Google Glass: Google verbannt Datenbrille von eigenem Event

Lukas Funk 6

Google Glass sorgt schon seit seiner Vorstellung bei Datenschützern und anderen Privacy-besorgten Menschen für Unbehagen. Zu groß sei das Risiko, von einem Glass-Träger mehr oder weniger unbemerkt gefilmt zu werden. Nun gesellt sich ein weiteres prominentes Gesicht zu den Kritikern: Google selbst möchte bei seinen Konferenzen lieber keine Cyberbrillenträger sehen.

Noch bevor es für die Öffentlichkeit frei zugänglich ist sorgt Google Glass für Bedenken vielerorts. Kneipiers sind besorgt um die Privatsphäre ihrer Kunden, Großbritannien will die Nutzung von Glass am Steuer untersagen und selbst der berühmte Sprachwissenschaftler und Obrigkeitskritiker Noam Chomsky warnt besorgt vor der totalen Überwachung durch die Cyberbrille. Im Silicon Valley hat sich gar bereits der Terminus „Glassholes“ für die dort häufig zu sehenden Glass-Tester eingebürgert.

Google bemüht sich seinerseits, die positiven Aspekte von Glass zu betonen und die Kritiken als haltlos zu begründen: Weder würde der Akku des Geräts bei konstanter Videoaufnahme lange durchhalten noch könne komplett unbemerkt gefilmt werden — im Display wäre immer das Glimmen des Videos zu sehen.

Völlig scheint das Unternehmen aus Mountain View aber selbst nicht von diesen Argumenten überzeugt: Wie Russel Holly, Autor bei geek.com, berichtet, war er am Morgen der Vorstellung des Moto X mit einigen weiteren Pressevertretern bei Google geladen, um Motorolas neues Smartphone vorab unter die Lupe zu nehmen. Als er, gerüstet mit seinem Exemplar der Cyberbrille das Gebäude betrat, wurde er dann von einer Empfangsdame freundlich gebeten, dieses abzusetzen. In Konferenzen sei das Tragen aus Geheimhaltungsgründen nicht gestattet. Ungläubig ob dieses Misstrauens leistete Holly Folge und setzte seine Glasses erst während der anschließenden Demo-Session wieder auf.

Nun ist einerseits verständlich, dass Google die Daten seiner so heiß erwarteten ersten Kooperation mit Motorola möglichst geheim halten wollte, bis die Geheimhaltugnsvereinbarung (NDA) zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auslief. Aber dennoch ist fraglich, warum man selbst offenbar von eigenen Argumenten gegenüber der Öffentlichkeit nicht überzeugt ist. Zumal die Pressebesprechung in mehreren kleinen Gruppen stattfand, in welchen ein filmendes Glass sofort aufgefallen wäre.

Mit für dieses Misstrauen verantwortlich ist wohl das Video eines vorangegangenen privaten Events, in welchem das Moto X kurz zu sehen war. Journalist und Blogger Robert Scoble hatte damals Musikerin Daria Musk an der Gitarre gefilmt, und dabei unbewusst einen weiteren Besucher mit seinem Moto X abgelichtet.

Aller verständlichen Vorsicht zum Trotz wirkt es dennoch etwas — nun ja, beunruhigend, wenn selbst Google so wenig Vertrauen in den verantwortungsvollen Umgang der Menschen mit Glass hat. Oder sieht Google den Schutz der eigenen Firmengeheimnisse gar wichtiger an als den Schutz der Geheimnisse von Privatmenschen?

Quelle: Geek.com

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