Neuer Spider-Man Film: Spidey ist noch ein halbes Kind - Gut so! (Kommentar)

Tobias Heidemann 4

Die Nachricht kam nicht besonders gut an. Der neue Spider-Man wird ein 15-jähriger Schuljunge sein, der sich erneut auf der High-School mit hormonell bedingten Teenie-Problemen und doofen Hausaufgaben rumschlägt. Die gefühlte Hälfte aller Spider-Man-Fans hat offenbar die Schnauze voll vom jungen Spidey. Verstehen kann man das. Wer schon bei Spider-Mans Hochzeit dabei war, Zeuge seiner ersten Gehversuche als Lehrer wurde oder ihn als Vater einer Teenager-Tochter kennt, der fragt sich mit einiger Berechtigung, wann all das endlich mal eine Rolle im Kino spielen wird. Erstmal gar nicht. So lautete die Antwort von Marvel-Produzent Kevin Feige. Doch auch wenn es verführerisch sein mag, in das derzeitige Gemecker einzustimmen - es gibt verdammt gute Gründe für einen Teenage-Spider-Man. 

Spider-Man als Teenager. Bitte nicht schon wieder! Auch ich habe Kevin Feiges Statement erst einmal in die „Meh“-Schublade gelegt. Nicht nur erscheint die Entscheidung wie eine uninspirierte Aufwärmung eines Gerichts, dass wir sowohl von Tobey Maguire in „Spider-Man“, als auch von Andrew Garfield in „The Amazing Spider-Man“ bereits mehrfach serviert bekamen, sie steht in meinen Augen vor allem auch für schnödes marktwirtschaftliches Kalkül. Sony und Marvel wollen mit Spidey in den boomenden Young Adult-Markt. Mit Teenagern kann man aktuell nun einmal sehr viel Geld verdienen.

The Amazing Spider-Man - Trailer 3 Deutsch.

Spider-Man: Einer von uns!

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Spider-Man soll sich somit irgendwo zwischen „Hunger Games“, „Divergent“ und „Maze Runner“ platzieren. Musste das sein? Es muss. Je länger man über diese Entscheidung nachdenkt, desto deutlich wird, dass sie letztlich doch die richtige ist. Warum?

Nun, zunächst einmal weil Spider-Mans größter Trumpf schon immer seine große Nähe zu jungen Comic-Lesern war. Er wurde seinerzeit eingeführt als ein stinknormaler Junge von nebenan. Er war kein alkoholkranker Milliardär, kein gottgleicher Gesandter vom Rand des Universums, kein hyper-moralischer Werteritter aus der Tiefkühltruhe und auch kein genialer Wissenschaftler, der seine Frau schlägt – Spidey war einer von uns. Ein Junge, der sich mit Allerweltproblemen rumschlagen muss, gute und schlechte Schulfreunde hat, Comics liest und auf ein ganz besonderes Mädchen steht.

Das war damals das Geheimnis seines enormen Erfolgs und das grenzt die Figur bis heute von allen anderen Superhelden ab. Wenn es Marvel und Sony tatsächlich gelingt, uns einen wirklich authentischen Teenager zu präsentieren – und das ist ein verdammt großes „Wenn“ – dann schlummert gerade in der Abgrenzung zu anderen Superhelden und dem Zusammenspiel mit bereits etablierten Marvel-Figuren wie Thor, Iron Man, Captain America oder Nick Fury ein enormes Potential.

Ein älterer, gereifterer Peter Parker würde meiner Meinung nach zu viel von diesem besonderen Reiz verlieren, denn er wäre -  so wie er es bisher auch war -  eben nur ein weiterer Superheld unter vielen. Teenage-Spidey ist dagegen ein hoffnungslos überforderter Schuljunge in einem exklusiven Club für Erwachsene. Diese Karte muss endlich mal vernünftig gespielt werden!

Spider-Man: Verschwende deine Jugend!

Das gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass uns Sony einen echten Teenie-Spider-Man all die Jahre schuldig geblieben ist. Weder Tobey Maguire, noch Andrew Garfield bekamen einen angemessenen Rahmen, um Peters sehr ereignisreiche Schuljahre mit allem Drum und Dran darzustellen.

Zudem kann man beide Schauspieler trotz guter Leistung nicht wirklich als glaubhafte Teenager bezeichnen. Immerhin waren beide bereits Anfang 20, als sie die Rolle bekamen. Sollten Marvel und Sony das richtige Gespür haben, dann besetzen sie die Rolle erstmals mit einem echten Teenager. Klingt abwegig? Nicht vorstellbar? Dann lasst dazu mal den Theme-Song dieser Zeichentrick-Serie laufen. Dann klappt´s!

Spectacular Spider-Man Theme.

Ein Teenager sollte die Rolle meiner Meinung nach spielen. Jemand wie Daniel Radcliffe im ersten „Harry Potter“ zum Beispiel. Jemand, mit dem das Publikum im Laufe kommender Marvel- und Sony-Verfilmungen mitwachsen kann. Jemand, der, eben so wie der echte Peter Parker auch, noch ein halbes Kind ist.

Nur so lassen sich die speziellen Charakteristika der Comic-Figur auch angemessen ausspielen. Dass Spider-Man zum Beispiel während seiner Kämpfe ziemlich schlechte Witze reißt, hat sehr viel damit zu tun, dass Peter sich gerade mächtig in die Hosen macht. Er ist ein Halbwüchsiger, der sich und seinem selbstgenähten Kostüm viel zu viel zugemutet hat und nun verzweifelt versucht, seine Angst mit einem dummen Kommentar zu überspielen. Eine von vielen Noten aus der Comic-Vorlage, die mir in den bisherigen Verfilmungen viel zu selten angestimmt wurden.

Die bisherigen Adaptionen des Stoffs taten oft nur so, als sei ihre Hauptfigur ein Teenager. Das Thema selbst war jedoch kaum mehr als eine wackelige Kulisse aus Romantic-Comedy-Quatsch und abgegriffenen Origin-Standards. Das Leben als Teenager von dieser austauschbaren Textur zu befreien und ernsthaft auszuleuchten, das scheint mir die wichtigste Aufgabe für eine gelungene, werktreue Spider-Man-Version zu sein.

Mehr verspielte Vorabend-Serie - weniger Dark Knight, bitte!

Ein weiteres, gewichtiges Argument für die 15-jährige Version von Spider-Man ist die damit einhergehende Leichtigkeit des Stoffes. Ein farbenfroherer und verspielterer Ansatz wäre inmitten all der apokalyptisch-pessimistischen Schwarzseherei, die uns mit dem Erfolg des „Dark Knight“ befallen hat, eine willkommene Abwechslung. Und damit ist hier nicht nur DC gemeint. Soll Captain America ruhig die faschistischen Doppelagenten im Weißen Haus jagen – Spidey darf so lange gern noch seine Jugend verschwenden.

Warum also nicht mit den neuen Spider-Man-Filmen auch mal aus dem derzeit so erwachsenden und ernsthaften Comic-Kanon ausscheren und sich mal am leichtfüßigen Stil der bunten Vorabend-Serien orientieren?

Spider-Man:The Animated Series Theme.

Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee einer gelungenen Teenager-Version von Spider-Man. Doch wie seht ihr das? Welche Version von Spider-Man würdet ihr gern im Kino sehen: Jung oder alt? Dunkel und erwachsen oder darf es auch mal etwas bunter und verspielter zugehen? Schreibt eure Antwort in die Kommentare!

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