News der Woche: Nordkorea verbietet Hollywood den Mund

Philipp Schleinig 1

… und lässt die Filmwelt mit empörten Gesichtern zurück. Nachdem sich Sony Pictures dazu entschlossen hat, die neue Komödie von Seth Rogen mit dem Titel „The Interview“ nicht in die Kinos zu bringen, ging ein Aufschrei durch das Business. Es ist zu Recht unsere News der Woche, mit der wir uns noch einmal beschäftigen wollen.

News der Woche: Nordkorea verbietet Hollywood den Mund

Ist nicht alles gesagt? Ja, die Fakten sind klar: Eine mit Nordkorea in Verbindung stehende Hacker-Gruppe namens Guardians of Peace hat dem Medienkonzern Sony gedroht, Attentate auf Kinos zu verüben, sollten die Betreiber Seth Rogens neue Komödie „The Interview“ zeigen. Im Film versuchen Rogen und Schauspiel-Buddy James Franco den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un auszuschalten. Ein Projekt, welches schon früh auf Ablehnung seitens des abgeschotteten Landes stieß.

Die Verantwortlichen von Sony Pictures sahen in Absprache mit der Homeland Security der USA den Kinobesuch unzähliger Zuschauer gefährdet und beschlossen, den Kinostart von „The Interview“ abzusagen. Weitere Pläne – ob der Film dafür prominent als Video on Demand erhältlich sein wird – sind bisher auf Eis gelegt. Daraufhin reagierte die Prominenz Hollywoods, etwa Schauspieler Steve Carell und Ben Stiller, Regisseur Judd Apatow und Talkshow-Master Jimmy Kimmel, mit Empörung.

In der stillen Ecke

Doch das letzte Wort in dieser Angelegenheit darf noch nicht gesprochen sein: Es ist sicherlich – und auch wenn ich es mit konkreten Beweisen jetzt nicht belegen kann – nicht das erste Mal, dass der Kinostart eines Films verhindert werden soll. Charlie Chaplin soll einst Adolf Hitler persönlich eine Kopie von „Der große Diktator“ geschickt haben. Zwar meldete sich dieser nicht zurück, hätte den Film unter anderen Umständen aber sicherlich auch nicht zulassen wollen.

The Interview - Finaler Trailer Englisch.

Ich möchte definitiv nicht in der Haut der Sony-Verantwortlichen stecken, die sicherlich intensiv abgewogen haben, ob sie einen Kinostart riskieren oder nicht. Selbst wenn die Bedrohung in den USA per se unwahrscheinlich scheint, ist die Angst, doch etwas auszulösen, nicht zu unterschätzen. Und doch dürfte der Schritt von Sony als falsch einzuschätzen sein. Damit öffnen sie allen erdenklichen Film-Gegnern Türen und Tore, die sich fortan häufig mit Droh-Mails an große Studios wenden werden, um Kinostarts zu verhinden.

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George Clooney spricht ein Machtwort

So kann man nur George Clooney Recht geben, der sich nun in einem Interview mit Deadline zu Wort meldete und meinte, dass Hollywood – und damit sind die großen Studios wie auch bekannte Schauspieler/Regisseure/Produzenten gemeint – sich in solch einer Situation zusammentun sollte. Sonys Vorgehensweise ist angesichts der Lage nachzuvollziehen, sollte aber nicht als ein Paradebeispiel verwendet werden. Vielmehr müsse man den Konzern zu einem Release von „The Interview“ motivieren, zusammenstehen und auch in Zukunft keinen Terroristen, Hacker-Gruppen oder sonstige Außenstehenden die Möglichkeit geben, so einschneidend in die Filmwelt einzugreifen.

Darin liegt der Hund begraben: Dass gerade ein Medien-Mogul wie Sony einer Hacker-Gruppe klein beigibt, ist ein schwerer Schlag gegen die freie Meinungsäußerung und künstlerische Freiheit. Werden uns in Zukunft nun öfter Filme einfach nicht mehr erreichen, weil einer Hessener Rentner-Gruppe die Darstellung von Maikäfern im Film nicht gefällt? Oder darf jeder – entschuldigung – Depp, der sich dank der Anonymität des Internet groß aufspielt, einem Studio so drohen und einen Film-Stopp erringen?

Freunde aufgepasst! Die Absetzung von „The Interview“ ist nicht nur einfach eine News, die uns und die Filmwelt in dieser Woche beschäftigt hat. Sie ist der erste Schritt in eine gefährliche Richtung!

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