Der Aufschrei war groß, als „Lego Movie“ letzte Woche bei der Oscar-Nominierung einfach übergangen wurde. Wir schauen in unserer Reihe „Versus“ auf den Skandal zurück und diskutieren, ob „Lego Movie“ eine Oscar-Nominierung verdient hätte oder eben nicht!

 

The LEGO Movie

Facts 

Pro: „Lego Movie“ hätte eine Oscar-Nominierung verdient, weil... (Christoph)

...„Lego Movie“ einer der schönsten, lustigsten und einfallsreichsten Animationsfilme der letzten Jahre ist. Nicht nur ich ging aus diesem Grund ohne Zweifel davon aus, dass „Lego Movie“ nach vielen anderen Ehrungen und Nominierungen auch ins Rennen um den Oscar für den besten Animationsfilm geht, doch die Academy ignorierte den Publikumsliebling vom Regie-Duo Chris Miller und Phil Lord ohne mit der Wimper zu zucken. Diese Entscheidung ruft bei mir kopfschüttelndes Unverständnis hervor, denn „Lego Movie“ konnte mit einfallsreichen und lustigen Ideen glänzen und mit viel Liebe fürs Details auf Anhieb nicht nur mein Herz erobern.

Es ist eine technische Meisterleistung, wie es Phil Lord und Chris Miller gelingt, eine steinige Lego-Welt zum Leben zu erwecken und dem Konzept der gelben Klötzchen zu jeder Sekunde von „Lego Movie“ treu zu bleiben. So bestehen nicht nur die Explosionen aus den kleinen Steinchen, sondern auch das Wasser ist getreu dem Thema aus blauen Lego-Steinen modelliert. Für diesen einzigartigen Look erschufen die Beiden zusammen mit ihrem Team Millionen von digitalen Lego-Bauklötzchen, die sie zu einem unterhaltsamen und wunderbar liebevollen Animationsfilm zusammenschusterten, der nicht nur optisch, sondern auch mit seiner Geschichte mehr als überzeugen kann.

Im Mittelpunkt steht der sympathische und vielleicht manchmal etwas einfältige Jeder-Mann Emmett, der in einer Welt lebt, die so homogen und wie frisch aus dem Lego-Baukasten wirkt, dass es eine wahre Freude ist. An seiner Seite sind die einprägsame Wyldstyle und der grummlige Batman, der neben den kleinen Cameo-Auftritten vieler unterschiedlicher Helden der Popkultur immer wieder für die größten Schmunzler sorgt.

„Lego Movie“ ist ein großes Potpourri popkultureller Anspielungen, filmübergreifender Scherze und zweideutiger Gags, die alle beinah ohne Ausnahme zünden. Dazu kommt eine liebevoll erzählte Geschichte über kreative Freiheit, Selbstverwirklichung und Mut zu Selbstbewusstsein, die am Ende, ohne aufgesetzt zu wirken, einen kleinen geschichtlichen Twist vollführt, für den allein die beiden Regisseure schon eine Oscarnomnierung hätten in der Tasche haben sollen. Ja, dieser Film entstand durch die Zusammenarbeit mit einem großen Spielzeughersteller, doch liefert „Lego Movie“ dafür eine smarte, gewitzte und kluge Destruktion des kommerzialisierten Lebens ab, die die kleinen Kinogänger unterhält und die großen Filmliebhaber zum Nachdenken über Werte, Waren und Gesellschaft animiert.

Am Ende bleibt lediglich die Nominierung für den besten Song für „Everything is awesome“, was hier jedoch nur als kleiner Trost angesehen werden kann. Die Academy kann sich sicherlich noch mit der Erklärung retten, dass statt „Lego Movie“ noch zwei klassischere Animationsfilme den Weg in die Nominierten-Liste gefunden haben und damit die Fahne des traditionellen Zeichentrickstils weiterhin hochgehalten wird. Doch für mich ist dieses Argument weit hergeholt, denn die Oscar-Jury hat hier einfach einen großen Fehler begangen und egal welche Gründe sie gehabt haben mögen um „Lego Movie“ zu ignorieren, der Film hätte es im Vergleich zu den meisten anderen Animationsfilmen da draußen mehr als verdient gehabt, diese Nominierung mit nach Hause zu nehmen. Zumindest Phil Lord scheint sich mit dieser Entscheidung jedoch schnell abgefunden zu haben:

Contra: „Lego Movie“ ist zu recht nicht nominiert, weil... (Daniel)

Ja, ja, ja...alle lieben „Lego Movie“! Warum, ist mir persönlich allerdings komplett unverständlich. Mal ganz abgesehen davon, dass der grauenhaft nervige Titelsong (nur Helene Fischer schafft es, mich schneller in den Wahnsinn zu treiben) auf gar keinen Fall einen Oscar gewinnen darf, ist der Streifen einfach nicht gut genug. Punkt! Vergleicht man die Animationskünste mit den Mitbewerbern in der gleichen Kategorie sieht man das eigentlich sofort. „Lego Movie“ ist eigentlich nichts weiter als eine riesige Rechenleistung.

Der Oscar geht aber nicht an die stärkste Grafikkarte, sondern an einen Film, der besonders schön animiert ist. Da haben die Konkurrenten einfach einiges voraus. Besonders meine persönlichen Favoriten in der Kategorie, „Die Boxtrolls“ und „Song of Sea“, sind wunderschöne, handgemachte Meisterwerke, in denen eine Menge Arbeit, Liebe und Kreativität steckt. Legofiguren zusammenstecken hat mich 1985 das letzte mal kreativ herausgefordert - Charakterdesign also auch gleich null. Wer über die Nominierungen überrascht ist, hat offensichtlich die anderen Filme aus der Kategorie nicht gesehen. Zu guter Letzt ist „Bester Animationsfilm“ die einzige Kategorie, in der ein ganzer Haufen Experten 20 Filme begutachtet, um dann wirklich nur die allerbesten auszusuchen. Das ist, als wenn 10 Spitzenköche ein Restaurant prämiert und Lieschen Müller wundert sich, warum McDonals nicht nominiert ist.

Um die Story geht es bei dieser Kategorie zwar nur an zweiter Stelle, aber auch hier sehe ich nicht, wo „Lego Movie“ gut sein soll. Klar, die ganzen buntgemischten Helden aus allen Werken der Filmgeschichte so vermischt zu sehen hat Potential -  auf mich wirkte die ganze Bande aber eher verwirrend. Sowieso ist der komplette Film eh sowas wie ein riesiges Bälleparadies, in das man zehn Fünfjährige mit Koffeinschock eingesperrt hat. Eine kleine Atempause für den von Epilepsie bedrohten Zuschauer gibt es nur dann, wenn die eigentlich selbsterklärende (und durchaus wichtige) Message des Films unterstrichen werden soll. OK! Wie haben's kapiert. Sind ja nicht völlig hirnlos.

Wessen Meinung stimmt ihr zu?

asdasd

 

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Christoph Koch
Christoph Koch, GIGA-Experte.

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