News der Woche: Das Wettrüsten der filmischen Comic-Universen

Philipp Schleinig

Innerhalb von zwei Wochen gab es für Comic- und Superhelden-Fans gleich mehrfach Anlass zur Freude. Es begann mit der Verkündung von DCs Film-Plan der nächsten Jahre, gefolgt vom ersten Trailer zu „The Avengers 2: Age of Ultron“ und gipfelte nun in Marvels Keynote. Das Wettrüsten der Comic-Konzerne ist in vollem Gange.

News der Woche: Das Wettrüsten der filmischen Comic-Universen

Ich erinnere mich noch dunkel daran, als 2000 mit „X-Men“ und 2002 mit „Spider-Man“ die ersten Superhelden-Filme des 21. Jahrhunderts in die Kinos kamen. Ich war ein junger Heranwachsender, der sich über den Leinwandauftritt seiner Zeichentrickhelden freute. Für viele Erwachsene waren „Spider-Man“ und die beginnende „X-Men“-Reihe noch Kinderfilme – eine Abwechslung zwischen den Dramen, die den 11. September 2001 zum Thema hatten. 2005 sorgte ausgerechnet das Mastermind Christopher Nolan mit „Batman Begins“ dafür, dass dem Superhelden-Genre nach einem verkorksten „Hulk“-Film von Ang Lee wieder Respekt und Anerkennung entgegengebracht wurde. „The Dark Knight“ avancierte zum beliebtesten Superhelden-Film aller Zeiten und bewies, dass noch einiges mehr in dem Genre steckt.

2008 startete „Iron Man“ in den Kinos. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Kinopublikum schon etliche Comic-Verfilmungen sehen dürfen und dennoch war der coole Tony Stark, brillant von Robert Downey Jr. verkörpert, ein anderes Kaliber als vorherige Artgenossen. Niemand – außer gewiss die Verantwortlichen von Marvel Entertainment, insbesondere Kevin Feige – hätte jedoch bis dato erahnen können, welches Ausmaß die Superhelden annehmen würden. Niemand hätte bis zu diesem Zeitpunkt vermutet, dass eine gigantische Welle an Genre-Filmen auf uns zurollen wird. Und so befinden wir uns nun im Jahre 2014 und blicken auf rund 40 Comic-Verfilmungen, die uns bis 2020 erreichen werden. Das sind umgerechnet neun Filme im Jahr! Neun Filme, in denen Superhelden die Hauptrolle spielen. Wer hätte dies im Angesicht von Tobey „Spider-Man“ Maguire geahnt?

Und so steht sie vor uns: Die Kriegsmaschinerie der Superhelden. Mit einem Schlachtplan, der minutiös durchgeplant, strukturiert und abgewogen ist. Einst mussten die Produzenten aus dem Hause DC/Warner, Sony Pictures, 20th Century Fox und Marvel/Disney ihre Kinostarts weise wählen, um nicht im Schatten eines großen Films von Steven Spielberg, Martin Scorsese oder Christopher Nolan zu stehen. Heute flüchtet die Konkurrenz aufgrund der Gewissheit, den Super-Blockbustern nicht die Zuschauerscharen ablaufen zu können. Wer sich nun fragt, ob nicht angesichts von 52 Kinostartwochen im Jahr noch genügend andere Kinostart-Termine zur Verfügung stehen, sollte bedenken, dass auch die Laufzeit der Filme und die oftmals damit verbundene Platzierung an der Kinochart-Spitze andere Filmstarts beeinflussen können.

breaking bad

Und das Wettrüsten geht weiter: Nachdem die filmischen Ableger der Comic-Riesen Marvel und DC bereits diversen Major-Studios das Fürchten gelehrt haben, stacheln sich beide Parteien nun gegenseitig zu Höchstleistungen – und das bedeutet: mehr Filme – an. Obwohl Marvel dank der genialen Strategie eines Kevin Feige einen beachtlichen Vorsprung besitzt, verlässt DC nicht kampflos das Feld. Vor einigen Tagen gab somit das Studio, welches sich Warner Bros. einst einverleibt hat, seinen  Schlachtplan bekannt. Wir können nur erahnen, inwiefern dies Feige und sein Stab aus Kreativen beeindruckt hat oder nicht. Der Marvel-Plan, der uns nun diese Woche erreichte, stand zu diesem Zeitpunkt allerdings schon längst fest. Und schauen wir auf das gesamte Marvel Cinematic Universe, so ist zu vermuten, dass die Strategie bis in das Jahr 2008 zurückreicht.

Wo stehen wir in all dem Kriegsgetümmel? Zwischen den Fronten, ganz eindeutig. Selbst wenn wir uns entscheiden, das Subgenre seinen Lauf nehmen zu lassen, ohne uns damit auseinanderzusetzen, kommen wir nicht umhin, die Auswirkungen der neun Filme pro Jahr zu spüren. Angesichts der Milliarden-Umsätze, die beide Parteien in der Zukunft einfahren werden, ist der Einzelne von uns machtlos. Erst mit der Übermüdung des Kollektivs könnte ein Umdenken bei den Filmstudios stattfinden. Doch, wenn ihr mich fragt, ist diese Chance zu gering, um wirklich diskutiert zu werden. Bis 2020 ist zumindest Marvels Zukunft in Stein gemeißelt. Ob DC sich im Kampf behaupten kann, werden wir dagegen wohl erst in den nächsten Jahren sehen.

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