The King's Speech

Martin Beck

„The King’s Speech“ ist ein Film über einen Menschen mit einer Behinderung – was quasi gleichbedeutend mit höheren Oscar-Weihen ist. Der Name dieses Menschen ist Albert und er ist der englische Thronfolger, der nur leider ein immenses Stotterproblem mit sich herumträgt und deswegen beinahe die Würde als späterer König George VI verpasst hätte.

Das Kalkül, das aus so einem Film abgeleitet werden könnte, trifft zum Glück ins Leere, denn „The King’s Speech“ ist ganz sicher mehr als sentimentales Mitleidskino. Albert wird gespielt von Colin Firth, der zunächst einmal den Sprachfehler wirklich gekonnt rüberbringt, doch daneben einfach jede seiner Szenen mit intensivem, unglaublich facettenreichem Minenspiel prägt. „The King’s Speech“ ist auch dann wirklich ergreifend, wenn sein Hauptdarsteller einfach nur über Gestik wirkt.

Regisseur Tom Hooper hat für sein historisches Portrait noch weitere Asse im Ärmel. Eines hört auf den Namen Geoffrey Rush und ist die wohl einzig logische Wahl, um der schauspielerischen Naturgewalt von Colin Firth den passenden Gegenpol zu liefern. Entsprechend gerät jede Szene der beiden zum Fest für die Schauspielkunst: Wenn sich König (Firth) und Therapeut (Rush) zu Beginn in dessen Behandlungszimmer das erste Mal gegenübersitzen und sich mit schroffem Ton beschnuppern, brennt die Leinwand. Da spielen sich zwei ganz große ihrer Zunft gegenseitig an die Wand und als Zuschauer kann man dabei eigentlich nur vergnügt mit der Zunge schnalzen.

Als Grund darf hier überdies das fantastische Drehbuch angeführt werden: Die Dialoge sind brillant geschrieben, scharfzüngig, immer charmant und witzig, niemals aufgesetzt oder prätentiös. Überhaupt ist es erstaunlich, dass ein Film, der zu 95 Prozent nur aus Gesprächen besteht, derart fesseln kann. Hier zeigt sich dann, dass Hoopers vielleicht bestes Ass er selbst ist: Stringente Inszenierung, eine Kameraführung für die Götter, perfekte Balance aus Zurückhaltung und dramatischer Ausstaffierung. Der Mann kann was.

„The King’s Speech“ wurde mit insgesamt vier Oscars ausgezeichnet, für den besten Film, den besten Hauptdarsteller, das beste Drehbuch und die beste Regie. In einer weiteren Rolle spielt Helena Bonham Carter.

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