Pawnee: So sehen sie The Revenant - Impressionen aus Indian Country

Kristina Kielblock

The Revenant - der Rückkehrer mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle richtet auch einige Aufmerksamkeit auf die Pawnee. DiCaprio hat seinen Golden Globe mit den indigenen Völkern dieser Welt geteilt und dazu aufgerufen, ihre Stimme zu hören. Genau darum schauen wir nach Indian Country zu den Pawnee und ihren Ansichten über ihre Darstellung in Hollywood. 

The Revenant deutscher Trailer.

Die Darstellung von Native Americans in Hollywood-Produktionen - gerade im Genre Western - steht immer wieder in der Kritik. Umso erfreulicher ist es, wenn Filme erscheinen, die nicht mit den üblichen Stereotypen arbeiten. The Revenant ist kein indigener Film und er erzählt vom Überlebenskampf eines weißen Mannes, aber es ist ein weißer Mann, der mit einer Pawnee verheiratet ist und einen Sohn mit ihr hat. Insofern ist der Hauptprotagonist mit dem Leben der Native Americans verbunden und identifiziert sich mit „den Wilden“. Er spricht ihre Sprache.

Und obschon der Film in erster Linie eine weiße Heldenfabel erzählt, zeigt er in unmissverständlichen Bildern auch die Realität der Native Americans und ihren Überlebenskampf im Angesicht der kalten Brutalität europäischer Siedler, in diesem Fall der sogenannten Mountain Man und der Armee. Sie alle leben in Angst vor der Gewalt der Ree (Arikara), aber wir lernen auch, dass manchmal nur die Gewalt allein die Brutalität der Menschen beenden kann.

Auch ist es ein Pawnee, der Hugh Glass das Leben rettet und seine Menschlichkeit rettet, indem er ihm erklärt, dass Rache allein in Gottes Hand liegt. Allerdings - und da wird es wieder typisch - muss dieser Pawnee kurz darauf sterben. Das ein „Indianer“ Weisheiten lehrt und lebt ist dann doch zuviel für einen Film.

ein pawnee tribal logo aus dem netz

Man muss dem Film aber ganz klar seine eher außergewöhnlichen Bemühungen um Authentizität bezüglich Kleidung, Sprache und Lebensumstände zugute halten. Und natürlich die Haltung DiCaprios, der den indigenen Schauspielern in seiner Ansprache zum Golden Globe immerhin ca. 30 Sekunden widmete. Das ist durchaus nicht selbstverständlich und erzeugt hoffentlich eine positive Aufmerksamkeit für die Pawnee und andere Native Nations heute und in der Geschichte. Der nächste Schritt wäre, wenn Hollywood sich auch den First-Native-Regisseuren und Schauspielern öffnet, wenn es bald einen „Western“ aus ihrer Perspektive geben würde - mit weißen Nebendarstellern, keinen Helden.

Bild von Pawnee indianern

Interessanterweise wurde der Film bei uns sehr schlecht bewertet, während die Kritik des Films von einem in Deutschland lebenden Apachen ausgesprochen gut ausfällt, ihr findet sie auf der Homepage des Autors Red Haircrow.

Die Pawnee heute: Stimmen zu The Revenant

DIE Pawnee gibt es natürlich nicht und ebenso wie die Angehörigen anderer Stämme, halten sie Sprache und Kultur in unterschiedlichem Ausmaß aufrecht. Insgesamt - und gerade im Vergleich zu anderen filmischen Machwerken der letzten zehn Jahre (Jonny Depp als Tonto in Lone Ranger) - gibt es kaum Kritik, sondern vielmehr Anerkennung und Begeisterung. Marcus Frejo (Pawnee / Seminole) ist Aktivist und Rapper (Quese Imc) und schreibt zum Beispiel auf seinem Facebook-Profil:

„I havent been hyped in awhile to see a movie but I must say I`m hyped to see The Revenant. Its not everyday you can go watch a movie about your tribe. Probs to all my Skidi, Pawnee & Arikara people for having such a deep spiritual, warrior and powerful history. Tuhare Pari Akitaru Tirewari. Maybe we can get Leonardo to come to Pawnee Homecoming powwow this year #leonardodicaprio“
Und:

Dies ist ein Beispiel für viele positive Reaktionen, die der Film bei Pawnee und Angehörigen anderer Tribes hervorgerufen hat. Hinzu kommt natürlich eine enorme Anerkennung für die deutlichen Worte DiCaprios und den geteilten Golden Globe. Aber natürlich gibt es auch Stimmen, die zwar anerkennen, aber nicht bejubeln. So zum Beispiel dieser interessante Review des Films, der in Indian Country Today erschienen ist. Weiterhin lesenswert für Interessierte:

Wie auch immer man den Film selbst bewertet, im Bezug auf die Repräsentation indigener Bevölkerungsgruppen im Film haben DiCaprio und Alejandro Gonzáles Iñárritu einen interessanten Beitrag geleistet.

Entsprechend der Aufforderung seitens DiCaprios der Stimme der indigenen Völker zuzuhören, habt ihr mit den Songs des Pawnee / Seminole Quese Imc aus Oklahoma eine sehr unterhaltsame und lehrreiche Möglichkeit, euch über das Denken, die Geschichte, die politischen Kämpfe und die Spiritualität der heutigen Pawnee zu informieren. Das Album Defover30 ist am 11.12.2015 erschienen, aber auch die älteren Alben findet ihr auf Spotify.

Und natürlich gibt es auch Musikvideos, die wie dieses, oftmals interessante Einsichten in die Community gewähren.

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