The Grey - Kinokritik - Liam Neeson tötet sich einen Wolf

Martin Beck 6

Wer “The Grey“ gesehen hat, möchte kaum glauben, dass hier der Regisseur von „Das A-Team“ am Ruder war. Zum einen, weil man meinte, dass Joe Carnahan doch lebenslanges Berufsverbot hat, und zum anderen, weil „The Grey“ einen Kurswechsel um mindestens 170 Grad bedeutet. Und damit also ziemlich gut ist.

Von kindischem Blockbuster-Nonsens zu einem düsteren, verflucht intensiven Survivalfilm. „The Grey“ setzt acht Überlebende einer Flugzeugkatastrophe in der arktischen Wildnis aus und lässt dann sowohl unwirtliches Wetter als auch ein Rudel Wölfe von der Leine. Immer vorne weg: Liam Neeson, der Leitwolf. Der eigentlich schon aus dem Leben scheiden wollte, doch sich dann den glühenden Augen stellt. Mann vs. Natur – bis zum bitteren Ende.

Es ist ein wesentliches Merkmal eines Survivalfilms, dass der jeweilige Trupp Überlebender nach und nach dezimiert wird und dabei wiederholt einen Fuß in reisserisches B-Terrain setzt. Dass „The Grey“ trotzdem seine Spannung halten und bis zuletzt beklemmende Unruhe erzeugen kann, spricht klar für den Film. Joe Carnahan lässt einfach nicht locker und zeigt grobe, raue Scope-Bilder voller Schnee und zerfurchter Gesichter. Eine Männergruppe an der existenziellen Basis.

So furchtbar besonders ist „The Grey“ eigentlich gar nicht, gerade wenn man mal die Geschichte des Survivalfilms durchblättert, doch in seiner Konsequenz gebührt ihm trotzdem sattes Lob. Wer 2012 so radikal mit Multiplex-Gewohnheiten bricht und dabei einen Nummer-1-Box-Office-Hit einfährt, macht einiges ziemlich richtig. Und kann selbst durch schwülstige Nähkästchengeschichten am Lagerfeuer, fahle Charaktere und anscheinend völlig wider die Natur agierende Wölfe nicht aus der Fassung gebracht werden. „The Grey“ ist genauso direktes wie verflucht gutes Genrekino.

Fazit
Die Regeln des Survivalfilms werden bei „The Grey“ nicht neu erfunden, aber immerhin auch nicht gebrochen. Was in Kombination mit Liam „hermitdemScheck“ Neeson, Joe „Das A-Team“ Carnahan und Multiplex-Futter anno 2012 schon mehr als genug für eine klare Empfehlung ist.

The Grey“ setzt acht Männer in unwirtlicher Wildnis aus und lässt dann sowohl eisige Kälte als auch hungrige Wölfe einen 10-kleine-Negerlein-Abzählreim aufsagen. Kein Film für Weicheier. Der nächste Urlaub wird definitiv irgendwas mit existenzieller Basis zu tun haben.

Wertung: 7/10
Regie: Joe Carnahan
Darsteller: Liam Neeson, Dermot Mulroney, Frank Grillo
USA/2011
Start: 12.4.2012

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA FILM

  • Diese Film-Fortsetzungen hat Hollywood total vergeigt

    Diese Film-Fortsetzungen hat Hollywood total vergeigt

    Sobald hinter einem bekannten Filmtitel eine 2 oder II auftaucht, wird aus dem Film eine Wundertüte: Das kann richtig gut sein oder verdammt schlecht werden. Wenn es gut ist, entstehen daraus in der Regel weitere Fortsetzungen. Wenn es schlecht wird, allerdings auch. Viele Fortsetzungen hätte man sich und uns ersparen können.
    Marco Kratzenberg
  • Netflix-Fernseher: Diese TVs empfiehlt der Streaming-Anbieter

    Netflix-Fernseher: Diese TVs empfiehlt der Streaming-Anbieter

    Streaming-Dienste wie Amazon Prime, Disney+ und Netflix nehmen auch hierzulande einen immer wichtigeren Stellenwert ein – und sind ein wichtiges Auswahlkriterium bei der Auswahl des heimischen Fernsehers. Um Unentschlossenen bei der Entscheidung unter die Arme zu greifen, empfiehlt der Streaming-König jedes Jahr ein paar besonders geeignete Geräte. Diese Fernseher eignen sich besonders gut für Netflix.
    Robert Kohlick
  • Neu auf Netflix – Juni 2020: Alle Film- und Serien-Neuheiten

    Neu auf Netflix – Juni 2020: Alle Film- und Serien-Neuheiten

    Auch wenn es draußen immer schöner wird, ist zu großen Teilen doch immer noch zuhause bleiben angesagt – Netflix macht uns das Ganze etwas leichter. Die Highlights sowie alle Neuerscheinungen, die es im Juni 2020 auf Netflix zu sehen gibt, erfahrt ihr hier bei uns auf GIGA.
    Thomas Kolkmann 29