Smartphones: Austauschbarer Akku und Reparierbarkeit könnten Pflicht werden

Stefan Bubeck 15

Akku defekt – also Handy/Kopfhörer/Zahnbürste ab in die Tonne und ein neues Gerät kaufen? Nein! Das Europäische Parlament macht nun Druck auf die Hersteller unreparierbarer Elektronik: „Wir müssen dafür sorgen, dass  Batterien nicht mehr in Produkten eingeklebt, sondern verschraubt werden,“ so Pascal Durand (EELV, Europa Ökologie). Der Entwurf des EU-Parlaments könnte die Vorlage für entsprechende Gesetze werden.

Fairphone 2 Modular design for you to open and repair.

Geplante Obsoleszenz – so bezeichnet man eine „absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten“, die vom Hersteller mutmaßlich geplant ist, aber nicht offen kommuniziert wird. Der Begriff ist nicht klar definiert und Gegenstand hitziger Diskussionen – der Tatbestand ist nämlich nur schwer nachzuweisen. Abgesehen davon: In der Praxis hat fast jeder schon Erfahrungen mit Produkten gemacht, die nach einiger Zeit kaputt gehen und sich dann nur schwer oder gar nicht reparieren lassen. Die mit Klebstoff fest integrierten Akkus in zahlreichen Smartphones sind ein solches Beispiel: Nach einigen hundert Ladezyklen lässt die Leistung nach, das geht bis hin zur Unbrauchbarkeit. Sollte diese Bauart verboten werden?

EU-Parlament: Wir brauchen Regeln für langlebigere Produkte

Die EU-Abgeordneten haben eine Reihe von Vorschlägen ausgearbeitet, die nun der EU-Kommission vorliegen. „Längere Lebensdauer für Produkte: Vorteile für Verbraucher und Unternehmen“ – so der Titel des Papiers, das beschreibt, wie entsprechende Gesetze zum Erreichen dieses Ziels aussehen sollten. Dabei geht es nicht nur um Smartphones, sondern auch um nicht-elektronische Produkte, wie Fahrräder oder Kleidung. Das grundlegende Problem ist immer dasselbe: Oft sei es billiger, eine Neuanschaffung zu tätigen, statt etwas reparieren zu lassen. Die Reparaturen seien teuer, aufwendig und häufig nur vom Hersteller durchführbar.

Hier einige Forderungen der Abgeordneten, die sich an die EU-Kommission richten:

  • „Bauteile, die unverzichtbar sind, damit ein Produkt funktioniert“ sollen „austauschbar und reparierbar“ sein
  • Die Hersteller sollen beim Verkauf eines Produkts „die einschlägigen Wartungs- und Reparaturanleitungen“ bereitstellen
  • Einführung eines Reparierbarkeits-Labels: Kennzeichnung in Bezug auf die zu erwartende Nutzungsdauer eines Produkts

Gerade der letzte Punkt ist interessant – denn Noten für die Reparierbarkeit, wie sie etwa das kalifornische Unternehmen iFixit vergibt, sind in Technikkreisen längst bekannt. Aber welcher Laie weiß schon, dass sein Samsung Galaxy S8 die Punktzahl 4 von 10 für Reparierbarkeit erhalten hat? Oder dass ein Microsoft Surface Pro 4 mit nur 2 von 10 Punkten allenfalls von Experten gerettet werden kann, wenn etwas kaputt geht? Eine der Ausnahmen ist das niederländische Fairphone 2, das modular aufgebaut ist (10 von 10 Punkten). Auch das ehemalige Flaggschiff LG G5 lässt sich verhältnismäßig leicht reparieren (8 von 10 Punkten). Hier im Preisvergleich bei Bestcheck:

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Top 3: Diese Smartphones lassen sich am besten reparieren.

Gesetze für langlebige Produkte: Erst mal nur Vorschläge, Umsetzung unklar

Wer sich als Verbraucher nun schon auf strenge Regeln für die Hersteller freut, muss leider enttäuscht werden. Das EU-Parlament darf Gesetzgebungsverfahren formal nicht anstoßen. Es ist die EU-Kommission in Brüssel, die das „alleinige Initiativrecht im EU-Gesetzgebungsverfahren“ besitzt. Was heißt das nun?

Es sind lediglich Vorschläge, die aktuell nicht bindend sind. Nun ist die EU-Kommission am Drücker, sie könnte diese Ideen in verpflichtende Gesetze verwandeln.

Quellen: FAZ, EU-Parlament

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