Wild Card - Kritik

Jan-Thilo Caesar

WILD CARD Trailer Deutsch German & Kritik Review | Jason Statham 2015 [HD].
Normalerweise sind Jason Statham und Simon West ein gutes Team, wenn es um Actionfilme geht. Für „Wild Card“ haben sich Schauspieler und Regisseur nun zum dritten Mal zusammengetan, doch diesmal scheint sie das Glück verlassen zu haben.

WILD CARD Trailer Deutsch German & Kritik Review | Jason Statham 2015 [HD].
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Wild-Card-Titel

Vor ein paar Jahren meldete sich „Con Air“-Regisseur Simon West nach langer Hollywood-Auszeit zurück und brachte mit seinem Remake von „Kalter Hauch“ ein solides Jason Statham-Vehikel in die Kinos, das dank seiner 70er-Jahre-Vorlage jede Menge Old-School-Charme versprühte. Nach „The Mechanic“ und „The Expendables 2“ folgt mit „Wild Card“ nun schon die dritte Zusammenarbeit mit dem britischen Schauspieler und wieder handelt es sich um eine Neuauflage – diesmal von einem 80er-Jahre-Actioner, der schon seinerzeit in der Masse untergegangen ist.

Nick Wild (Jason Statham) verdient sich als Bodyguard in Las Vegas und ist sich für kaum einen Job zu schade. Als eine alte Freundin von einem sadistischen Mafiaboss brutal misshandelt wird, sinnt sie auf Rache und bittet Nick um Hilfe. Obwohl sich der eigentlich vom Mob fernhalten und nicht in solche Angelegenheiten verwickeln lassen will, kann er seine Augen vor dieser Sache nicht verschließen. Gemeinsam nehmen sie sich den Mobster und seine beiden Handlanger zur Brust, lassen sie aber am Leben und erleichtern sie um 50.000 US-Dollar. Damit hat Nick die Chance, Las Vegas endlich hinter sich zulassen, doch dafür muss er seine Karten richtig ausspielen und die Gangster, die sich an seine Fersen geheftet haben, wieder loswerden.

Angst und Schrecken in Las Vegas

Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass sich mit William Goldman der Drehbuch-Autor der Originalverfilmung und Verfasser der Romanvorlage für das Skript von „Wild Card“ verantwortlich zeichnet. Obwohl man der Geschichte ohne Schwierigkeiten folgen kann und der Plot unkompliziert ist, fehlt dem Film der rote Faden. Mafiaboss DeMarco (Milo Ventimiglia) stellt zu keinen Zeitpunkt eine Bedrohung oder einen brauchbaren Gegenspieler dar und der Mob lässt sich erst in der letzten halben Stunde blicken. Und ist dann eigentlich auch ganz umgänglich. Nick Wild scheint zwar über vereinzelte Charakterzüge zu verfügen, greift aber nur in ganz bestimmten Situationen darauf zurück. Seine Spielsucht oder sein Markenzeichen, keine Schusswaffen zu verwenden, werden erst etabliert, wenn die Handlung es erfordert. Der Protagonist wirkt beliebig und so ist es schwer eine Verbindung zu ihm aufzubauen.

Auch die Nebencharaktere hat es nicht besser getroffen: Die Geschichte um Sidekick Cyrus Kinnick (Michael Angarano), der nach Las Vegas gekommen ist, um seine Angst und Feigheit zu überwinden, verläuft absolut ziellos und hat für die eigentliche Handlung keinerlei Bedeutung. Der Charakter von Holly (Dominik García-Lorido), die alte Bekannte, die Nick auf den Rachefeldzug schickt, hat noch am meisten Entwicklungspotential und würde eine fabelhafte Femme Fatale abgeben, verschwindet aber viel zu früh von der Bildfläche. Vielleicht fragt sich der geneigte Leser an dieser Stelle, warum man bei einem Actionfilm überhaupt von den Charakteren redet, wenn es doch eigentlich um ganz andere Dinge geht. Aber „Wild Card“ hat mit seinen drei Actionszenen, die man übrigens alle im Trailer sehen kann, in dieser Beziehung einfach nicht genug zu bieten. Die kurze Filmvorschau hat sogar ein paar Kopfschüsse und Explosionen zu bieten, die es nicht mehr in den fertigen Film geschafft haben.

Action im Drei-Gänge-Menü

Nachdem der „Wild Card“ eine Stunde lang nicht in Fahrt kommt, sind die Sequenzen in denen es endlich ans Eingemachte geht, eher eine Enttäuschung. Obwohl Jason Statham mal wieder tolle Arbeit abliefert und immer noch keine Ermüdungserscheinungen zeigt, mangelt es den Kämpfen an Übersicht und Originalität. In einer Szene kämpft Statham nur mit Messer und Löffel bewaffnet, was ja erstmal keine schlechte Idee ist. Allerdings hat uns der 47-jährige Brite schon bei „Redemption – Stunde der Vergeltung“ gezeigt, dass er theoretisch sogar mit noch weniger Besteck auskommt – dort reicht schon ein Löffel. Der Film hat zwar auch eher wenig Action, gleicht das aber immerhin mit seiner Story und den Charakteren wieder aus. Das gelingt diesmal leider nicht.

Obwohl ich ein riesiger Jason Statham-Fan bin und mich schon auf „Wild Card“ gefreut habe, kann ich den Film nicht weiterempfehlen. Die Story und Charaktere sind einfach zu lahm, die Action zu spärlich dosiert und konventionell. Schade, denn eigentlich hätte die Vorlage einen guten Neo-Noir hergegeben, was vor allem in der Eröffnungsszene deutlich wird, wenn sich Statham von einem Klienten aufmischen lässt, um dessen Freundin zu beeindrucken. Die folgenden Ereignisse wirken aber beliebig aneinandergereiht und verzichten auf diese Doppelbödigkeit. Wer mal wieder einen guten Actionfilm im Kino sehen möchte, wendet sich also lieber an einen gewissen „John Wick“ oder – wenn es auf jeden Fall Jason Statham sein soll – schaut einfach einen anderen Film aus seiner umfangreichen Filmographie und bleibt Zuhause.

rating5

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