Vier Jahre Arbeit liegen hinter ihm. Vier Jahre vergossener Schweiß, blanke Nerven, Fassungslosigkeit. Christian Bartsch ist Produktmanager beim kleinen deutschen DVD-Label Turbine Media und er hat das Unmögliche geschafft: Die Odyssee eines ungeliebten Filmes beendet, der vier Jahrzehnte nur im Giftschrank der Bundesprüfstelle zu finden war. Nach 25 Jahren ist ihm gelungen, was keiner vor ihm erreichte. Dies ist seine Geschichte.

 

The Texas Chainsaw Massacre

Facts 

Dieser Tage erscheint mit „The Texas Chainsaw Massacre“ einer der berüchtigtsten Horrorfilme aller Zeiten auf DVD. Neu ist das nicht, schließlich ist er das in den vergangenen Jahren mehrmals. Allerdings erscheint er dieses Mal anders als zuvor. Ohne Schnitte. Ohne unter irgendeiner Ladentheke versauern zu müssen. Ohne aufgeregte Sittenwächter in Alarm zu versetzen. Nicht als vergilbte Bootleg-Version, nicht als billiger Import. Ganz legal und politisch korrekt.

Große Versprechungen erfüllten große Erwartungen.

Wenn man die üppig ausgestattete Box in den Händen hält, mit ihren insgesamt drei DVDs und einer BluRay, dann ruhen da weit mehr als der Gegenwert von Rohlingen und Pappschachtel. Spätestens wenn man das knapp 30-Seiten starke Booklet mit der Aufschrift „Die Akte TCM“ durchblättert, wird klar: Die „Texas Chainsaw Massacre“-Box ist mehr als nur eine DVD. Sie ist der Kreuzzug eines Mannes gegen Ungerechtigkeit und Vorurteile, gegen überholte Gesetze und Willkür.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte 1982. „Blutgericht in Texas“, wie der Streifen hierzulande vom Verleih betitelt wurde, wird kurz nach dem Videostart indiziert – obwohl er bereits gekürzt wurde. Später folgten zahlreiche Beschlagnahmungen, also das Höchstmaß des hiesigen Medienabstrafapparates. Die Folge: Absolutes Werbe- und Verkaufsverbot, Abschiebung in die Untiefen des Filmkerkers. Wer den Film jetzt noch verkauft, riskiert zwei Jahre Haft und horrende Geldbußen.

Als Grund benennt der Prüfungsausschuss immer wieder „Gewaltverherrlichung“, obwohl der Film mit dieser nur sehr spärlich umging. Tobe Hooper drehte sein Meisterwerk auch wegen Budget-Restriktionen so, dass man das blutige Geschehen höchstens erahnen kann. Wenn Leatherface sägt, dann ausschließlich off-screen. Zu sehen gibt's nichts.

Allerdings ist „The Texas Chainsaw Massacre“ über die gesamte Laufzeit ein zutiefst nihilistisches, bitterböses Psychogramm einer degenerierten Gesellschaft, das seine Zuschauer selbst heute noch gelähmt zurücklässt. Hier lauern nirgends Werwölfe, beißen keine Vampire. Der Horror wohnt im Gewöhnlichen, im Haus um die Ecke. Dreckig und bierernst ist er, wie die Realität. Es ist eine Geschichte, an deren Ende es für die Protagonisten keine Erlösung geben kann.

The Texas Chainsaw Massacre - Trailer

Und das mag die Bundesprüfstelle überhaupt nicht. Es ist der Horror, den man nicht sieht, den sie anprangert. Man beanstandet einen „generell sehr negativen Grundton“. Gemessen an damaligen filmischen Standards hat sie vielleicht sogar Recht. Die einzig logische Folge war nach Verfahrensweise im Deutschland der 70er Jahre die Beschlagnahmung. Dass damit ein Jahrzehnte-währendes Trauerspiel beginnt, konnte man damals sicher nicht ahnen.