Google Glass: Cyberbrille lässt sich per Gedanken steuern

Oliver Janko 4

Google Glass ist nach wie vor nicht in Deutschland erhältlich, bis zum Verkaufsstart in unseren Breitengraden wird es wohl auch noch ein wenig dauern. Während wir uns in Geduld üben, wird andernorts fleißig mit der Cyberbrille geforscht: Geht es nach den Herrschaften des Londoner Unternehmens This Place, soll man die Brille mithilfe einer App und eines Gerhirnwellen-Sensors künftig mit seinen Gedanken steuern können. Die von This Place entwickelte Software namens MindRDR steht als Open Source schon für die Community bereit.

Google Glass: Cyberbrille lässt sich per Gedanken steuern

Momentan kann MindRDR zwei Befehle erkennen, „Ja“ und „Nein“. Als eine Zustimmung, also ein „Ja“, werden starke Hirnströme interpretiert, die durch angestrengtes und fokussiertes Denken zustande kommen. Als „Nein“ gilt quasi das Gegenteil: Geringe Gehirnaktivitäten, die durch Entspannung entstehen – beispielsweise, wenn man im Gedanken schwelgt – werden somit als ablehnende Antwort interpretiert. Damit ist die Funktionsweise im Moment natürlich noch stark begrenzt, die Entwickler haben nach eigenen Angaben allerdings noch 18 weitere Hirnströme gefunden, die mit verschiedenen Befehlen belegt werden können.

Das Steuern eines Gerätes mittels Gedanken ist aber wohl nicht ganz einfach, viele Tester stellte es vor Schwierigkeiten, die Gehirnaktivitäten in der richtigen Stärke abzurufen. Laut Dusan Hamlin, seines Zeichens CEO von This Place, gibt es verschiedenste Möglichkeiten, das Hirn auf Trab zu bringen – von Rückwärtszählen über das gedankliche Verfassen eines Textes, bis hin zur Simulation von Autofahrten. Erreicht die Hirnaktivität dann irgendwann das richtige Ausmaß, wird das von einem EEG-Biosensor des Herstellers Neurosky, der über Bluetooth mit Google Glass kommuniziert, erkannt und als Befehl an die App weitergeleitet.

eeg-biosensor-neurosky

Die wiederum löst dann die richtige Aktion aus: Getestet wurde beispielsweise schon das Schießen und Teilen von Fotos, wofür Nutzer zwei Gehirnströme „aktivieren“ müssen – einmal zum Schießen, einmal zum Teilen der Aufnahmen. Der Biosensor-Aufsatz schlägt übrigens mit rund 6o zu Buche, bei einem Kaufpreis von mehr als 1.000 Euro für Google Glass fällt das kaum mehr ins Gewicht.

Erste Schritte sind also schon gemacht, bis zur Marktreife ist es aber noch ein weiter Weg. Zudem ist die Technologie wohl erst dann für die breite Masse interessant, wenn mehr Befehle erkannt werden. Die Entwickler hoffen hier auf die Unterstützung der Community: Die App MindRDR steht bereits auf GitHub als Open Source-Programm zur Verfügung.

Anders ist die Situation allerdings bei Menschen mit Beeinträchtigungen: Wer beispielsweise unter dem Locked In-Syndrom – eine Lähmung des gesamten Körpers – oder unter Multipler Sklerose leidet, könnte mit der Gedankensteuerung und Google Glass bereits mit der jetzigen Funktionalität wieder einfacher mit seiner Umwelt kommunizieren.

Was haltet ihr von der Technologie? Vielversprechend oder traut ihr dem Ganzen noch nicht?

Quelle: This Place [via BBCAndroidcentral]

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* Werbung