Eine Echtzeit-Gesichtserkennungs-App für Google Glass? Spinnt ihr?

Kamal Nicholas 9

Die App „NameTag“ ist die erste Echtzeit-Gesichtserkennungs-App für Google Glass, die uns in Zukunft unser Erinnerungsvermögen abnehmen könnte. Und das finde ich irgendwie richtig eklig und gefährlich.

Eins vorneweg: Die App „NameTag“ stammt keinesfalls von Google selbst und verstößt gegen deren Richtlinien, weshalb man eine solche App auch (glücklicherweise) vergebens im Play Store sucht. Beängstigend ist die folgende Sache aber dennoch.

Ja, ich selbst bin ein Mensch, der ständig Namen vergisst. Selbst wenige Stunden nach einer Unterhaltung mit einer mir bis dahin unbekannten Person habe ich das Problem, dass ich beim besten Willen nicht mehr auf deren Namen komme. Dafür kann ich mir aber Gesichter sehr gut merken und selbst wenn diese sich im Laufe der Zeit verändern (Alter, Bärte, Brillen etc.) kann ich die Personen meistens ganz gut zuordnen.

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NameTag_Logo

Mit der App NameTag für Google Glass könnte eine solche Fähigkeit aber irgendwann nicht mehr notwendig sein, da die Anwendung es nicht nur ermöglicht, Namen in Echtzeit Gesichtern zuzuordnen, sondern auch andersherum Gesichtern Namen und den dazugehörigen Personen. Dabei ist es nicht einmal so sehr die eigentliche Funktion, die mich äußerst irritiert, sondern viel mehr die Art und Weise, wie das geschieht:

NameTag: So funktioniert die App

Sobald ein Träger der Google Glass die NameTag-App verwendet, kann dieser Fotos von seinen Gegenübern machen. Diese Bilder werden dann mit Fotos aus sozialen Netzwerken und Dating-Portalen abgeglichen. Das Team hinter der App namens FacialNetwork bewirbt den eigenen Dienst unter anderem damit, dass in der Datenbank auch über 450.000 sexuelle Straftäter abgelegt sind und die man mit Hilfe der Anwendung ausfindig machen kann.

In der Praxis heißt das also: Jemand trägt eine Google Glass, schaut eine andere Person an, fragt sich, wer das ist und macht (ungefragt) ein Foto von dieser, lädt dieses Bild dann auf einen Server, wo dieses in einer riesigen Datenbank abgeglichen wird. Bei Erfolg erhält der Google Glass-Träger dann den Namen dieser Person und allerlei Zusatzinformationen. Ja sagt mal, habt ihr sie noch alle?

NameTag - Google Glass Facial Recognition Beta App Demo.
Na klar, es werden zwar „nur“ solche Daten abgegriffen, die man selbst mehr oder weniger öffentlich macht, ich sehe die ganze Sache aber dennoch sehr kritisch.

Auch ohne Google Glass

Aber es geht noch weiter: Um auf den Dienst zurückzugreifen ist Google Glass nicht zwingend notwendig. Stattdessen kann man sich auch einfach ein Bild eines Fremden auf der NameTag-Webseite hochladen und dort dann herumstöbern, um so die Facebook-, Twitter-, LinkedIn- und andere sozialen Kanäle zu durchforsten.

Und dann wird die ganze Sache auch noch ergänzt mit „I believe that this will make online dating and offline social interactions much safer and give us a far better understanding of the people around us“, wie der Erfinder von NameTag Kevin Alan Tussy mitteilt.

Nametag_Still_3

Vielleicht will ich nicht, dass irgendjemand alleine anhand meines Bildes gleich mein komplettes soziales Umfeld „ausspionieren“ kann? Wie war das noch mit der Privatsphäre? Ach ja, glücklicherweise kann ich ja auf der Webseite angeben, dass ich bei einer solchen Suche nicht gefunden werde. Lieber Kevin Alan Tussy: Wie wäre es, wenn man die ganze Sache andersherum angehen würde und ich überhaupt erst einmal angeben muss, ob ICH DAS WILL!

Bisher ist die App noch im Beta-Status doch schon jetzt machen sich die unterschiedlichsten Leute Sorgen darüber, dass eine solche Anwendung die Türen für Stalker und andere gefährliche Menschen sperrangelweit aufreißen würde.

Auch Google Glass unterstützt solche Apps aus genau einem solchen Grund bisher noch nicht, doch die Entwickler hinter der App wollen das ändern. Und ich bete zu Google und appelliere an den gesunden Menschenverstand: Bitte lasst so etwas niemals zu.

Quelle: FacialNetwork (Pressemitteilung), Metro via Android Next

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