Willkommen im Zeitalter der Videospielverfilmung: Was können Warcraft, Assassin’s Creed, Last of Us & Co?

Tobias Heidemann 10

Warcraft, Assassin’s Creed, The Last of Us, Uncharted, Hitman, Tomb Raider, Splinter Cell, Portal und viele weitere Filmprojekte. Egal wie man zu den Videospielverfilmungen der Vergangenheit steht – diese Liste hat eine klare Botschaft: Hollywood meint es plötzlich sehr ernst mit den Spielen. Während das Marvel Film Universum sich gerade zum größten Franchise der westlichen Kulturgeschichte aufbläht und der Buchmarkt für junge Erwachsene direkt von den Druckerpressen weg ins Kino adaptiert wird, arbeiten Hollywoods Projektplaner schon am nächsten großen Coup. Das Zeitalter der Video Game Movies möge beginnen. Kann das tatsächlich klappen?

Willkommen im Zeitalter der Videospielverfilmung: Was können Warcraft, Assassin’s Creed, Last of Us & Co?

Zunächst mal die Karten auf den Tisch. Filmadaptionen von Videospielen funktionieren einfach nicht. Zumindest dann nicht, wenn man alle bisher erschienenen Videospielverfilmung gemeinsam in einen historischen Topf wirft und die bunt blubbernde Zuckergalle, die dabei herauskommt als empirische Grundlage für die Bewertung nimmt.

Ja, ja, „Prince of Persia“, und ja, ja „Resident Evil“, aber NEIN: Das sind keine guten Filme! Wie man diese Machwerke auch dreht und wendet, Unterhaltung hin, Kurzweil her – wirklich überzeugende Kinofilme sehen anders aus. Mag sein, dass es gelegentlich sogar mal richtig knapp wurde, doch auf jeden „Ralph reichts“ kamen zwei „Dooms“, auf jedes „Silent Hill“ ein Dutzend „Far Crys“.

Doom 2005.

Lassen wir uns also einen kurzen Moment mal auf die wahrlich bemerkenswerte Tatsache ein, dass uns die Filmindustrie den ersten wirklich gelungenen Film zu einem Videospiel immer noch schuldig ist. Wie kann das sein? Woran liegt das?

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Warcraft Film: Besetzung und Charakter-Details.

Gute Videospielverfilmung? Fehlanzeige!

Wir leben in einer Zeit, in der die Film-Industrie sogar Brettspiele recht unterhaltsam auf die Leinwand zu bringen vermag. Brettspiele! Warum zum Truffaut tut sich Hollywood bei Videospielverfilmungen so unglaublich schwer?

Liegt es etwa an den Spielen selbst? Wurden bisher einfach die falschen Spiele verfilmt? Geben die adaptierten Games vielleicht zu wenig narratives Material frei, wenn man sie von ihrer essentiellen Interaktivität trennt? Eignen sich die oft eindimensionalen Figuren und ihre Geschichten am Ende gar nicht für die Kinoleinwand? Vor dem Hintergrund der desaströsen Bilanz von verfilmten Spielstoffen werden solche Fragen immer wieder gestellt. Mit Verlaub: Alles ausgemachter Quatsch mit Soße!

Ich glaube, dass die Antwort deutlich einfacher ist. Ich glaube, wer ein Videospiel verfilmt, dem muss dieses Spiel auch etwas bedeuten. Das klingt jetzt erst einmal etwas naiv und wenig kulturwissenschaftlich, doch es beschreibt den Kern der Sache, die ich hier beschreiben möchte, eigentlich ganz gut.

Was den Produzenten, Regisseuren und Schauspielern von gescheiterten Videospielverfilmungen in der Vergangenheit oft gefehlt hat, ist ein produktives Verhältnis zu dem verfilmten Stoff. Die Amerikaner nennen das Fan Connectivity, eine Art emotionale Verbindung mit den Inhalten des Spiels. Quasi die Anschlussfähigkeit an den Bedeutungskontext des Materials.

Um die Relevanz einer solchen Verbindung einschätzen zu können, muss man sich nur einmal vorstellen, man würde damit beauftragt, ein Spiel zu verfilmen, das man nie gespielt hat oder das einem total egal ist. Würde ich mich plötzlich auf dem Regiestuhl von „League of Legends“ wiederfinden, wäre ich ausschließlich auf die Eingaben der Fans angewiesen, weil ich absolut kein Verhältnis zu diesem Spiel habe. Müsste ich „Dark Souls“ verfilmen, könnte ich gestern mit dem Dreh beginnen. Mit anderen Worten: Eine emotionale, sinnstiftende und persönliche Bindung zum Spiel ist eine wichtigste Voraussetzung für gute Videospielverfilmungen.

Was sind die Voraussetzungen für gute Videospielverfilmung?

Nur über das Fehlen einer solchen Verbindung erklärt sich mir der unglaublich fahrige, rücksichtslose und oft regelrecht schlampige Umgang mit dem Ausgangsmaterial, den wir bei schlechten Videospielverfilmungen so oft ertragen mussten.

Der Großteil der existierenden Videospielverfilmung nahm radikale Änderungen an den Erzählungen und Charakteren der adaptierten Spiele vor. Grundsätzliche Änderungen, die gemacht wurden, um den digitalen Stoff auch dem „normalen“ Kinopublikum zugänglich zu machen; doch waren es eben auch Änderungen, die einem echten Fan mit einer engen Verbindung zum Spiel niemals in den Kopf gekommen wären.

World Of Warcraft Wrath Of The Lich King Cinematic Trailer.

Was nach einer derartig grobschlächtigen Behandlung übrigblieb, war meist kaum mehr als ein entwurzelter Wiedergänger ohne Ziel und Halt. Folgerichtig irrten die meisten Videospielverfilmungen im Limbo zwischen verprellten Fans und einem irritierten Kinopublikum umher.

Was hier offenkundig fehlt, ist Respekt. Respekt vor dem Ausgangsmaterial. Ein respektvoller Transfer vom Spiel zum Film vertraut nämlich den Überzeugungskräften seiner Quelle. Und das allein scheint mir der Weg zum Erfolg zu sein.

Der Weg zum Erfolg: Von Marvel lernen, heißt siegen lernen

Wie dieser Erfolg aussieht, das kann man derzeit hervorragend an den Comic-Verfilmungen von Marvel ablesen. Hier wird man kaum etwas finden, das nicht respektvoll mit den Vorlagen umgeht. Ganz im Gegenteil. Fan Service lautet das wichtigste Gebot der Stunde.

Marvel macht Filme für die Comic-Fans, und dann erst für das restliche Kinopublikum. Ganz so radikal wie das hier klingt, geht Marvel natürlich nicht zu Werke, doch zumindest ist das die Haltung, die diese Filme einnehmen und versprühen. Das hier ist für euch.

Und das ist eben auch das Geheimnis ihres Erfolges. Die Marvel-Filme wurden genau in jenem Moment erfolgreich, in dem sie – wenn man so will - in den eigenen vier Wänden entstanden. Im Dunstkreis jener Menschen also, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten an der Quelle des adaptierten Materials arbeiten, denken und leben. Natürlich werden auch bei Comic-Verfilmungen Änderungen vorgenommen, doch es sind Änderungen, die die Essenz der Quelle intakt lassen.

Es braucht also eine Fan-Verbindung zum Spiel, den Respekt vor und das Vertrauen in die Quelle, sowie eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den Urhebern des Stoffs. Dann steht dem Zeitalter der Video Game Movies meiner Meinung nach tatsächlich kaum noch etwas im Wege.

Dass sich mit Videospielverfilmungen Geld verdienen lässt, das stellte das leidlich gelungene „Need for Speed“ im vergangenen Jahr unter Beweis. Der Film ging mit knapp 66 Millionen Dollar Produktionskosten ins Rennen und fuhr mit weit über 200 $ über die Zielgerade. Ein klares Zeichen in Hollywood. Zudem sollte man den unlängst verkündeten „Super-Show“-Deal zwischen Telltale und Lionsgate mit in diese Rechnung mit einbeziehen. Sollte dieses Projekt gelingen, könnte das die entscheidende Signalwirkung für die Industrie sein.

Assassin's Creed - Trailer Deutsch.

 

Doch was sagt uns das konkret über Warcraft, Assassin’s Creed, Uncharted, The Last of Us, Hitman, Tomb Raider, Splinter Cell und Co? Im Folgenden findet ihr eine kurze Übersicht über die kommenden Videospielverfilmung und ein kurze Einschätzung was wir meiner Meinung nach von den jeweiligen Projekten erwarten dürfen. Wie immer würde ich mich über euer Feedback und in diesem Fall über eure Einschätzung der kommenden Videospielverfilmung freuen. Wer mag, der kann an unserer Umfrage zu dem Thema teilnehmen.

 

Hier geht´s weiter zu den kommenden Videospielverfilmung 2015 - 2016 und unserer Umfrage zu eurem Video Game Movie-Favoriten

(letztes Update Dezember 2015)

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