Darum lohnt sich ein Besuch der gamescom (Kommentar)

Lisa Fleischer 3

Die gamescom ist für Privatbesucher so eine Sache: Während Presse und Fachbesucher exklusiven Zugang zu neuen Spielen und exklusiven Partys haben, warten auf euch meist nur ewig lange Warteschlangen und ein enormes Getümmel. Warum ich finde, dass sich ein Besuch der größten Gaming-Messe für euch trotzdem lohnt, möchte ich euch im Folgenden schildern.

gamescom 2016 - TV-Spot.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

Für Privatbesucher ist die gamescom kein einfaches Unterfangen: Wollt ihr Spiele antesten, müsst ihr meist mit stundenlangen Wartezeiten rechnen. Durch die verschärften Sicherheitsvorkehrungen, die die Veranstalter infolge der Anschläge in Würzburg und München getroffen haben, warten in diesem Jahr sogar noch mehr Schlangen auf euch, an denen es sich anzustellen gilt. Mit etwas Pech reicht eure Zeit darum noch nicht einmal für ein großes Spiel. Ein Grund, die Messe in Zukunft vielleicht doch zu meiden? Nein, schließlich bietet die gamescom weitaus mehr als nervige Warteschlangen.

Damit ihr die gamescom genießen könnt, ein wichtiger Tipp vorab: Meidet AAA-Titel! Wer die Messe mit dem Ziel besucht, Battlefield 1 oder Resident Evil 7 anspielen zu wollen, sich stundenlang anstellt, um dann mit kurzer Präsentation und Werbetüte abgespeist zu werden, geht höchstwahrscheinlich enttäuscht nach Hause. Dabei könnt ihr solche Spiele auch von zu Hause aus anspielen, wenn auch erst ein paar Monate später. Um die gamescom zu genießen, müsst ihr also eure Perspektive anpassen und anderen Dingen höhere Priorität beimessen. Welche Areale und Angebote sich für euch auf jeden Fall lohnen, verrate ich euch im Folgenden.

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Geheimtipps anspielen

Während sich die Masse auf AAA-Titel von Activision, Blizzard und Ubisoft stürzt, haben andere, kleinere Titel meist überschaubare (oder gar keine) Schlangen: In der Indie Arena Booth oder im Retro-Areal in Halle 10.2 warten auf euch nicht nur Sitzsäcke zum Ausspannen, sondern auch einige Geheimtipps, von denen ihr abseits der Messe vielleicht gar nichts mitbekommen hättet. Und die könnt ihr meist sofort anspielen, ohne euch zuvor die Beine in den Bauch stehen zu müssen. Aber auch Spiele von Nintendo (mit Ausnahme vom neuen Zelda) und Angebote für Casual Gamer warten oftmals vergeblich auf den großen Ansturm und sind darum ideal für ein Duell mit Freunden.

Shopping-Mekka gamescom

Nirgends ist es für Gamer so einfach, Merchandise zu Spielen abzugreifen wie auf der gamescom. Umsonst gibt es inzwischen zwar nur noch wenig; wenn ihr Glück habt, höchstens ein paar Schlüsselbänder, Buttons oder Aufkleber. Seid ihr aber bereit Geld auszugeben, wird die Gaming-Messe zum Schlaraffenland: Von Mützen über Hoodies bis hin zu Actionfiguren und Kuscheltieren findet ihr so gut wir alles, was euer Zockerherz begehrt. Allerdings solltet ihr nicht gleich zu Anfang ungehemmt shoppen, schließlich dürft ihr das Messegelände nicht noch einmal betreten, habt ihr es erst einmal verlassen, um den Kram zum Beispiel zum Auto zu bringen – und ihr wollt euch bestimmt nicht mit vollgepackten Tüten durch die sowieso schon überfüllte Messe schleppen.

Sehen und gesehen werden

Jede Szene braucht ihren Treffpunkt – ihr habt dafür die gamescom: An jeder Ecke laufen euch niedliche Pikachu, coole Tracer oder imposante Magier aus World of Warcraft über den Weg. Bekannte Let’s Player oder YouTuber sind vor Ort, manch einer gibt Autogramme oder ist für einen kleinen Plausch zu haben. Und mit anderen Gamern kommt ihr früher oder später sowieso ins Gespräch. Dieses „sehen und gesehen werden“ tut richtig gut – ihr seid nicht allein und könnt euch trotzdem voll und ganz eurem Hobby widmen, ohne komische Blicke zu ernten.

Habt ihr vor, auch beruflich mit Videospielen zu tun zu haben, bietet die gamescom übrigens eine tolle Gelegenheit, erste Kontakte in der Branche zu knüpfen: Auf dem gamescom-Campus informiert ihr euch über Jobs im Gaming- und IT-Bereich, tauscht Kontaktdaten mit Ausbildern, Publishern und PR-Agenturen aus und bekommt die Chance, euch direkt zu bewerben. Lasst euch dieses Angebot nicht entgehen, schließlich ist die Branche recht klein und nicht auf jeder Berufsinformtaions-Veranstaltung zu finden. Außerdem ist der Einstieg recht schwer, die wenigen freien Stellen hart umkämpft – durch erste direkte Kontakte in der Branche verschafft ihr euch einen entscheidenden Vorteil.

Viel geboten für wenig Geld

Auch abseits der Spiele gibt es auf der gamescom einige Dinge zu entdecken: In der Cosplay Village und auf den Wettbewerben der Publisher bestaunt ihr Kostüme fortgeschrittener Cosplayer, lasst euch mit euren Lieblingshelden fotografieren oder holt euch Tipps für eure eigenen Näh- und Bastel-Kunstwerke. Bei den zahlreichen E-Sport-Events verfolgt ihr staunend spannende Matches zwischen professionellen Spielern und während ihr euch im Indoor-Bereich und bei family & friends in Halle 10.2 beim Lasertag und Skateboard-Workshop auspowert, schaut ihr außerhalb der Hallen professionellen Skatern und Motocross-Fahrern bei waghalsigen Stunt-Manövern zu.

Neben den Spielen und Veranstaltungen auf der gamescom selbst werden in ganz Köln noch weitere Aktionen geboten, die mit der Messe in Verbindung stehen: Auf den öffentlichen gamescom-Partys feiert ihr mit anderen Gaming-Fans in den nächsten Tag und tanzt sogar das ein oder andere bekannte Gesicht aus der Szene an. Bekannten Bands und Solo-Künstlern lauscht ihr beim gamescom City Festival: Das ist für alle kostenlos, unabhängig davon, ob ihr über ein gamescom-Ticket verfügt oder nicht.

Das Problem mit der Verpflegung

Zugegeben, nicht alles ist rosig auf der gamescom: Die Preise für Essen und Trinken sind teilweise so hoch, dass man meinen könnte, die Veranstalter wollen die zahlreichen Showacts mit den Einnahmen aus dem Catering und nicht mit den Eintrittspreisen refinanzieren. Verbringt ihr aber einen ganzen Tag auf der Messe – und das solltet ihr – machen sich eure Mägen früher oder später bemerkbar.

Zum Glück darf man eigenes Essen und Trinken mit aufs Gelände nehmen. Und dabei sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt! Mein Traum ist ja immer noch ein spontanes, gemeinsames Picknick auf der Messe: Jeder bringt kleine Köstlichkeiten mit, man setzt sich ganz entspannt nach draußen und teilt. Ein besseres Buffet kann man sich kaum vorstellen – und dieses wäre sogar nahezu kostenlos.

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Unsere Geheimtipps von der gamescom 2019.

Ein letzter Tipp: Lasst euch die Laune nicht verderben!

Natürlich weiß ich, dass die gamescom für euch mit sehr viel Stress verbunden ist: Da wären die Anfahrt, das Anstehen, das Gedränge in den Hallen und das vor allem am Wochenende immer gestresste Messepersonal. Trotz allem bin ich abends bisher immer mit einem guten Gefühl von der gamescom gegangen. Denn auch wenn ihr vielleicht ohne Battlefield-1-Preview und kostenlosem Merch auskommen müsst, hat die gamescom immer noch so viel Tolles zu bieten. Mit meinen Tipps im Gepäck seid ihr bestens dafür gerüstet – einem gelungenen Tag bei der gamescom steht also kaum noch etwas im Wege. Viel Spaß euch… und hey, vielleicht treffen wir uns ja auch in Köln!

gamescom 2016: Alle Infos und Videos bei GIGA

Sollte euch nun das gamescom-Fieber gepackt haben, obwohl ihr keines der begehrten Tickets ergattern konntet, gibt es aber noch eine Möglichkeit, die Messe zu besuchen: Seid ihr sowieso in der Nähe, könnt ihr euch vor Ort ab 14 Uhr ein Nachmittagsticket für 7 Euro holen.

Werdet ihr in diesem Jahr auch auf der gamescom sein? Welche Areale und Events könnt ihr weiterempfehlen?

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