Es ist schmerzlich, aber es muss sein: Unser Veto in dieser Woche betrifft Comic-Verfilmungen. Aber nicht in dem Sinne, wie ihr jetzt vorschnell vermuten würdet. Diesmal geht es vielmehr um eine Motivation der Desinteressierten, oder besser: ein Veto gegen die Ablehnung.

 

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Man mag meinen, es gäbe so unglaublich viele Themen aus der Filmwelt, über die es sich aufzuregen lohnt. Angesichts der letzten zwei Wochen schummelt sich allerdings aktuell ein Gigant ins Bild, der nur schwer zu übersehen ist. Nach der Superhelden-Offensive von DC und Marvel schlug mir in Gesprächen vor allem eines entgegen: ablehnende Haltungen, die den Comic-Verfilmungen entweder noch nie etwas oder seit Neuestem nichts mehr abgewinnen können. Und da stocke ich kurz, habe ich doch besonders in der letzten Woche Marvels Schlachtplan etwas gefeiert. Ist der Deutsche wieder nur negativ gestimmt oder sehe ich die Kriegsmaschinerie an Superhelden-Filmen noch nicht auf mich zurollen?

Nein, ich denke mir folgendes: Eine gesunde Neugier schadet niemandem und so drücke ich den Gegnern, Kritikern, Gelangweilten und Desinteressierten bezüglich der filmischen Comic-Universen den Veto-Stempel auf. Frei nach dem Motto: Schaut es euch doch erst einmal an. Doch dahinter steckt noch viel mehr. Wer sich dem Subgenre, welches mit aller Kraft dem 21. Jahrhundert entsprungen ist und dank seiner Fülle eine Daseinsberechtigung erkämpft hat, verschließt, soll sich den hartgesottenen Diskussionen fernhalten. Ansonsten wäre das ungefähr so, als würde ich mich über den momentanen Trend von Horrorfilmen aufregen, obwohl ich selten bis nie Werke aus diesem Genre sehe.

Angesichts der Tatsache, dass sich uns rund vierzig Superhelden-Filme bis 2020 präsentieren werden, sollten wir davon abweichen, Comic-Verfilmungen als Zahnschmerzen zu betrachten, die nach einem beherzten Eingriff wieder verschwunden sind. Einst wurde dem Western der Untergang erklärt und spätestens mit Quentin Tarantinos „Django Unchained“ sollte deutlich werden, dass das alles Blödsinn war. Und so stellen wir uns doch dem neuen (Sub-)Genre, welches uns zumindest in seiner Hochphase noch einige Zeit beschäftigen wird. Was steckt eigentlich hinter der Faszination? Warum treffen Charaktere mit Superkräften den – um das Wortspiel erneut aufzugreifen – Zahn der Zeit?

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Um nun nicht in filmwissenschaftliche Debatten zu versinken, sei kurz gemutmaßt: Superhelden stellen sich über unser normales Dasein, bieten Halt in Zeiten wirtschaftlicher Desorientierung, retten die Menschheit immer wieder vor ihrem Untergang. Hinzu kommen coole Figuren, die das normale Drama so nicht kreieren kann. Tony Stark alias Iron Man sagt – nach eigenem Umdenken – der Waffenlobby den Kampf an und verwendet die Produkte für die Friedenslösung. Star Lord steht selbst im Weltall für menschliche Ideale ein. Und Bruce Wayne alias Batman setzt sein Hab und Gut ein, um die Bewohner Gothams vor Bösem zu schützen. Am Ende triumphiert das Gute. Ein Schema-F sollte bei Comic-Verfilmungen nun allerdings nicht vermutet werden.

So konnten gleich zwei der erfolgreichsten Filme des Jahres 2014 das Gegenteil beweisen: „Captain America 2: The Return of the First Avenger“ avancierte schnell zum Hit, als Kritiker wie Zuschauer merkten, dass die Qualität gegenüber dem ersten Teil beachtlich stieg und ein spannender Film entstand, der gewisse Genre-Grenzen verschwimmen ließ. „Guardians of the Galaxy“ präsentierte einen Haufen merkwürdiger Gestalten, die vor allem das Freundschaftsbündnis in den Vordergrund stellten und erst gemeinsam ihren Aufgaben gewachsen waren. Schauen wir in die Zukunft begegnen uns mit „Ant-Man“, „Black Panther“ und den endlich zu Tage tretenden, weiblichen Protagonistinnen „Captain Marvel“ und „Wonder Woman“ interessante Charaktere, die wenig von Langeweile im Comic-Gebiet zeugen.

Zudem ist in sämtlichen Verfilmungen der letzten Jahre ein Plan verankert, der eine allumfassende Geschichte um Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Solidarität erzählt. Nicht umsonst weiß Marvel-Präsident Kevin Feige schon ziemlich genau, was uns 2019 in „Avengers 3: Infinity War – Part 2“ erwarten wird. Seid also nicht der Superhelden-Filme müde, bevor sie nicht in die Kinos gekommen sind und von uns gesehen wurden! Sprechen wir uns im Jahr 2016 noch einmal, so weiß nur Gott Thor selbst, ob ich mich dann nicht auch gegen weitere Superhelden-Projekte ausspreche. Bis dato sehe ich jedem Film positiv entgegen und lasse mich gern von so mancher Fanbegeisterung bezüglich kommender Filme anstecken. Wer es mir gleich tut, soll hoffentlich nicht enttäuscht werden.

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