Apple Watch Series 2 im Test: Tausendsassa!

Sebastian Trepesch 9

Die erste Generation der Apple Watch musste einiges an Kritik einstecken. Für die im September veröffentlichte Neuauflage stellt sich zwangsläufig die Frage: Kann sie überzeugen? Braucht man die? Wir haben die Apple Watch Series 2 getestet.

Apple Watch Series 2 im Test: Tausendsassa!
Bildquelle: GIGA.

Noch eineinhalb Jahre nach Marktstart werde ich manchmal auf die Apple Watch an meinem Arm angesprochen. Begeistert à la „Boa, ist das eine Apple Watch?“ oder skeptisch: „Braucht man so was?“ Während die erste Frage eindeutig mit „ja“ beantwortet werden kann, klärt sich die zweite Frage hoffentlich im folgenden Test für jeden persönlich.

Äußerlich gibt sich die Apple Watch Series 2 nicht als Neuheit zu erkennen. Die angebotenen Varianten sind dagegen zahlreich – wie bisher. Wir haben eine Edelstahl-Uhr in der Größe 38 Millimeter (bezieht sich auf die Höhe) und ein größeres Modell (42 Millimeter) im rosafarbenen Aluminium – bisher als „Apple Watch Sport“-Gehäuse bekannt. Hochwertig sehen sie nicht nur aus (vor allem in Edelstahl), sondern sind es auch. Die Smartwatch trägt sich sehr bequem, den Vergleich zu einer Analoguhr muss sie nicht scheuen.

Begriffserklärung:
Apple Watch
(1. Generation): Modell von April 2015
Apple Watch Series 1: 1. Generation plus schnellerem Prozessor, September 2016
Apple Watch Series 2: Die neue Apple Watch (GPS, wasserdicht), September 2016.

Apple Watch bei Saturn *

Eines der Hauptkritikpunkte an der Apple Watch 1. Generation ist das Schneckentempo – hier wollte Apple mit Verbesserungen an Hard- und Software Boden gutmachen. Unter der Haube hat sich einiges getan, zum Glück.

Apple Watch Series 2 im Hands-On-Video.

Apple Watch im Test: S2 und watchOS 3 richten es

watchOS 3 – hätte Apple mit diesem Betriebssystem die allererste Apple Watch auf den Markt gebracht, wären die Käufer (und vor allem die Tester) etwas versöhnlicher gewesen. Denn das Betriebssystem beschleunigt einige Funktionen der Apple Watch merklich, die wichtigsten Apps und Inhalte sind schneller verfügbar. Zum Glück hat Apple watchOS 3 auch den Kunden der ersten Generation spendiert.

Die Besitzer von Series 1 (nicht zu verwechseln mit Generation 1) und 2 profitieren zudem von einem schnelleren Prozessor, den S2. Bemerkbar macht der sich im Alltag vor allem dadurch, dass alles flüssiger läuft. Nicht perfekt, aber flüssig genug.

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GPS in der Apple Watch: Sport ohne iPhone

Mit GPS bekam die Apple Watch ein wichtiges zusätzliches Modul. Wie bei iPhone und anderen Smartphones fließen die Informationen der verfügbaren WLAN-Netze in die Ortung ein. In unserem Test in Berlin wusste die Uhr ratzfatz den Standort, noch lange bevor eine GPS-Verbindung mit dem Satelliten aufgebaut sein konnte.

Das GPS-Modul wertet die Apple Watch auf, sie ist für Sportler nun wesentlich interessanter: Das iPhone darf während eines Laufs zu Hause bleiben. Die Uhr zeichnet die Strecke auf, zählt die Schritte, misst den Puls und sendet die Musik an einen Bluetooth-Kopfhörer. Was will man mehr? Vielleicht einen Mobilfunkzugang – mangels Online- und Offline-Karten sollte man sich nicht verlaufen.

Das iPhone zeigt die Workouts in der Aktivitäten-App, unter anderem mit einer Karte.

Üppige Ausstattung also für Läufer und Radfahrer, zumal viele Anbieter von Fitness-Apps ebenfalls die Apple Watch unterstützen. Was kommt beim nächsten Halbmarathon zum Einsatz, die Smartwatch oder eine Laufuhr? Besitzer einer Polar werden vermutlich nicht von ihrer gewohnten Uhr Abschied nehmen wollen.

Apple Watch im Schwimmtest

Aber noch eine Funktion macht die Apple Watch Series 2 für Sportler interessanter: Das Gehäuse ist jetzt 50 Meter wasserdicht, um dem Druck beim Schwimmen standzuhalten. Zwei Schwimmmodi sind in den Aktivitäten integriert. 1500 Workouts will Apple untersucht haben, um die Algorithmen zu programmieren.

Die Ingenieure haben sich ordentlich was einfallen lassen, damit man die Uhr ins Wasser nehmen kann und möchte. Fehlbedienungen durch Wasserkontakt sind dadurch ausgeschlossen, dass die Touch-Eingabe einfach komplett deaktiviert ist. Erst durch Drehen an der Krone können wir den Touchscreen wieder benutzen. Die Uhr bläst zeitgleich das Wasser aus dem Lautsprecher, deutlich zu hören durch ein paar Sinustöne.

apple-watch-schwimmen-test

Im Modus Beckenschwimmen kommt die Apple Watch Series 2 recht nah an den Wert der Gesamtstrecke heran. Im Freiwasser-Programm zieht die Uhr das GPS-Modul hinzu. Bemerkenswert, wo doch die Satellitenverbindung wasserscheu ist. Oder doch nicht bemerkenswert: Das Tracking hat bei mir nicht zufriedenstellend funktioniert. Ich bin für den Test extra in einen kühlen See gesprungen und habe eine große Runde gedreht. In 13 Minuten bin ich laut iPhone 28 Meter geschwommen. Das grenzt an „Auf-der-Stelle-halten“, garantiert falsch. Auch schade: Im Gegensatz zu den Überwasser-Aktivitäten gibts keine Karte mit eingezeichneter Route.

Ich verwende beim Schwimmen tatsächlich gerne eine Trackinguhr, die TomTom Multisports. Sie hat zwar Schwierigkeiten, die geschwommenen Bahnen richtig mitzuzählen. Aber sie zeigt mir den Fortschritt ständig an, während ich bei der Apple Watch nur ein schwarzes Display sehe. Und während man beim Laufen einfach das Handgelenk zur Aktivierung des Displays dreht, ist dies beim Schwimmen nun mal nicht möglich.

Vielleicht lag es am Modus, der ein Update bräuchte, vielleicht am GPS-Signal, vielleicht am Schwimmstil. Aktuell kann uns der Freiwasser-Schwimmmodus der Apple Watch Series 2  nicht überzeugen. Im Becken könnte er zur Protokollierung Einsatz finden, aber nicht zur Motivation während des Workouts.

Das wasserdichte Gehäuse an sich ist dagegen ein sehr sinnvoller Fortschritt gegenüber der ersten Generation.

Display der Apple Watch im Test

Bleibt noch ein wichtiges neues Hardware-Feature unerwähnt: das Display. Doppelt so hell als bei der Vorgängergeneration sei der neue Minibildschirm. Marketing-Blabla? Wir haben Generation 1 und Series 2 in die pralle Sonne gelegt:

Der neue Bildschirm ist in der Tat heller. Probleme beim Ablesen hatte ich nie, auch nur selten bei der ersten Generation  Das neue Display ist aber wirklich noch besser. Laut Hersteller ist es das hellste Display von einem Apple-Produkt überhaupt.

Akku der Apple Watch im Test

Der Akkuverbrauch hängt stark von der Nutzung der Uhr ab. An einem durchschnittlichen Bürotag – wenig Bewegung, nicht sehr viele Mitteilungen – liegt die „Tankanzeige“ am Abend bei rund 65 Prozent. Manchmal können es sogar 75 Prozent sein, manchmal 40 Prozent inklusive GPS-Workout. Da sie aber auch in der Nacht Energie verbraucht, kam ich nie zwei Tage mit einer Akkuladung durch.

Das ist unzureichend. Zwei, besser drei Tage, also ein Wochenende ohne Ladekabel, müssten drin sein.

Die Funktionen der Apple Watch: Von allem ein bisschen

Kommen wir zurück zu Betriebssystem und den Apps, denn hier hat sich seit April 2015 einiges getan. watchOS 3 verbessert die Bedienung und rückt selten verwendete Features in den Hintergrund. So etwas ist immer eine Gradwanderung, doch Apple bewies ein glückliches Händchen – wenngleich nicht jeder in unserer Redaktion die Uhr als „intuitiv“ bezeichnen möchte. 

Neu ist die Home-App, sehr praktisch zur Smart-Home-Steuerung und ein wichtiges Argument für die Apple Watch – schließlich hat man zu Hause das Smartphone nicht immer in der Tasche. Schön umgesetzt: Die Atmen-App hilft, den Puls mit Atemübungen zu senken.

Die Apple Watch bietet in Kombination mit den Apps anderer Entwickler viele Möglichkeiten. Manche funktionieren gut, manche nicht. Den Griff zum Smartphone kann die Apple Watch manchmal, aber oft auch nicht verhindern. Die Antwortmöglichkeiten auf eintreffende Nachrichten sind nun mal recht begrenzt, das kleine Display nicht zum Schreiben geeignet. Siri – auf der Apple Watch eine besonders wichtige Funktion – bringt seinen Nutzer vereinzelt zur Verzweiflung. Siehe auch den Kommentar zu 5 Jahre Siri.

Die Stärken spielt die Apple Watch dank „Continuity“ geschickt im Universum der Apple-Produkte aus. Schon gewusst, dass Handoff auch mit der Uhr funktioniert? Beispiel: Navigieren wir auf der Apple Watch in der Karten-App, blendet uns der Mac das Kartensymbol ein, und wir springen einfach an die selbe Stelle am Rechner. Wenngleich die Uhr grundsätzlich mit einem iPhone gekoppelt sein muss, können einige Funktionen auch ohne das Smartphone genutzt werden. Manch App aktualisiert sogar den Status, da die Watch die WLAN-Zugänge des iPhones kennt. Wohl durchdacht!

Testfazit Apple Watch: Braucht’s das?!

Die Apple Watch will alles können, ein richtiger Tausendsassa sein. Das hat zur Folge, dass sie in manchen Disziplinen nicht mit einem Spezialisten (z.B. Sportuhr) mithalten kann. Mit eingebautem GPS und wasserdichtem Gehäuse wird die Apple Watch Series 2 dennoch für Sportler interessanter, nur der Freiwasser-Modus konnte uns nicht überzeugen.

Die Hardware-Qualität ist Top: Leistung und Display hat Apple gut verbessert. Mit watchOS wird in unserer Redaktion nicht jeder glücklich, ist aber eine gute Weiterentwicklung und bietet viele wohldurchdachte Details.

Mit ihren breiten Qualitäten, alles ein bisschen, richtet sich die Apple Watch Series 2 an die breite Masse. Ihr leistet sie gute Dienste: Keine SMS verpassen, WhatsApp-Nachrichten unauffällig lesen, die Bewegungen des Tages überprüfen, einen Lauf mitsamt Herzfrequenz aufzeichen, die smarte Wohnung über Siri steuern und so weiter, und so fort. Kein Wundergerät, sondern ein praktisches Alltagstool. Der Preis startet , die erste Generation .

Eine Apple Watch braucht man nicht. Aber hat man eine, will man sie nicht mehr missen.

apple-watch-2-test-ergebnis
Testwertung für die Apple Watch Series 2:

  • Display: 5 von 5
  • Ergonomie und Bedienung: 4 von 5
  • Design und Verarbeitung: 5 von 5
  • Software und Ausstattung: 4 von 5
  • Akku: 3 von 5

Gesamt: 84 Prozent

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