Das Veto der Woche: Die Teenage Mutant Ninja Turtles

Philipp Schleinig 2

Von Zeit zu Zeit begegnen uns in der Film-Welt Themen, die unseren Zorn entfachen. In diesem neuen Format wollen wir angestauten Aggressionen einmal Luft machen. Seit der Sichtung von „Teenage Mutant Ninja Turtles“ vergangene Woche beschäftigt mich nur ein Thema: Warum besitzt der Film eine Daseinsberechtigung? Das Veto der Woche.

Achtung: In dieser Schimpftirade wird die Handlung vom Film besprochen und werden Spoiler offenbart. Ein Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Es wurde schon viel über die Realverfilmung der „Teenage Mutant Ninja Turtles“ diskutiert. Schon mit dem Aufkommen der Idee gab es die ersten flammenden Reden von Befürwortern und Gegnern. Mit ruhigen Worten versuchten einige, so auch ich, das Filmprojekt nicht schon vor der Entstehung komplett abzuschreiben. Doch die entschuldigenden Ausreden, warum die coolen Schildkröten aus den 1990er Jahren auch im 21. Jahrhundert einen Auftritt verdienen, wurden zunehmend dünner, das Projekt driftete stark in Richtung Totalkatastrophe. Stolpersteine wurden nämlich schon früh in den Weg gelegt: Michael Bay wurde als Produzent verpflichtet und Jonathan Liebesman, der sich solcher furchtbaren Werke wie „Zorn der Titanen“ rühmen kann, als Regisseur engagiert.

Wer weiß? Vielleicht schaffen die Verantwortlichen ja einen unterhaltsamen Herbst-Blockbuster, der den Charme der Zeichentrick-Serie einfangen kann?„, hörte ich mich noch sagen. Doch das erste Bild zu den „Teenage Mutant Ninja Turtles“ ließ mich verstummen, für die einst getätigte Aussage bekam ich nun böse Blicke. Mir war schlecht, sahen die Turtles doch aus wie eine etwas abgewandelte Version von DreamWorks „Shrek - Der tollkühne Held“. Michael Bay konnte mich – und dazu stehe ich bis heute – einst mit „Armageddon – Das jüngste Gericht“ und „The Rock – Fels der Entscheidung“ begeistern. Dieser (schrumpfende) Stein im Brett ließ mich, beziehungsweise mein wohlwollendes Bewusstsein, noch etwas an „Teenage Mutant Ninja Turtles“ glauben. „Hey, vielleicht überzeugt der Film ja mit spritzigem Humor?

NEIN! Der Film überzeugt überhaupt nicht. Weder mit Humor, noch mit Charme, noch mit irgendwelchen Darstellern, noch mit einer Story, noch… ich müsste bis ins kleinste Detail gehen, um ja nichts auszulassen, was am Film nicht funktioniert. Ja, ich musste lachen im Kino. Angesichts des an den Haaren herbeigezogenen Handlungspunkts, an welchem Megan Fox als April O’Neal erkennt, dass die Ninja Turtles eigentlich einst ihre „Haustiere“ waren. Hat ihr Charakter mit sieben Jahren etwa noch kein Gedächtnis? Entschuldigt, aber wenn mir als siebenjähriger Bub überstarke Mini-Schildkröten begegnen, die Glasscheiben zum Bersten bringen, bezweifel ich stark, dass ich das jemals vergessen würde.

An was ich mich nämlich aus meiner Kindheit erinnere, sind coole „Teenage Mutant Ninja Turtles“ im Zeichentrickformat, die zu jeder Situation einen kessen Spruch auf Lager haben, deren Abenteuer spannend und Kämpfe eindrucksvoll sind. Ich kann schlecht abschätzen, welchen Weg die Filmemacher bei der Realverfilmung eingeschlagen haben: Entweder haben sie zu sehr versucht, den Ton der Comic- und Zeichentrickvorlage einzufangen, oder sie haben es gleich bleiben lassen. Michelangelos Sprüche sind zu pubertär, Raphael ist zu aufgepumpt, die Nerd-Version von Donatello unnötig und Leonardos Anführer-Sprüche erinnern eher an Freundschaftsalben-Floskeln aus der Grundschule.

Wo bleibt der Humor also? Wo sind die einprägsamen Sprüche, die wir vor 15 Jahren dem Mitschüler am nächsten Tag an den Kopf geknallt haben? Nichts davon bleibt, geschweige denn taucht überhaupt auf. Der Verweis von April O’Neals Assistenten Vern Fenwick (Will Arnett) und der damit einhergehende und leider schon obligatorisch gewordene Kameraschwenk auf Megan Fox‘ Hintern sind nicht witzig. Das ist der peinliche Fingerzeig auf das sexuelle Attribut: „Bei den Teenage Mutant Ninja Turtles gibt es nicht nur coole Schildkröten, sondern auch heiße Feger.“ Das Niveau fällt an dieser im Film doch eigentlich stärkeren Sequenz – die Flucht vor Shredders Schergen und die Hangabwärtsfahrt – erneut rapide ab.

Zu guter Letzt: Wohin gingen bitte die 125 Millionen US-Dollar Budget? In die CGI-Effekte wohl kaum. Ein Blick auf die Ratte Meister Splinter genügt und ist zeitgleich erschreckend. Es zeigt sich eindeutig, warum eine Realverfilmung keine gute Idee war. Doch wieder einmal belehren die Einspielergebnisse die Produzenten eines Besseren: rund 350 Millionen US-Dollar (!) hat „Teenage Mutant Ninja Turtles“ bereits eingespielt, dabei ist der Film in Ländern wie Deutschland, Großbritannien, China und Japan noch nicht einmal angelaufen. Die logische Konsequenz: „Teenage Mutant Ninja Turtles 2“. Und das ist bereits beschlossene Sache.

Brace yourselves: Noch mehr Müll ist bereits auf dem Weg! Es wird also Zeit, die Ninja Turtles mit den Transformers zu vereinen. Cross-over-Idee?

 

Wem eine weniger einvernehmende Meinung lieber ist, kann sich hier unsere Filmkritik zu „Teenage Mutant Ninja Turtles“ durchlesen:

https://www.giga.de/filme/teenage-mutant-ninja-turtles/kritik/teenage-mutant-ninja-turtles-kritik/

Einen Trailer gibt es hier:

Teenage Mutant Ninja Turtles - Finaler Trailer Deutsch.

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