Der Hai ist größer als er eigentlich sein sollte. Schuld ist Steven Spielberg. Sein „Jaws“ war so gut, so schwindelerregend erfolgreich, dass die Filmwelt danach geradezu besessen war vom großen Weißen. Wenn etwas mit dem Budget von sieben Million Dollar alles in allem 470 Millionen einspielt, dann hinterlässt das im Kapitalismus eben Spuren. Und so wurde der Hai immer größer.

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Aus Spielbergs intelligenter Erzählung über Schuld und Sühne wurde in den letzten 40 Jahren ein bedauernswertes Maskottchen der Filmgeschichte. Erst wurde „Der weiße Hai“ bis über das Maß des Erträglichen hinaus kopiert und ausgeschlachtet, dann kam die postmoderne Ironie ins Spiel.

Aus den Haien wurden die „Super-Sharks“, wurden die „Ghost Sharks“ und „Sand Sharks“, die schließlich zu „Mega-Sharks“ mutierten, die wiederum in einer „2-Headed Shark Attack“ im Supermarkt kulminierten. Der Hai wurde zum tragischen Treppenwitz seiner eigenen Erfolgsgeschichte. Schön, dass er nun mit „The Shallows“ endlich mal wieder ernst genommen wird.

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© Sony Pictures

Schlicht, roh und bescheiden will „The Shallows“ von einem Haiangriff in einer abgelegenen Bucht in Mexico erzählen. Keine neue Variationen des Sub-Genres, keine absurde Mutation, auch keine Explosionen – einfach nur eine realistisch dargestellte Überlebensgeschichte. Zurück zum Essentiellen. So zumindest der interessante Plan der kleinen Produktion.

Und das geht dann so: Die (sehr amerikanische) Amerikanerin Nancy (Blake Lively) will den Verlust ihrer geliebten Mutter in besagter Bucht überwinden. Das Trauma soll dem Film als Stimmungsmacher dienen, als Kontrast zur paradiesischen Badestrandidylle.  Auch das klingt erst einmal gut, immerhin ist Trauer immer ein guter Gegenspieler im Horror. Doch schon nach wenigen Minuten wird klar – Vieles in „The Shallow“ will, kaum etwas kann.

The Shallows-Filmkritik: Rettet die W..eh Haie!

Das beginnt schon bei der Hauptfigur Nancy. Zwar ringt sich Blake Lively im Laufe der knapp 80 Minuten etliche Gefühlsaubrüche und Urschreie ab, wirklich überzeugen kann ihr vordergründiges Spiel aber nur ganz selten. Zu ihrer Verteidigung - das mag auch daran liegen, dass uns der Film vor allem in seiner ersten Hälfte ständig mit billiger House-Musik, pseudo-realen Chat-App-Einblendungen und einer bisweilen unerträglichen TUI-Werbefilm-Ästhetik aus dem Takt reißt. Mag sein, dass sich der eine oder andere Kinobesucher für die fünfundzwanzig  Zeitlupenaufnahmen von Livelys Pobacken und all die schale Surf-Poesie begeistern kann, wirklich im Griff hat „The Shallows“ sein Publikum am Anfang aber nie.

Das ist bedauerlich, denn der blöde erste Akt hätte ein paar sehr ergiebige Anker für das was folgt setzten können. Doch das Menschliche, das Drama und die behauptete Trauerarbeit, das scheint Regisseur Jaume Collet-Serra (Non-Stop, Unknown Identity, Orphan, House of Wax) irgendwie nicht zu liegen.

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©Sony Pictures

Was er dagegen richtig gut kann, ist Spannung aufbauen. Dass „The Shallows“ sich tatsächlich noch zu einer lohnenden Erfahrung entwickelt, liegt an den wohl dosierten und vor allem wohl platzierten Schockeffekten des Films. Zwei-, dreimal kann einem der Hai so richtig zusetzen. Den Herzschrittmacher sollte man also vor dem Kinobesuch unbedingt anmachen. Die Inszenierungsweisen sind dabei natürlich nie wirklich neu oder gar innovativ, doch die Spannungs-Ökonomie von „The Shallows“ geht in seiner zweiten Hälfte auf.

Die Kamera spielt geschickt mit der Wasseroberfläche, der Hai bleibt unberechenbar und die Heldin bekommt trotz des extrem eingeschränkten Handlungsspielraums immer genug zu tun. Alfonso Cuaróns „Gravity“ war mit der packend dargestellten Willenskraft seiner dem Tod trotzenden Protagonistin hier das etwas zu offensichtliche Survival-Vorbild. Dessen Qualität erreicht „The Shallows“ zu keinem Zeitpunkt, doch Jaume Collet-Serra hätte durchaus bei schlechteren Vorbildern wildern können.

Fazit

Es bleibt, man möge es mir verzeihen, sehr unklar, ob man „The Shallows“ nun empfehlen kann oder nicht. Die erhoffte Reanimation eines zur Farce verkommenden Genres ist er nicht. Ein packender Survival-Thriller mit einer brillant aufspielenden Hauptdarstellerin leider auch nicht. Trotzdem rechtfertigen die langsam anziehende Spannungskurve und die unberechenbar platzierten Schockmomente durchaus einen Kinobesuch. Allerdings auch nur wenn man ein Herz für (Edel)-Trash und den Trailer noch nicht gesehen hat. Mehr als das dort Gezeigte hat „The Shallows“ nämlich nicht zu bieten! Von dem lächerlich überzogenen Mini-Finale einmal abgesehen.

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