Die neue Fantasy-Serie Shannara Chronicles in der Kurzkritik: Bis(s) zum Morgengrauen in Mittelerde

Tobias Heidemann 8

Um die nachfolgende Kritik an der Pilotfolge der „Shannara Chronicles“ gleich mal etwas zu relativieren: Hier schreibt ein Fantasy-Nerd. Seit ich mich im Partykeller meiner vergeudeten Jugend mit einem AD& D-Regelwerk geprügelt habe, werde ich von diesem vermaledeitem Genre auf geradezu magische Weise dazu geknechtet, mir wirklich jeden Quatsch aus dieser Ecke anzusehen. Egal, ob Jeff Bridges in „Seventh Son“ einen fetten Haufen Ork-Scheiße auf seine Schauspieler-Karriere setzt oder im Fernsehen eine Wiederholung von „Legend of the Seeker“ läuft - wenn irgendwo Fantasy drauf steht, bin ich am Start. Mein Guilty Pleasure. Ideale Voraussetzungen also für MTVs „Shannara Chronicles“. Die Sache ist nur, die Serie ist trotzdem ganz großer Mist. 

Zumindest wenn man den knapp 90-minütigen Piloten zum Maßstab nimmt. Der beginnt gar nicht mal so vielversprechend, denn eine der größten Schwächen dieser Serie fällt dem geübten Fantasy-Auge sofort ins Auge. Kostüme und Ausstattung der „Shannara Chronicles“ lösen umgehend einen Großalarm im Fremdschäm-Register aus.

Anstatt sich am mittelalterlichen Second-Hand-Chic von Westeros zu bedienen, geht Produzent Jon Favreau (u.a.“Iron-Man“, „Das Dschungelbuch“) hier ohne Rücksicht auf Glaubwürdigkeitsverluste All in. High Fantasy lautet die im Jahr 2016 überaus fragwürdige Design-Devise. Alles ist verdammt bunt, leuchtet irgendwie künstlich oder sieht schlimm nach Plastik aus. Nichts scheint einen nachvollziehbaren Gebrauchswert oder Nutzungsspuren zu haben. Sterilität statt Pragmatismus. „Shannara Chronicles“ fühlt sich an, als hätte es „Game of Thrones“ oder  Jacksons „Herr der Ringe“ nie gegeben.

Shannara Chronicles: Plumper Aufguss der Fantasy-Ursuppe

Ich muss mich korrigieren. Die „Shannara Chronicles“ sind sich der Existenz von Mittelerde natürlich bestens bewusst. Womit wir beim zweiten Problem dieser Serie wären. Alles fühlt sich irgendwie an wie eine billige Kopie der Ringe-Saga.

Die kultivierten Elben, die einen uralten Baum vor dem wiedererstarkten Reich des Bösen bewachen, ein paar magische Gegenstände, die schicksalhaft in die falschen Hände geraten, ein raubeiniger Naturbursche, der nach langer Abwesenheit zurückkehrt, um das Gute anzuführen - die „Shannara Chronicles“ sind ein so offenkundiger, so schamloser Tolkien-Rip-off, dass man schon beide Augen zudrücken muss, um nicht in jeder zweiten Szene laut „Plagiat“ zu schreien. Und nein, das geht nicht als „Hommage“ durch. Das ist einfach nur geklaut. Ich meine, eine offensichtlich nach dem Aragon-Vorbild entwickelte Figur heißt hier sogar „Allanon“ und der aus „Herr der Ringe“ bekannte Zwerg Gimli (John Rhys-Davies) wurde direkt auf den Thron des Elben(!)königs gecastet.

Nun wird es sicher auch eine ganze Menge von Zuschauern geben, denen der plumpe Aufguss der Fantasy-Ursuppe vollkommen egal ist, weil sie sich weder für den „Herrn der Ringe“ noch für irgendwelche angeranzten Fantasy-Tropes interessieren. Und wenn sich die „Shannara Chronicles“ in erster Linie an diesem Publikum messen lassen wollen, ist das ja ein legitimes Anliegen.

Twilight-Romantik und Prinzessinnen-Power

Für diese Erwartungshaltung haben die „Shannara Chronicles vor allem „Twilight“-Romantik und Prinzessinnen-Power in petto. Und diese Themen sind dann auch gar nicht mal schlecht aufbereitet.

Eine von dunklen Visionen geplagte Elfen-Prinzessin, die ihren Liebsten zurücklassen muss, ein toughes Diebes-Mädchen, das gerne allein im Wald unterwegs ist, aber einer ziemlich unangenehmen Sippe entsprungen ist und natürlich der zu Höherem bestimmte Bauernlümmel, der vor allem ohne T-Shirt eine gute Figur abgibt. Das alles ist für das junge MTV-Publikum angemessen süß angerichtet und wird im Laufe der Zeit sicher als Serien-Schmachtfetzen prima funktionieren. Wer aber keine Lust hat, Bis(s) zum Morgengrauen in Mittelerde auf eine interessante Story zu warten, der kann auf die „Shannara Chronicles“ gut und gerne verzichten.

 

rating5

 

Hier erfahrt ihr mehr über die Shannara Chronicles und die Besetzung.

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