Google Glass ist von den Toten auferstanden, um endlich zu triumphieren

Stefan Bubeck

War Google Glass nie für den Alltagseinsatz geeignet? Die strategische Wende ist längst eingeleitet worden.

Google Glass ist von den Toten auferstanden, um endlich zu triumphieren
Bildquelle: Google X.

„Das Tragen der Glass stört mich überhaupt nicht, deshalb habe mich schnell an sie gewöhnt,“ so Benjamin in unserem Leserartikel von 2013. Da war Google Glass noch neu und spannend, die Hoffnungen der Branche entsprechend groß. Der Träger war vielleicht nie das Problem, sondern eher die Mitmenschen, die sich unfreiwillig beobachtet fühlten. „Doch so schnell, wie ich mich an das Gadget gewöhnt habe, wird sich die Öffentlichkeit wohl nicht daran gewöhnen.“

Anfang 2015 war Schluss für Googles Augmented-Reality-Brille Glass. Ein Flop im Verbrauchermarkt, der nun eine Wiedergeburt erleben soll: Als Enterprise Edition für den Business-Bereich – also Werkzeug statt Unterhaltung.

Google Glass Enterprise Edition: Positives Feedback von Volkswagen, DHL und Boeing

In den letzten zwei Jahren durften ausgewählte Unternehmen Google Glass in verschiedenen Szenarien erproben, während das Produkt bereits vom Verbrauchermarkt genommen war. Über 50 Firmen hatten Glass im Einsatz, um „ihre Arbeit schneller und einfacher als je zuvor zu erledigen,“ so Glass-Projektleiter Jay Kothari im offiziellen Blog von X, der Forschungsabteilung von Googles Mutterkonzern Alphabet.

Das Feedback von großen Namen wie Volkswagen, DHL, Boeing, McKinsey, Samsung und General Electric sei positiv. Nun also das Comeback: Google Glass soll einer deutlich größeren Anzahl von Unternehmen zugänglich gemacht werden. Die Hardware hat ein Update erhalten, so ist unter anderem der Akku ausdauernder, der WLAN-Empfang besser. Die grundlegende Funktion bleibt wie gehabt, Glass blendet seinem Träger passenden Informationen zur Umgebung ein, die er gerade betrachtet. Im Business-Bereich sind das dann beispielsweise technische Instruktionen, Checklisten und Sicherheitshinweise.

In DHL-Paketzentren erhalten die Mitarbeiter, die für das „Aufpicken“ der Ware zuständig sind, ihre Anweisungen in Echtzeit direkt auf Google Glass. Der Mensch als verlängerter Arm der Maschine? Das mag sein – die gemessene Effizienzsteigerung um 15 Prozent ist allerdings auch ein Aspekt, der in einer neuen Diskussion um die „unheimliche Datenbrille“ genannt werden muss.

Wie Ärzte mit Google Glass Zeit sparen sollen

Klassische Situation: Der Patient schildert sein Leiden, der Arzt hört zu und macht seine Notizen. Kothari beschreibt in seinem Blogpost hingegen eine Szene, mit der sich wahrscheinlich nicht jeder anfreunden wird: Der Arzt trägt Google Glass, während er mit dem Patienten spricht, die Notizen werden automatisch vom Wearable erstellt. Das ist nicht Zukunftsmusik, sondern wurde bereits erprobt.

Dr. Albert Chan von Sutter Health schwärmt, Google Glass habe seinen Ärzten „die Freude an der Medizin zurück gebracht“, weil die Brille es ihnen ermögliche, sich auf die Patienten zu konzentrieren, anstatt auf die Technologie. Während der Sprechstunde werde der Blickkontakt erhöht, noch dazu sinke der Anteil administrativer Tätigkeiten in der Arztpraxis von einem Drittel auf rund ein Zehntel des Arbeitstages, bestätigt Dr. Davin Lundquist von Dignity Health.

Quellen: X, Wired

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