In unserer News der Woche werfen wir heute nicht nur einen Blick über den großen Teich, sondern auch in die ureigene, US-amerikanische Late-Night-Show-Kultur, die seit vergangenem Donnerstag eine klaffende Lücke zu beklagen hat. Der große Komödiant, Moderator, Anchorman und Satiriker Jon Stewart ging mit seiner Daily Show ein allerletztes Mal auf Sendung. Wir verneigen uns vor einem Mann, der für viele einen Unterschied machte. 

 

Vacation - Wir sind die Griswolds

Facts 

David Letterman verabschiedete sich in diesem Jahr in den Ruhestand und beendete eine langjährige Ära der US-amerikanischen TV-Geschichte. Nun hat auch Jon Stewart seinen Hut genommen und vergangenen Donnerstag zum letzten Mal die Daily Show auf Comedy Central moderiert. 16 Jahre lang gelang dem Komiker traumwandlerisch sicher der schwierige Balanceakt zwischen beißender Satire, ehrlicher Berichterstattung und persönlicher, ungestellter Betroffenheit. Was hierzulande als heuteshow von Oliver Welke mehr kalauerhaft als bissig adaptiert wurde, entwickelte sich in den USA zu Zeiten der Regierung Bush als einzige, wirklich relevante und kritische Bestandsaufnahme republikanischer Politik. Während die vermeintlich echten und neutralen Nachrichten von regierungstreuen Sendern, wie der konservativen Meinungsschmiede FOX, immer mehr zum verlängerten Arm von George W. Bush und seiner Politik nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 verkamen, legte Jon Stewart den Finger in die Wunde und gab dem liberalen, (milde) linken Amerika eine Stimme. Diese legt nun eine Pause ein und sie wird fehlen.

Hier sind einige Ausschnitte aus 16 Jahren „The Daily Show“ zur eigenen Meinungsbildung. Wir beginnen mit einem klassischen Schlagabtausch zwischen Jon Stewart und seinem konservativen Widersacher Bill O'Reilly aus dem Jahr 2014:

Neben solchen hitzigen Diskussionen schaffte es Jon Stewart in all den Jahren, neben dem Medien-Profi er selbst zu bleiben und scheute nicht davor, die Maske fallen zu lassen und einfach Mensch zu sein, was ihm viele Sympathien einbrachte, wie in den nächsten beiden Beispielen deutlich wird. Hier der Anfang seiner Show nach dem 11. September:

Nach dem rassistisch motivierten Attentat auf eine Kirche in Charleston begann Jon Stewart seine Show mit diesen Worten:

Vielleicht waren es auch diese klaren Worte, die Jon Stewart neben seiner unverhohlenen Meinungsfreudigkeit den Ruf eines authentischen Charakters mit Rückgrat bescherten, der ihm auch bei vielen seiner Gegner Respekt verschaffte. Seine authentische Art wird fehlen, doch in seiner letzten Show machte Jon Stewart klar, dass er sich nicht für immer vom Bildschirm zu verabschieden gedenkt.

Letzte Episode der Daily Show: Jon Stewart verspricht keinen Abschied für immer

Jon Stewart ist 52 Jahre alt. Schwer vorstellbar, dass sich der energiegeladene Mann für immer vom Showbusiness verabschiedet hat. Das ist wohl zum Glück auch nicht der Fall, denn der Moderator vermied es, in seiner letzten Ansprache an seine Zuschauer, von einem Abschied für immer zu sprechen. Er mache nur eine kleine Pause im langen Dialog mit seinen Fans, gehe sich einfach mal einen Drink holen und komme dann wieder, so John Stewart in der finalen Ausgabe der „Daily Show“, bevor Bruce Springsteen und seine legendäre E-Street Band für den würdigen Schlusspunkt sorgten. Richtig so, schließlich hatte David Letterman Bob Dylan als letzen Gast.

Wir schließen uns dem Boss an und wünschen Jon Stewart, dem Mann, der unter anderem für den Karrierestart von Steve Carell, „Vacation“-Star Ed Helms und Stephen Colbert verantwortlich ist, eine gute Reise auf all den Wegen, die er in Zukunft noch einschlagen möchte.

 

 

 

Marek Bang
Marek Bang, GIGA-Experte.

Ist der Artikel hilfreich?