#Zeitgeist - Kritik

Philipp Schleinig

#Zeitgeist in einer Minute.
Erfahrt in unserer Text-Kritik zu „#Zeitgeist“, ob der Film seinem Titel gerecht wird und der Film tatsächlich in unser Umfeld passt!

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zeitgeist kritik

Ich sage voraus, dass sich das Internet bald zu einer Supernova aufbläht und 1996 katastrophal kollabieren wird.“, meinte der US-amerikanische Elektrotechniker Robert Metcalfe im Jahre 1995. – Neun Jahre später befinden wir uns in einem Zeitalter, in dem das World Wide Web nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken ist. Wir informieren uns, wir kaufen ein, wir planen, wir relaxen und – das Wichtigste – wir kommunizieren im Internet. Ein Fakt, der natürlich durch die sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter, Youtube und Co. ein enormes Level erreicht hat und in der filmischen Landschaft bisher eigentlich viel zu wenig thematisiert wurde.

Vor einigen Jahren gab David Fincher mit der Literaturadaption „The Social Network“ einen ersten relevanten Einblick in das gigantische Imperium der sozialen Kommunikation 2.0. Jason Reitman vertieft diesen Blick nun mit seinem neuen Film „#Zeitgeist“ und beleuchtet das Thema aus der Anwender-Sicht. Nach „Thank You for Smoking“, der Abrechnung mit der Tabak-Industrie, „Juno“, dem Hilferuf einer schwangeren Teenagerin, und „Up in the Air“, dem Sinnbild eines vereinsamten Menschen, der sich nach Liebe sehnt, geht Jason Reitman erneut in die Mitte der Gesellschaft, um ihr den Spiegel vorzuhalten.

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Die besten Filmposter 2014: Von Birdman bis Zeitgeist.

Sinnbild der Gesellschaft?

„#Zeitgeist“ beginnt als ein Film über die Leichtsinnigkeit Jugendlicher im Umgang mit den sozialen Netzwerken und über die Besorgnis, aber auch Machtlosigkeit der Eltern, die – abgesehen von der Rolle von Jennifer Garner – keinen Einfluss mehr auf das digitale Leben ihrer Schützlinge haben. Ehe der Film aber zu einem klischeehaften Zeigefinger-Schwenk verkommt, erweitert Reitman seinen Blickwinkel und fokussiert sich ebenfalls auf die Erwachsenen, deren Probleme sich von den Teenagern in der ein oder anderen Hinsicht selten unterscheiden.

Getragen wird dies von einigen großartigen Schauspieler-Gespannen, die sich wunderbar in den Film fügen. Dabei soll zuerst eine Lanze für Adam Sandler gebrochen werden: Man mag von dessen Komödien, Regie- und Schauspiel-Projekten halten, was man möchte. Doch sind es zumeist die auserwählten Rollen, die Sandler Steine in den Weg legen. In „#Zeitgeist“ verkörpert er einen frustrierten Ehemann, dessen sexuelles Eheleben eingeschlafen ist, der seine Frau, wie diese auch ihn, betrügt und schließlich im Schmerz feststellt, was ihm wichtig ist. Fernab klamaukartigem Slapstick steckt in Sandler immer noch die Fähigkeit zu schauspielern, die er mehr in dramatischen Rollen umsetzen sollte.

Doch auch die übrigen Darsteller fügen sich passend in das Szenario, welches moderner eigentlich nicht sein könnte: Ansel Elgort verkörpert den einsamen Computerspieler, der das genaue Gegenteil zum lebensbejahenden Augustus Waters aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist, während „Breaking Bad“-Star Dean Norris dessen überforderten Vater spielt. Jennifer Garner ist die kontrollsüchtige Mutter bis zur Vollendung und J.K. Simmons ein Vater, dessen an Magerwahn leidende Tochter alles für ihn ist. So ist es nur allzu logisch, dass die verschiedenen Schicksale irgendwann miteinander kollidieren, um dann in einem abschließenden Blick eine vage Zukunftsvoraussicht zu geben, in welcher Reitman die moderne Unterwürfigkeit des Menschen noch nicht ganz so schwarz sieht, wie einige Theoretiker jetzt schon behaupten.

Fazit:

„#Zeitgeist“ ist ein Film, der in unserer Zeit absolut nötig ist und den passenden Eindruck von einer Gesellschaft gibt, in der fehlendes Internet zu einer Massenpanik führt und nur den einsamen Eremiten beschieden ist.

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