News der Woche: Joss Whedon über Sexismus im Superhelden-Genre

Jan-Thilo Caesar 4

Wenn es um Sexismus in der Entertainment-Branche geht, fand Joss Whedon schon in der Vergangenheit klare Worte. In einem Interview mit Digital Spy kritisiert der „Avengers“-Regisseur nun den Mangel an weiblichen Hauptrollen in Comic-Verfilmungen und den Frauenhass der Unterhaltungsindustrie.

News der Woche: Joss Whedon über Sexismus im Superhelden-Genre
Bildquelle: © Marvel Comics.

In den nächsten fünf Jahren dürfen wir uns auf mehr als 30 Comic-Verfilmungen freuen, aber wenn man mal einen Blick auf die Besetzungslisten wirft, sticht einem sofort das gewaltige Defizit bei den weiblichen Superhelden ins Auge. Während den männlichen Kollegen jede Menge Zuwachs in Haus steht, sieht es auf weiblicher Seite eher mager aus: Mit „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“ erwarten uns gerade mal zwei Solo-Auftritte von den unzähligen Damen, die das DC- und Marvel-Universum zu bieten haben.

Das Phänomen der „Dummen Menschen“

Joss Whedon hat mit der Post-Production von „Avengers 2: Age of Ultron“ gerade alle Hände voll zu tun, doch schon im letzten Jahr führte der Regisseur ein Interview mit Digital Spy über diese Problematik, das erst jetzt veröffentlicht wurde. Darin macht Whedon vor allem zwei Dinge für das unterrepräsentierte weibliche Geschlecht im Superhelden-Genre verantwortlich: Hartnäckiger Sexismus und ein altmodischer, heimlicher Frauenhass in der Entertainment-Branche.

„Es ist ein Phänomen in der Industrie, dass wir ‚Dumme Menschen‘ nennen. Es herrscht ein widerspenstiger, hartnäckiger Sexismus und ein altmodischer, heimlicher Frauenhass. Man hört, ‚Oh, funktionieren nicht, weil es da mal vor acht Jahren diese zwei miesen Filme gegeben hat…‘ Es gibt immer eine Ausrede.“

Bilderstrecke starten
9 Bilder
Diese Star-Wars-Schauspieler sind zugleich Marvel-Superhelden .

Starke Frauen und schwule Superhelden

Mit der Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ schuf Joss Whedon längst einen Gegenentwurf und etablierte eine selbstbewusste, starke Heldin im sonst so männerdominierten Actiongenre. Auch sein nächstes Projekt, die viel zu früh abgesetzte und schmerzlich vermisste Sci-Fi-Serie „Firefly“, setzt auf eigensinnige und unabhängige Frauencharaktere. Dabei gibt es sowohl im Marvel-, als auch im DC-Universum jede Menge interessanter weibliche Figuren, die sich einen Filmauftritt genauso verdient hätten, wie die männlichen Vertreter der Superhelden-Zunft.

Überhaupt wird in den Comics ein modernes und vielschichtigeres Frauenbild abgebildet, als in den Hollywood-Filmen. Erst vor zwei Wochen verdeutlichte eine neue Studie von der Universität von San Diego, dass es zwar etwa gleich viele männliche und weibliche Absolventen an den Filmhochschulen gibt, die Frauenquote hinter der Kamera aber trotzdem rückläufig ist. Von den 250 erfolgreichsten Filmen im Jahr 2014 wurden gerade mal 7 % von Frauen inszeniert. Die Comicwelt ist da schon ein paar Schritte weiter: Dort gibt es nicht nur jede Menge Superheldinnen, auch der ersten Hochzeit eines homosexuellen Paares durften die Leser in Ausgabe 51 der Astonishing X-Men bereits miterleben. Im Kino-Universum von Marvel und DC wird sowas mit ziemlicher Sicherheit nicht so schnell passieren.

Marvel kann ein Zeichen setzen

Im Jahr 2007 wagte Whedon mit „Wonder Woman“ den Versuch, eine Superheldin auf die große Leinwand zu bringen, doch Warner Bros. war von den Erfolgsaussichten des Projekts nicht überzeugt und schob der Sache schnellsten einen Riegel vor. Nun wird „Breaking Bad“-Produzentin Michelle MacLaren die Amazone doch noch ins Kino bringen und Whedon hat mit Black Widow (Scarlett Johansson) und Neuzugang Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) gleich zwei starke Heldinnen für „Avengers 2: Age of Ultron“ gebucht. Das reicht dem Regisseur aber nicht:

„Marvel befindet sich in der Position, ein Zeichen zu setzen, indem sie einfach nur einen Film unter weiblicher Führung machen. Das wäre eine gute Sache. Aber es muss ein guter Film sein, es muss ein guter Charaktere sein und machen wir uns nichts vor: Die besten Marvel-Figuren gehören Fox.“

Ob Whedon mit dem Seitenhieb auf die Rechtelage des Marvel-Franchise wohlmöglich einen Wechsel zu DC Comics ankündigen will? Vermutlich eher nicht, nachdem der Regisseur ankündigte, nach „Avengers 2: Age of Ultron“ erst mal wieder persönlichere Projekte in Angriff nehmen zu wollen, bei denen er ohne Vorlage arbeiten kann. Wir sind gespannt, wie seine Pläne für die Zukunft aussehen und hoffen, dass wieder ein paar starke Frauenrollen involviert sein werden. Und dass sich der Rest von Hollywood endlich eine Scheibe von ihm abschneidet. Damit ist aber nicht sowas wie das kommende Ghostbusters-Remake gemeint!

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung