EU-Parlament beschließt einheitliches Ladegerät - das Ende für Lightning?

Florian Matthey 96

Müssen sich iPhone- und iPad-Kunden bald wieder an einen neuen Anschluss gewöhnen - möglicherweise an Micro-USB? Das Europäische Parlament hat gestern eine Richtlinie verabschiedet, die allen Herstellern ein einheitliches Ladegerät vorschreibt.

EU-Parlament beschließt einheitliches Ladegerät - das Ende für Lightning?

Bereits im Oktober letzten Jahres zeichnete sich ab, dass das einheitliche Ladegerät in der Europäischen Union bald verpflichtend sein wird: Seinerzeit entschied sich ein Ausschuss des Europäischen Parlaments einstimmig dafür, ein einheitliches Ladegerät einzuführen.

Den Richtlinienentwurf hat das Parlament gestern mit großer Mehrheit im Plenum angenommen, vorab hatte es sich mit den Europäischen Rat abgestimmt - in der EU selbst scheint die Gesetzgebung auf keine nennenswerten Widerstände zu stoßen.

Bereits im Jahr 2009 hatten sich Handy-Hersteller - darunter auch Apple - mit der Europäischen Kommission geeinigt, in Zukunft auf einen einheitlichen Stecker für ihre Produkte zu setzen - Micro-USB. Die Vereinbarung sah allerdings auch vor, dass die Hersteller auf Adapter-Stecker setzen können, um der Selbstverpflichtung nachzukommen. Dies tat Apple, indem das Unternehmen in Europa seither einen Micro-USB-auf-Dock-Anschluss beziehungsweise -auf-Lightning-Anschluss-Adapter anbietet. Dem eigentlichen Gedanken, eine wirkliche Vereinheitlichung zu erzielen, entsprach diese Variante aber nicht.

Durch die Richtlinie soll das Ganze nun für alle Hersteller verpflichtendes Recht werden; es betrifft neben Smartphones und Handys auch andere „Funkanlagen“, worunter auch Tablets wie das iPad fallen können. Die Europäische Kommission wird festlegen, welche Gerätekategorien im Einzelnen betroffen sein werden, die EU-Mitgliedsstaaten müssen die Richtlinie noch in nationales Recht umsetzen. Klar ist jedoch, dass Handys und Smartphones auf jeden Fall von der Richtlinie umfasst sein werden.

Fraglich ist einzig, ob Apple in Zukunft weiterhin der Ausweg bleibt, auf einen Adapter zu setzen. Der gestern vom Parlament angenommene Text (Word-Dokument) spricht lediglich von einem „einheitlichen Ladegerät“, einem „gemeinsamen Ladegerät“ und dass die „Funkanlagen so konstruiert“ sein müssen, dass sie „mit Zubehör, insbesondere mit einheitlichen Ladegeräten kompatibel“ sind.

Ein Smartphone ist eigentlich nur dann entsprechend „konstruiert“, wenn eben kein zusätzlicher Adapter nötig ist, um die Verbindung herzustellen. Möglicherweise wird Apple also zumindest in Europa tatsächlich in naher Zukunft iPhones mit Micro-USB-Schnittstelle anbieten müssen. Die Beweggründe hinter der Vereinheitlichung sind, den Umgang der Verbraucher mit Geräten zu erleichtern und für weniger Elektromüll zu sorgen - durch einheitliche Kabel ließen sich, so die Parlaments-Berichterstatterin Barbara Weiler, jährlich 51.000 Tonnen Elektromüll vermeiden.

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