Tittilasergore: Die besten Trashfilme – Folge #2 mit "Zardoz" – Der Penis ist böse!

Tobias Heidemann 5

Zwischen „Avengers“-Filmkritiken und „Game of Thrones“-Hype bleibt nicht viel Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Filmleben. Die zweite Folge von „Tittilasergore“, meinem unlängst auf GIGA FILM  angestimmten Format für gute schlechte Filme ließ deshalb auch etwas auf sich warten. Doch ich denke, das Warten hat sich gelohnt. Ich habe mir „Zardoz“ angesehen. Und es war wunderbar! 

Tittilasergore: Die besten Trashfilme – Folge #2 mit "Zardoz" – Der Penis ist böse!

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Um die heftigen Reaktionen, die „Zardoz“ in der damaligen Filmwelt auslöste, überhaupt nachvollziehen zu können, brauchen wir ein kleines Gedankenexperiment. Stellen wir uns also einfach mal vor, Christopher Nolan würde morgen ankündigen, dass er als nächstes an einem großen Science Fiction-Projekt mit Daniel Craig und Scarlett Johansson in den Hauptrollen arbeiten wird. Und dann stellen wir uns vor, dass dabei ein extrem teurer LSD-Porno herauskommt, den kein Schwein, also wirklich niemand, kein einziger Mensch auf der ganzen Welt auch nur ansatzweise versteht.

Außerdem denken wir uns gleich noch mit dazu, dass dieser Streifen Scarlett Johansson dazu veranlasst, in einem Interview öffentlich zu bereuen, dass sie im Gegensatz zu allen anderen Frauen im Film leider nicht von Daniel Craig vergewaltigt wurde. So. Jetzt haben wir eine erste Ahnung davon, wie einmalig die Rolle ist, die John Boormans „Zardoz“ in der Filmgeschichte einnimmt.

Der Zardoz Trailer (1974).

John Boorman hatte sich 1974 mit Filmen wie „Point Blank“ und „Beim Sterben ist jeder der Erste“ in den Olymp der Hollywood-Regisseure katapultiert. Er sollte in seiner Karriere noch fünfmal für den Oscar nominiert werden. Wir reden hier also von einem echten Schwergewicht. Sein nächstes Projekt hörte damals auf den Namen „Der Herr der Ringe“ und sollte eine aufwendige Verfilmung der Tolkien-Werke werden.

Doch als das Projekt vom Studio wieder eingestampft wurde, beschloss Boorman kurzerhand selbst einen epischen Fantasy-Streifen zu schreiben und diesen umgehend zu verwirklichen. Das Script für „Zardoz“ schickte er zunächst an Burt Reynolds, mit welchem er gut befreundet war und zuletzt sehr erfolgreich („Deliverance“) zusammengearbeitet hatte. Reynolds schob, so geht die Legende, eine plötzliche Krankheit vor, um nicht in „Zardoz“ mitwirken zu müssen. Doch Boorman blieb hartnäckig, was Reynolds wiederum dazu veranlasste, sich gleich mehrfach telefonisch verleugnen zu lassen.

Ganz anders dagegen Sir Sean Connery. Der damalige Megastar aus den erfolgreichen „James Bond“-Filmen hatte sofort Gefallen an einem Drehbuch gefunden, in welchem ein schießwütiger Barbar in eine Sphäre der Zivilisation eindringt, um dort dutzende Frauen zu vergewaltigen und am Ende ein Massaker anzurichten. Man sollte vielleicht auch noch erwähnen, dass Sean Connery kurz zuvor in einem Interview mit dem Playboy öffentlich bekannt hatte, dass er es „OK findet, Frauen zu schlagen, wenn sie nicht spuren“. Dass ihm die überaus talentierte und sehr attraktive Charlotte Rampling in „Zardoz“ zur Seite gestellt wurde, dürfte wohl auch eine Rolle bei Connerys Zusage gespielt haben. Und so begannen die Dreharbeiten zu „Zardoz“ tatsächlich.

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Haha. Guter Witz. Also nein, ganz im Ernst jetzt – woher soll ich das wissen. Niemand versteht „Zardoz“. Warum sollte also ausgerechnet mir dieses analytische Kunststück gute 40 Jahre nach dem Erscheinen des Filmes gelingen. Man kann natürlich rekonstruieren, was da auf dem Bildschirm geschieht, aber worum es hier geht - keinen blassen Schimmer.

Also, was sehen wir auf der Leinwand? Wir schreiben das Jahr 2293 und Sean Connery läuft in Windeln durch eine apokalyptische Steinwüste. Er ist Zed, ein bestialischer „Ausrotter“, ein barbarisches Bild von einem Mann. Wir erfahren, dass er ein gesuchter Mörder und mehrfacher Vergewaltiger ist. Das ist schon mal gar nicht irritierend. Was geht da bitte ab, Herr Boorman?  Aber egal, Zed betet jedenfalls einen göttlichen Steinkopf an, der Zardoz heißt und ihn… ach Moment mal, erst erschießt er ja noch den Zuschauer. Genau. Aber vorher war noch kurz dieser fliegende Kopf mit dem angemalten Schnurrbart im Bild. Stimmt. Der erklärt ja auch, worum es in „Zardoz“ überhaupt geht. Soll er euch halt sagen, was zur Hölle hier los ist. Ich bin raus.

„Mein Name ist Arthur Frayn und ich bin Zardoz. Ich habe drei hundert Jahre gelebt und sehne mich danach zu sterben. Aber der Tod ist nicht möglich. Ich bin unsterblich. Ich präsentiere euch eine Geschichte voller Leid und Intrigen, reich an Ironie und sehr satirisch. Sie spielt in einer weit entfernten Zukunft, also ist nichts von alledem schon passiert, es könnte aber passieren. In dieser Geschichte bin ich ein falscher Gott. Und ein Magier. Merlin ist mein Held. Ich bin der Puppenspieler. Doch auch ich bin nur erfunden, für ihre Unterhaltung und ihr Amüsement, liebe Zuschauer. Und ihr armen Kreaturen, wer hat euch aus dem Lehm beschworen? Ist Gott auch im Show Business?“

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Na? Alles klar? Gut. Dann weiter.

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Ganz ehrlich – der ganze Film. Hier passiert am laufenden Filmmeter so viel unfassbar Abstruses, so viel LSD-geschwängerter Wahnwitz, so viel moralisch fragwürdiger Schwachsinn, dass es schwer fällt, eine bestimmte Szene herauszupicken. Doch nehmen wir doch der Einfachheit halber die Szene, in der Charlotte Rampling Sean Connery die Theorie der Erektion erklärt und ein kleines Experiment an seinem Zed durchführt.

Die unsterblichen Männer im Vortex bekommen alle keinen mehr hoch (just go with it) und Rampling zeigt Zed ein paar Bilder von Brüsten und nackten Frauen, die Schlammcatchen machen. Obwohl Zed bereits unter Beweis gestellt hat, dass er ein ganzer Mann ist, bewirken die Nacktaufnahmen nichts in den niederen Regionen. Erst der Augenkontakt mit Rampling führt zu einem barbarischen Ständer. Wow.

Zardoz - Die Theorie der Erektion.

 

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Mal anders gefragt: Warum sollte man das verpassen wollen? Wir haben es hier mit einem finanziell üppig ausgestatten Mainstream(!)-Film zu tun, der ein paar der renommiertesten Hollywood-Stars seiner Zeit auf einen Trip schickt, der so durchgeschissen ist, dass Kritiker weltweit nur noch um Gnade winselten. Niemand wusste damals, ob dieser niederträchtige Film Kunst, Kacke oder überhaupt legal ist. Zwiegespräche mit fliegenden Steinköpfen, wahnwitzige Fummel-Orgien, blutige Massaker und hirnschmelzende Vergewaltigungszenen werden von einem Meta-Text zusammengehalten, der absolut keinen Sinn ergibt. Warum gibt es „Zardoz“ überhaupt? Warum durfte sich Sean Connery in aller Öffentlichkeit wie eine Wildsau benehmen? Warum wurde dieser Film realisiert? Fragen, die euch nach dem zweifelhaften Genuss dieses historisch einmaligen Dokuments nie wieder loslassen werden. !

 

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