Terminator: Genisys-Kritik: Tut mir leid, ich find`s geil!

Marek Bang 2

In einem Alter, in dem andere Herren mit ihren Enkelkindern gemütlich im Park spazieren gehen, lässt es Arnold Schwarzenegger noch einmal krachen und terminiert die Leinwand. Ob „Terminator Genisys“ auch überzeugen kann oder eher den Sargnagel für das mächtige Franchise darstellt, erfahrt ihr in unserer Kritik zu „Terminator Genisys“.

I´ll be back, zu Deutsch Ich komme wieder sagte Arnie bereits 1984 als böser „Terminator“ und jagte der ahnungslosen Sarah Connor in Gestalt von Linda Hamilton einen ordentlichen Schrecken ein. Der visionäre B-Film vom späteren „Titanic“-Regisseur James Cameron bedeutete seinerzeit nicht nur den Durchbruch für den Filmemacher, sondern auch für den Bodybuilder und Conan-Darsteller Arnold Schwarzenegger. Die Idee, dem mimisch limitierten Boliden mit Ösi-Akzent die Rolle eines Roboters zu verpassen, erwies sich als genial und der Film funktionierte gar als legitime Warnung vor allzu präziser Ingenieurskunst.

Terminator-Quiz: Teste dein Wissen über Arnold Schwarzenegger

1991 geriet das Sequel „Terminator 2“ dann zum Höhepunkt in Arnies Filmkarriere und der erfolgreichste Blockbuster des Jahres bot nie gesehene Tricks, spektakuläre Action, eine tolle Atmosphäre und nicht zuletzt den nötigen ironischen Bruch mit der Rolle des T-800, der im Gegensatz zu Arnies Abschiedsvorstellung in „Terminator 3“ genau richtig dosiert war und den Muskelmann nicht zur Karikatur seiner selbst werden ließ. Nun ist es wieder einmal so weit und der mittlerweile 67 Jahre alte ehemalige Governator greift in  „Terminator 5: Genisys“ erneut beherzt zum Waffenarsenal. Dabei ist die Situation ähnlich wie 2003. Damals gab Arnie nach einigen lauen Filmchen vor seiner Kandidatur als Gouverneur von Kalifornien noch einmal den T-800 und prompt geriet der Film zur sinnfreien Abschiedsvorstellung für seinen Star. Auch heute blickt der Hollywoodstar auf eine Reihe von Comebackfilmen zurück, die zwar größtenteils besser als ihr Ruf sind, vom Publikum aber weitestgehend verschmäht wurden. Also alles auf eine Karte setzten und die heißt bei Arnold Schwarzenegger bekanntlich T-800.

Überflüssig, sinnlos, unwiderstehlich: Terminator: Genisys

Bereits die Sternchen am Paramount-Himmel machen leise Damdamdamdamdam und sorgen für ein wohlig nostalgisches Gefühl im Kino. Die Vorfreude steigt, denn als Fan der ersten beiden „Terminator“-Filme weiß ich, dass die Arnie-freie „Terminator“-Zeit vorbei ist und das Original nach 12 Jahren Pause gleich wieder zuschlägt. Doch bevor es soweit ist, beginnt die Handlung von „Terminator Genisys“ mal wieder in der Zukunft, in dem John Connor (diesmal in der Evil-Variante mit Jason Clarke) den letzten Schlag der dezimierten Menschheit gegen die Übermacht der Maschinen vorbereitet. Doch wo bleibt Arnie? Der kommt gleich, und zwar doppelt. Liebevoll stellt Regisseur Alan Taylor die Szene der ersten „Terminator“-Ankunft Bild für Bild nach und der T-800 erscheint als Computeranimation und gleicht Arnie aus dem Jahr 1984 so verblüffend, dass ich mich für eine Sekunde frage, wo denn in Los Angeles der Jungbrunnen unter Verschluss gehalten wird. Dann aber kommt der Echtzeit-Arnie von heute und macht sein früheres Ich platt. Bäm! Schöne Hommage, ich fühle mich abgeholt und bin mittendrin statt nur dabei.

Hier geht es zum Interview mit Arnold Schwarzenegger und Regisseur Alan Taylor

Was folgt, ist eine von allen Charakteren dauernd wortreich erklärte hanebüchen-komplexe Geschichte um eine alternative Realität, in der die aus dem Franchise bekannten Ereignisse eine andere Wendung nehmen. Sarah Connor ist nun der „Game of Thrones“-Star Emilia Clarke und weiß sich schon im Jahr 1984 gegen die Terminatoren zu wehren. Schuld ist der T-800, der bereits in den 1970er Jahren auftauchte und die junge Sarah großzog. Ersatzpappa Arnie also, der sich milder und menschlicher gibt als je zuvor. Nun gilt es, in das Jahr 2017 zu reisen, um die totale menschliche Vernetzung durch Skynet zu verhindern, die in dieser Realitäts-Variante den Beginn des Krieges Mensch gegen Maschine darstellt. Alles klar soweit? Eher nicht, ist aber völlig egal, denn Arnie macht das, was er am besten kann: Markige One-Liner von sich geben, Terminatoren eliminieren, Leute verprügeln, mit dem roten Auge leuchten und vor allem auf Sarah Connor aufpassen.

Natürlich kann „Terminator: Genisys“ dem zweiten Teil des Franchise nicht das Wasser reichen und in einer perfekten Action-Kino-Welt wäre nach „Terminator 2“ Schluss gewesen. Dennoch funktioniert Arnies endgültiges Comeback als Hommage bestens und wer einen relevanten Kommentar an die gegenwärtige menschliche Vernetzungswut in sozialen Medien erwartet, der muss sich halt einfach irgendeinen Problemfilm anschauen. Für Tiefgründigkeiten taugt das Franchise in seinem Rentenalter nicht mehr, dafür bietet es aufwendige und launige Unterhaltung mit Herz und ordentlich Krawall. Von mir aus gerne mehr.

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Fazit:

„Terminator 2“ bleibt unerreicht, dennoch tun die vielen schlechten Kritiken und der schwache US-Start „Terminator: Genisys“ unrecht, denn der fertige Film ist perfekt gemachte Unterhaltung mit angenehm mild dosierter Ironie und viel Liebe und Respekt zum Ursprung des Franchise. Außerdem verfügt der Film über einen stark realisierten Twist, den dummerweise die Marketing-Abteilung von Paramount in den Trailer gepackt hat, was den gröbsten Fehler im Zusammenhang mit Arnies filmischer Wiederauferstehung bildet. Der Film an sich macht hingegen vieles richtig. In diesem Sinne: Damdamdamdamdam und ab ins Kino!

rating8

 

 

 

Terminator-Quiz: Teste dein Wissen über T-800 Arnold Schwarzenegger!

Als "T-800" schaffte Arnold Schwarzenegger seinen großen Durchbruch und Regisseur James Cameron schuf mit den ersten beiden "Terminator"-Filmen ein Action-Franchise für die Ewigkeit. Doch wie gut kennt ihr euch mit Arnold Schwarzenegger und dem "Terminator" aus? Testet es in unserem Quiz!

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