte über Toleranz und widmet sich damit im Grunde genommen einem wichtigen Thema, was auch immer wieder auf eine beinah so ernste Art angeschnitten wird, dass die darauffolgenden Bong-Sex-Witze einfach nicht ganz ziehen wollen.

Anarcho um des Anarchowillens ist halt nicht immer der beste Weg und versackt viel zu oft in vorhersehbaren Gefilden ohne die nötige Zugkraft. Dann wird „Ted 2“ irgendwie peinlich. Und leider ist sich „Ted 2“ auch nicht zu schade einen gelungenen Schmunzler so lange im Verlauf des Films auszuschlachten, bis wirklich jeglicher Witz verloren gegangen ist.

Fazit

„Ted 2“ hat unter seiner kruden und auf Krawall gebürsteten Oberfläche eigentlich ein gutes Herz und ist mit seiner tief unter einem Berg von vulgären Ausbrüchen versteckten Message vielleicht der etwas markig-subversive Versuch die Menschen für mehr Toleranz zu sensibilisieren. Wenn es „Ted 2“ jetzt noch geschafft hätte, sich in einigen Szene selbst an diese Message zu halten, und sich nicht immer wieder selbst verraten würde, dann wäre da nicht dieser bittere Nachgeschmack, dass es sich hierbei nur um einen halbherzigen und vielleicht nicht ganz so ernst gemeinten Versuch handelt. „Ted“ 2 ist eine Hau-Drauf-Komödie, die vor den Kopf stoßen will, dabei manchmal daneben haut, sich aber durch einige gute Gags, viele superbe Anspielungen und einem großen unterhaltsamen Haufen popkultureller Anspielungen grad noch so retten kann.

rating6

Ted-Quiz: Teste dein Wissen über den bekifften Anarcho-Teddy

"Ted" ist alles andere als ein zahmes Kuscheltier. Schon in zwei Filmen kifft, flucht und säuft der sprechende Anarcho-Teddy, was das Zeug hält und verleitet seinen Donnerbuddy Mark Wahlberg zu allerlei Unsinn. Doch könnt auch ihr in der wilden Welt von "Ted" bestehen? Findet es heraus und testet euer Wissen in unserem "Ted"-Quiz!

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