Netzfundstück: Die 22 Storytelling-Regeln für jeden Pixar-Film

Philipp Schleinig

Drehbuchautoren, Pixar-Fans und Film-Interessierte aufgepasst: Eine ehemalige Storyboard-Zeichnerin von Pixar hat via Twitter der breiten Masse 22 Regeln des Storytelling mitgeteilt, die sich angehende Drehbuchautoren einprägen sollten und uns Fans interessante Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen ermöglichen! Wir haben die Tipps zusammengetragen und übersetzt.

Netzfundstück: Die 22 Storytelling-Regeln für jeden Pixar-Film
Bildquelle: © Disney.

Ihr seid Fans der Filme aus dem Hause Pixar, liebt etwa „Toy Story“, „Oben“ und „Ratatouille“ über alles und wolltet schon immer mal wissen, wie der Arbeitsprozess der Drehbuchautoren von Pixar aussieht? Dank Emma Coats, einer ehemaligen Storyboard-Zeichnerin von Pixar, ist das nun möglich. Über ihren Twitter-Account teilte Coats über die letzten Wochen Pixar-Weisheiten, die sie im Laufe ihrer Arbeit von anderen Kollegen gelernt hat. Dino Ignacio, User-Experience-Director bei Electronic Arts, war so freundlich, diese Tipps mit passenden Szenen aus den Pixar-Filmen zu unterlegen (via Imgur):

 

22 Storytelling-Regeln für jeden Pixar-Film

  1. Man bewundert einen Charakter mehr für seine Versuche, etwas zu erreichen, als durch seinen Erfolg.
  2. Du musst im Kopf behalten, was interessant für dich als Publikum ist, nicht was etwa als Drehbuchautor Spaß machen würde. Das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.
  3. Es ist wichtig, über ein Thema zu schreiben. Allerdings wirst du erst am Ende realisieren, worum es in deiner Geschichte wirklich geht. Dann solltest du es nochmal überarbeiten.
  4. Es war einmal, ____. Jeden Tag, ____. Eines Tages, ____. Aus diesem Grunde, ___. Bis schließlich ____.
  5. Vereinfache. Fokussiere. Kombiniere Charaktere. Spring über Umwege. Das fühlt sich an, als wenn du wertvolles Material verlierst, aber es befreit dich!
  6. Worin ist dein Charakter gut, wobei fühlt er sich wohl? Setze ihn dem Gegenteil aus, fordere ihn heraus. Wie schlägt er sich dann?
  7. Lege dein Ende fest, bevor du mit dem Mittelteil der Geschichte anfängst. Ernsthaft! Enden sind hart, arbeite zuerst mit ihnen.
  8. Beende deine Geschichte, lass los, auch wenn du nicht zufrieden bist. Nur in einer idealen Welt hast du beides. Mach weiter und lerne aus deinen Fehlern.
  9. Wenn du feststeckst, mach dir eine Liste mit Dingen, die NICHT als nächstes passieren werden. Oft tauchen dabei Ideen auf, die dich weiterbringen werden.
  10. Nimm die Stories, die du magst, auseinander. Was du an ihnen magst, ist ein Teil von dir; das musst du erkennen, bevor du es nutzen kannst.
  11. Eine Idee aufzuschreiben, lässt dich sie fixieren. Wenn die perfekte Idee nur in deinem Kopf bleibt, erfährt nie jemand etwas von ihr.
  12. Entledige dich der ersten Idee, die dir in den Sinn kommt. Und der zweiten, der dritten, der vierten und fünften - schaffe das Offensichtliche aus dem Weg. Überrasche dich selbst!
  13. Gib deinen Charakteren Meinungen. Passive/formbare Charaktere mögen dir vielleicht passen, aber sie sind Gift für das Publikum.
  14. Warum musst du genau DIESE Geschichte erzählen? An welchen Glauben klammert sich deine Geschichte in dir? Das ist das Herz der Story.
  15. Wenn du der Charakter in der Situation wärst, was würdest du fühlen? Ehrlichkeit gibt selbst den unglaubwürdigsten Situationen Glaubwürdigkeit.
  16. Was steht auf dem Spiel? Gib uns Gründe, warum wir uns auf deinen Charakter einlassen sollten. Was passiert, wenn er scheitert? Setze ihn dem Nachteil aus.
  17. Keine Arbeit ist jemals verschwendet. Wenn es nicht funktioniert, lass los und mach woanders weiter - oftmals erweist es sich später doch noch als nützlich.
  18. Du musst dich selbst kennen; den Unterschied zwischen „dein Bestes geben“ und rumjammern. Die Geschichte muss getestet, nicht verfeinert werden.
  19. Zufälle, die Charaktere in Schwierigkeiten bringen, sind gut; Zufälle, die sie daraus holen, sind Schummeleien.
  20. Übung: Nimm einen Baustein eines Films, den du nicht magst. Wie würdest du ihn neu anordnen, damit daraus etwas entsteht, was du magst?
  21. Du musst dich mit der Situation/dem Charakter identifizieren, nicht einfach nur coole Sachen schreiben. Was bringt DICH dazu, so zu handeln?
  22. Was ist die Essenz deiner Geschichte? Was ist die ökonomischste Art, um davon zu erzählen? Dort musst du ansetzen.

 

Dass diese Regeln nur als Basics dienen, dürfte klar sein. Interessant ist allerdings vielmehr der Anspruch, den die Storyboard-Artisten und Skript-Schreiber bei Pixar an ihre Filme legen, um uns als Kinopublikum ja zu unterhalten. Bisher ist ihnen dies nämlich sehr oft eindrucksvoll gelungen, was wir doch mal als Anlass genommen haben, um die besten Pixar-Filme zu ranken:

Die 10 besten Pixar-Filme

Es braucht natürlich nicht extra erwähnt werden, dass diese Tipps auch gut auf Filme außerhalb des Pixar-Universums passen. Na gut, jetzt haben wir es gesagt. Wie dem auch sei: Jetzt könnt ihr euch ransetzen und eure eigenen Drehbücher entwerfen!

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