Zum Tod von James Horner: Ein Plädoyer für die Filmmusik

Philipp Schleinig 3

Am vergangenen Dienstag kam James Horner bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Da die Filmmusikwelt damit einen ihrer eindrucksvollsten Vertreter verloren hat, wollen wir uns noch einmal mit dem Komponisten beschäftigen und gleichzeitig ein Plädoyer für die Filmmusik halten.

Zum Tod von James Horner: Ein Plädoyer für die Filmmusik
Bildquelle: © Paramount.

Im Herbst 2013 saß der Filmkomponist James Horner im Wiener Konzerthaus, um mit dem Max Steiner Award ausgezeichnet zu werden. Der ganze Abend, an dem einige orchestrale Stücke des Filmkomponisten gespielt wurden, stand ganz im Zeichen seines Schaffens. Auch eine „Titanic“-Suite wurde für den Anlass entworfen und gespielt - und rührte James Horner zu Tränen.

Titanic-Komponist James Horner stirbt bei Flugzeugabsturz

Was ist das für eine Kraft in der Filmmusik, wenn selbst derjenige, der das Werk erschaffen hat, von seinen Klängen so beeindruckt wird? Was für eine Bedeutung kann solch einer Filmmusik zugemessen werden? Gewiss schwingen für James Horner selbst viele Erinnerungen und Eindrücke beim „Titanic“-Soundtrack mit, immerhin erhielt er dafür seine beiden Oscars. Doch lauscht man einmal jener Komposition, kommt man selbst nicht umhin, zu verstummen.

Den Klängen fehlt die Aufmerksamkeit

Wer vermag angesichts solcher Klänge noch über die Filmmusik zu toben? Ihr werdet vielleicht überrascht sein, aber ein nicht kleiner Teil des allgemeinen Konsens ist der Filmmusik nicht immer positiv gesinnt. Das mag zum einen daran liegen, dass sie an so mancher Stelle einfach zu überschwänglich eingesetzt wurde, manchmal unpassend sein kann oder einfach zu laut daherkommt. Gegen solch eine subjektive Meinung ist nichts einzuwenden! Doch oftmals wird der Filmmusik angekreidet, sie würde die Emotionen lenken und damit vorherbestimmen, was der Zuschauer zu empfinden habe.

Jene Menschen haben auch das Konzept einer Filmmusik nicht verstanden und das liegt zu einem großen Teil daran, dass der Filmmusik selten die Beachtung entgegengebracht wird, welche sie verdient hätte. In ihrer Ausdruckskraft, in ihrer Emotionserweckung liegt die wohl größte Stärke der Filmmusik. Sie lässt uns noch tiefer in das Geschehen auf der Leinwand versinken, sie verleiht dem Gezeigten zusätzliche Ausdruckskraft und sie lässt auch unsere Ohren alles andere vergessen. Doch den Klängen fehlt die Aufmerksamkeit.

Dabei ist es neben den Gedanken zum Film DER Faktor, der auch nach dem Filmerlebnis noch anhalten kann. Habt ihr euch schonmal bewusst mit einer Filmmusik auseinandergesetzt und ihr eure vollste Aufmerksamkeit geschenkt? Vielleicht habt ihr, die ihr das hier gerade lest, das schon getan, denn ihr seid ähnlich für die Filmmusik zu begeistern wie ich. Aber lasst euch sagen, dass wir keine Mehrheit darstellen.

Ein Hoch auf die Emotionen

James Horner saß im Herbst 2013 in Wien und ließ sich von den Emotionen des Stücks völlig übermannen. Ich bin mir sicher, dass es dazu die wenigen Bilder auf der Leinwand und die eventuellen Erinnerungen nicht gebraucht hätte. Denn die „Titanic“-Suite ist überwältigend, wie so viele Werke von James Horner. Sein Tod ist ein Verlust für die Filmwelt - ein Umstand, der unbestreitbar ist. James Horner hat uns so viele wunderschöne Werke geschenkt, die sich doch von denen seiner Kollegen unterscheiden.

James Horner wusste die Emotionen seiner Zuhörer gekonnt zu begleiten. Ob nun die hoffnungsvollen Klänge in „Cocoon“, die epischen Schlachtuntermalungen aus „Glory“ oder den leisen Tönen aus „Casper“ - Horner fand zumeist den richtigen Ton zum richtigen Bild. Und selbst einem überzeichneten Blockbuster wie „Avatar“ entlockte er auf der Tonspur die besten Momente. Ich wünschte mir, den Mix aus epochalen und minimalistischen Titeln auch bei „Avatar 2“ hören zu dürfen, denn ich bin mir sicher, sie hätten dem Film gut gestanden.

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