Google Glass: Restriktivere App-Guidelines als im Play Store

Amir Tamannai 7

Spätestens seit die ersten Nicht-Googlianer mit der Explorer Edition von Google Glass ihre eigenen Feldversuche unternehmen, ist die Datenbrille, die uns bislang ja doch ein wenig wie ein SciFi-Traum vorkam, Realität geworden. Und mit der Realität kommen auch gewisse Gegebenheiten der echten Welt, die es nötig machen, seitens Google Restriktionen zu erlassen — vor allem hinsichtlich der Apps für Glass.

Dass Mountain View den Weiterverkauf der Explorer Edition von Glass nicht gerne sieht, ist bekannt. Auch hatten wir jüngst im Podcast erwähnt, dass Google vorerst keine Werbung in den Apps für seine (wie der Focus schreibt) „Cyberbrille“ sehen möchte. Und nicht nur das — die Richtlinien für Anwendungen, die mit Glass genutzt werden sollen, sind deutlich schärfer, als die für Android-Apps auf Smartphones und Tablets — und zwar aus gutem Grund, wie die New York Times berichtet:

Entwickler dürfen zum aktuellen Stand in den Glass-Apps nicht nur keine Banner für Werbung einbauen, sondern auch keinerlei Nutzerdaten für Werbezwecke erheben, erhobene Daten Werbefirmen zur Verfügung stellen oder Glass-Anwendungen andernorts vertreiben. Außerdem müssen die Glass-Apps kostenlos sein und ohne In-App-Einkäufe daherkommen. Auch sollen die Anwendungen, Glassware genannt, wie Web-Apps in der Cloud, statt auf dem Gerät selbst „wohnen“, um so den potentiellen Zugriff auf die Hardware so gering und kontrollierbar wie möglich zu halten.

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Warum aber mutiert Google bei Glass in Sachen Apps zu Apple, wo man doch dem Play Store seit Jahr und Tag beinahe alle Freiheiten gewährt (und zwar nicht immer nur mit positivem Ergebnis)? Das liegt an Glass selbst. Neben der Tatsache, dass Mountain View ein solch neuartiges Produkt, das bei Erfolg ein Game Changer wie einst das iPhone werden könnte, natürlich so vorsichtig und kontrolliert wie möglich einführen möchte, gibt die stets im Blickfeld des Nutzers befindliche Technik selbst einige Notwendigkeiten vor: „Je intimer ein Gadget ist, desto aufdringlicher empfinden Nutzer Werbung auf diesem Gerät“, erklärt Analystin Sarah Rotman Epps von Forrester und auch Software-Entwickler Chad Salhoff hat Verständnis für die vorsichtige Vorgehensweise Googles mit Glass: „Anders als Google Glass nimmt man sein Laptop für gewöhnlich nicht mit auf die Toilette. Das ist ein Kuriosum, auf das auch wir Developer uns erst einstellen müssen.“

Und genau darum dürfte es Google gehen; nicht Werbung, In-App-Purchases und ähnliches komplett zu verbannen — schließlich verdient man auch und gerade in Mountain View damit sein Brötchen — sondern abzuwarten, was die Nutzer mit Glass tun und langsam ein Bewusstsein bei den Entwicklern für das neue Gadget und seine Nutzung entstehen zu lassen. Und Google wie auch die Entwickler tun gut daran. Google selbst hat es so formuliert: „Sei ehrlich über Ziel und Zweck Deiner App, darüber, was Du mit der Anwendung für den Nutzer tun möchtest und hole Dir dessen Erlaubnis dafür.“ Oder kurz gesagt: Don’t be evil.

NYT [via SmartDroid]

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