The Last Witch Hunter Filmkritik: Der Babynator war besser

Tobias Heidemann 1

Eines muss man Vin Diesel ja lassen. Egal, ob er einen einsilbigen Baum intoniert, auf unwirtlichen Planeten Kopfgeldjäger aufschlitzt oder computeranimierte Supercars zu Schrott fährt – der Mann bleibt sich treu. Die Marke Diesel ist seit Jahren glasklar definiert. Wenige Worte, noch weniger Mimik, dafür Muskeln und das obligatorische Quäntchen Selbstironie. Mit diesem Paket hat sich der „Fast & Furious“-Star eine erhebliche Schar treuer Fans erobert. Ob sich Diesels globale Gefolgschaft in Breck Eisners („The Crazies“, „Sahara“) Fantasy-Film „The Last Witch Hunter“ auch so wohl fühlenden wird, wie in seinen anderen Filmen, das darf allerdings stark bezweifelt werden. Selten wirkte Diesel so deplatziert wie hier.

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Was darf man von einem Film, der einen unsterblichen Krieger in einen 800 Jahre andauernden Feldzug gegen böse Hexen schickt, eigentlich erwarten? Keinen Oscar, soviel ist schon mal klar. Dass man aus diesem Stoff aber ohne weiteres einen ganz famosen Fantasy-Streifen zaubern kann, das bewies bereits der großartige „Highlander“, dessen Vergleich sich hier förmlich aufdrängt.

Rasante Schwertkämpfe im Mittelalter und vor New Yorker Gegenwartskulisse, ein unsterblicher Held, an dem der Zahn der Zeit nagt und eine kleine, feine Liebesgeschichte – die Zutaten mit denen „The Last Witch Hunter“ sein Süppchen kocht, sind exakt die gleichen, die seinerzeit schon der „Highlander“ servierte.  Und doch steht nach dem zweifelhaften Genuss von Vin Diesels Gastspiel im Fantasy-Genre fest – es kann nur einen geben. An den „Highlander“ kommt das laue Lüftchen, das der müde Hexenjäger Vin Diesel verbreitet zu keinem Zeitpunkt heran.

The Last Witch Hunter Filmkritik: Es kann nur einen geben!

Vin Diesel spielt Kaulder, seines Zeichens ein Mitglied der Bruderschaft „Axt & Kreuz“, die gleich zu Beginn des Films das mittelalterliche Herz der Hexen zu zerstören sucht. Die etwas armselig anmutende Kreuzritter-Truppe stapft im Intro des Films durch den Schnee auf einen gewaltigen Baum zu, um die dort wohnhafte „Königin der Hexen“ zu richten.

„The Last Witch Hunter“ verbreitet in diesen frühen Momenten zwar eine schön schaurige Stimmung, die durch hübsch aufgemachte CGI-Hintergründe passend untermalt wird, doch sobald die Schwerter rasseln und die Hexen hüpfen, wird sehr schnell deutlich: Aufregende Action kann „The Last Witch Hunter“ leider so gar nicht liefern.

Dem chaotisch geschnittenen Durcheinander fehlt es durchweg an Saft, Kraft und Choreographie. Auch gegen Gore und Humor haben sich Vin Diesel und seine Produzenten entschieden. Was wir stattdessen bekommen, ist ein sehr gemächlich erzählter und trocken aufbereiteter Fantasyfilm über Hexen in der Gegenwart.

Sobald wir im Hier und Jetzt angekommen sind, was ungefähr nach 15 Minuten der Fall ist, beginnt sich „The Last Witch Hunter“ nur noch zu erklären. Was treibt Krieger Kaulder so alles in der Gegenwart? Welche Funktion haben Kaulders Sidekicks Dolan der 36. (Michael Caine) und 37 (Elijah Wood)? Sind eigentlich alle Hexen böse? Und wo kann man in New York Magie-Zeug kaufen? Mit solchen Fragen hält sich „The Last Witch Hunter“ den Großteil seiner Zeit auf.

An sich tut ein Fantasyfilm immer gut daran, in den Aufbau seiner Welt und ihrer Regeln zu investieren, doch Regisseur Breck Eisner verliert bei all der Erläuterung irgendwann die Dramaturgie seines Films vollkommen aus den Augen. Das Ergebnis: Große Langeweile stellt sich ein.

Szene auf Szene begleiten wir Kaulder beim Abklappern letztlich unbedeutender Dialog-Szenen. Action-Sequenzen, die uns aus dem müden Trott herausreißen, sucht man indes vergebens. Die einzig wirklich nennenswerte Actioneinlage wartet tatsächlich am Ende des Films und die ist in ihrer Form als Showdown kaum der Rede wert.

Das größte Problem, das „The Last Witch Hunter“ mühsam mit sich herumschleppt, besteht jedoch aus seinem fehlbesetzten Hauptdarsteller. Zu keinem Zeitpunkt vermag Vin Diesel in der von ihm gespielten Figur aufzugehen. Diesel trifft bei diesem Malheur allerdings noch die geringste Schuld. Der auf Bad-Ass abonnierte Action-Star macht das, was er eben immer macht. Doch das passt dieses Mal leider überhaupt nicht zu der eher tragisch angelegten Rolle.

The Last Witch Hunter - Finaler Trailer HD.

Fazit

Wer auf ein „Blade“ mit Hexen oder einen „Highlander“ auf Speed gehofft hatte, der ist hier vollkommen fehl am Platze. „The Last Witch Hunter“ ist ein trödelig und schleppend erzählter Fantasyfilm, der ewig nicht zum Punkt kommt und in puncto Action nur gediegenes Mittelmaß bietet.

Zwar gelingt es dem Film hier und da durch den ernsthaften Umgang mit der Unsterblichkeit des Helden eine nette Fantasy-Atmosphäre aufzubauen, doch ultimativ laufen all diese Bemühungen ins Leere. „The Last Witch Hunter“ ist ein sporadisch unterhaltsamer, meist aber furchtbar langweiliger Bummelzug, der nirgendwo ankommt und sich anfühlt wie der mittelmäßige Pilot einer neuen TV-Serie.

rating4

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