Google Glass: Entwickler verlieren Interesse, Zukunft der Datenbrille ungewiss

Kaan Gürayer 12

Quo Vadis, Google Glass? Um die Zukunft der innovativen Datenbrille aus dem Hause Google ranken sich derzeit viele Fragezeichen: Immer mehr Entwickler verlieren das Interesse, der offizielle Marktstart der Consumer-Version wird wieder und wieder nach hinten verschoben und die einst so teure Explorer-Edition ist über ebay mittlerweile zu deutlich günstigeren Preisen erhältlich. 

Google Glass: Entwickler verlieren Interesse, Zukunft der Datenbrille ungewiss

Rückblende: Auf der Google I/O 2012 wurde Google Glass mit einer spektakulären Show vorgestellt – unter anderem hüpften professionelle Fallschirmspringer aus einem Flugzeug, landeten mit Fahrrädern auf dem Dach des Veranstaltngszentrums, radelten auf die Bühne und teilten ihr atemberaubendes Erlebnis per Google Glass live mit dem Publikum. Die Botschaft: Google Glass ist die Zukunft und wird die Art, wie wir kommunizieren, für immer verändern. Anwesende Entwickler waren begeistert und ergingen sich im frenetischen Jubel. Rund zweieinhalb Jahre später ist von der Begeisterung allerdings nicht mehr viel übrig, wie Reuters jetzt berichtet.

Schwindendes Entwickler-Interesse

Dazu hat die Nachrichtenagentur insgesamt 16 App-Entwickler befragt, die Anwendungen für Google Glass programmieren. Neun von ihnen, also mehr als die Hälfte, haben ihre Bemühungen bereits eingestellt. Sicher, repräsentativ ist so eine kleine Anzahl an Entwicklern sicherlich nicht, die Befragung kann aber zumindest ein kleines Gefühlsbild in der Entwickler-Community aufzeigen. Die Gründe für den Abbruch sind dabei immer dieselben: Entweder wird das fehlende Nutzer-Interesse bemängelt oder es werden die technischen Limitierungen kritisiert, die Google Glass mitbringt. „Wenn bereits 200 Millionen Google Glass verkauft wären, sähe die Sache anders aus. Aber derzeit gibt es einfachen keinen Markt“, wird Tom Frencel, Chief Executive von Little Guy Games, zitiert. Das Entwicklerstudio hat dieses Jahr die Entwicklung eines Google Glass-Spiels gestoppt und konzentriert sich jetzt auf andere Plattformen, unter anderem der von Facebook im Februar 2014 übernommenen VR-Brille Oculus Rift. Die Entwickler von Normative Design, die eine Glass-App für Mountainbiker in Entwicklung hatten, stoppten die Entwicklung für Google Glass ebenso wie die große Spieleschmiede Glu Mobile. Große Firmen wie etwa Facebook oder Open Table bleiben in Sachen Google Glass zwar weiterhin am Ball, doch vor allem kleinere Entwickler können es sich offenbar nicht leisten, mit der Datenbrille eine unsichere Wette auf die Zukunft einzugehen.

Neben dem schwindenden Entwickler-Interesse werfen auch mehrere Abgänge von Google-Mitarbeitern Fragen über die Zukunft von Google Glass auf: In den vergangenen Monaten haben Babak Parviz, Adrian Wong und Ossama Alami Google verlassen, die alle eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Datenbrille innehatten. Google selbst reagiert hingegen geradezu trotzig auf die Spekulationen rund um die Zukunft von Glass: „Wir fühlen uns weiterhin einem Consumer-Launch verpflichtet“, sagte auf Nachfrage Chris O’Neill, seines Zeichens Leiter der Geschäftsentwicklung beim Internet-Riesen. „Das wird jedoch Zeit in Anspruch nehmen und wir werden das Produkt [Google Glass] nicht veröffentlichen, bevor es nicht ausgereift ist“

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Zukunft in professionellen Bereichen?

Während die Consumer-Version also weiter auf sich warten lässt – nach letzten Informationen soll der Start 2015 erfolgen – findet Google Glass aber immer mehr Anklang im beruflichen Umfeld: Die Datenbrille wird testweise bereits in Krankenhäusern verwendet, ebenso bei der Polizei in den Straßen New Yorks und ein Waffenhersteller will Glass sogar in den Krieg schicken. Auch Google hat mittlerweile das Geschäftsumfeld im Blick und gibt für seine Cyberbrille großzügige Rabatte: Einige Unternehmen erhalten sogar zwei Google Glass zum Preis von einer. Darüber hinaus haben 3 der 16 Entwickler, die Reuters befragt hat, ihren Fokus vom Consumer-Markt auf den Business-Bereich verschoben und entwickeln nur noch Glass-Apps für Geschäftskunden.

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Ob der Geschäftskundenbereich tatsächlich die Zukunft für Google Glass sein kann? Noch sollten wir nicht allzu kritisch über Erfolg oder Misserfolg der Datenbrille urteilen – immerhin steht der offizielle Marktstart der Consumer-Version noch aus. Tatsache aber ist, dass Google Glass vor allem im datenschutzsensiblen Deutschland polarisiert – im professionellen Umfeld stellen Datenschutzbedenken hingegen keine so große Rolle. Wer wissen möchte, wie sich Google Glass im deutschen Alltag schlägt, dem sei der Erfahrungsbericht unseres Redaktionskollegen Lukas ans Herz gelegt. Und wem das noch nicht genug ist und Google Glass aus erster Hand erleben möchte, sollte die gängigen Online-Händler überprüfen: Unter anderem bei ebay und Amazon finden sich – insbesondere in den USA – mittlerweile viele Exemplare der Explorer-Edition, die man für weit weniger als den ursprünglichen Verkaufspreis von 1.500 US-Dollar ergattern kann.

Was glaubt ihr: Sind die Tage von Google Glass gezählt, noch bevor sie überhaupt angefangen haben? Oder sind die Spekulationen übertrieben? Eure Meinungen bitte in die Kommentare.

Quelle: Reuters [via TechnoBuffalo]


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