Filme wie „The Avengers“ sind tatsächlich Produkte, die mit irgendwelchen Bauernopfern Dramatik suggerieren und ansonsten mindestens von der drohenden Zerstörung der Welt handeln. Ohne auch nur einmal wirkliche Gefahr zu vermitteln. Sondern ihre Superhelden z.B. aus Kilometern Höhe auf die Erde krachen und zwei Sekunden später schon wieder zum Hämmerchen greifen lassen. Go go, du blonder Hühne! Ab Herbst beginnt doch schon der Dreh von „Thor 2“.

Szenen wie die gerade beschriebene gibt es zuhauf in „The Avengers“ und eigentlich darf jeder mal tausend Tode sterben – gefolgt von breitbrüstigen „one linern“ und einem behenden Sprung zu den nächsten Dramalöchern. Die sich schon deswegen auftun müssen, weil der Film einfach viel zu voll ist und in seiner Bestrebung einer gleichwertigen Präsentation der Helden über geschlagene 90 Minuten kaum vom Fleck kommt.

„The Avengers“ sollte eigentlich satten Team-Spirit aussenden, doch stattdessen bleibt es bei individuellen Konfrontationen, die selbst ganz am Ende nur in ein Nebeneinander, nicht aber ein Miteinander münden. Einer der Avengers, nämlich Hawkeye, ist sogar über einen Großteil der Laufzeit ganz abwesend und kann erst für den Showdown seine blauen Kontaktlinsen abwursten. Was natürlich gleichbedeutend mit einer fundamentalen Charakterwandlung ist. Die innerhalb der Avengers tatsächlich eine der prägnantesten Duftnoten ist, die den hier antretenden Erfüllungsgehilfen zugestanden wird.

Fazit
Man kann es kaum anders sagen: „The Avengers“ ist eine herbe Enttäuschung...und wird einer der größten Box Office-Erfolge 2012. Trotz 90 Minuten Holpern und Stolpern, trotz leblosen, flachen Charakteren, trotz einem verdammt nach „Transformers 3“ riechenden Chaos-Showdown.

„The Avengers“ wird abräumen, weil es ein Marvel-Film ist, dicke Blockbuster-Größe zu sehen ist und der High Concept-Plan schon lange auf Hype-Overdrive geschaltet hat. Und natürlich auch, weil eine ganze Reihe von Stars anwesend ist - die zumindest im Fall Scarlett Johansson (bekommt endlich mal was zu tun) und im Fall Mark Ruffalo (stellt Mr. Banner erstaunlich schüchtern dar) tatsächlich angenehme Überraschungen bieten.

Aber was schreibe ich eigentlich: „The Avengers“ braucht überhaupt keine Kritiken. Genauso wie z.B. „Transformers 3“. Dessen hohle Verarsche zum Glück hier noch etwas entfernt ist, aber zumindest in Sachen überperfekter Nonstop-Dramatik bereits auf Ohrenhöhe dröhnt. Mr. Whedon, führen Sie eigentlich noch Regie oder funktionieren Sie schon?

Wertung: 5/10

Regie: Joss Whedon
Darsteller: Robert Downey jr., Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Mark Ruffalo, Samuel L. Jackson, Chris Hemsworth, Chris Evans
USA/2012
Start: 26.4.2012

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