Das neue Nike+ FuelBand SE setzt, wie schon sein Vorgänger, auf Motivation durch Gruppendynamik. Ausgedachte „Gummipunkte“ (Fuel) und ein Belohnungssystem mit Abzeichen kitzeln den Fitness-Ehrgeiz. Aber ist das Sportarmband seinen Preis wert?

 

Nike+ FuelBand

Facts 

Das Design: Schlicht, funktional, gut!

Zunächst fällt im Vergleich zum Vorgänger auf, dass kaum etwas auffällt. Äußerlich sind die beiden Bänder nahezu identisch. Wer die erste Version nicht kennt: Das erste Nike+ FuelBand haben wir bereits getestet.

Die LED-Anzeige mit 100 weißen und 20 bunten Leuchtdioden ist geblieben. Sie ist auch im direkten Sonnenlicht gut zu lesen. Ein Helligkeitssensor sorgt dafür, dass im Dunklen nicht zu hell gestrahlt wird. Die gesammelten Fuel-Punkte kann man dort ablesen, aber auch die Uhrzeit, bisherige Schrittzahl und Daten zur aktuellen „Session“ (dazu später mehr).

Die Unterschiede: Dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich

Ebenso hat Nike an Material und Design kaum etwas geändert — das gummierte Äußere und die Armreif-Optik kennen wir. Neu sind nach Angaben des Herstellers die verbesserten Sensoren im Inneren, mit denen präzisere Schrittzählungen möglich seien.

Ein paar zusätzliche Farbakzente setzen Modelle mit Applikationen in Gelb, Pink oder Orangerot. Diese sind aber fast ausschließlich innen angebracht und so am getragenen Band kaum zu erkennen. In der METALUXE-Kollektion ist ab dem 21. November auch eine Variante mit Metall-Elementen in „Rose Gold“ zu haben.

Das LED-Display lässt sich mithilfe der App oder Sync-Anwendung am Computer drehen. So ist die Anzeige, ob am linken oder rechten Arm, immer gut lesbar.

Insgesamt also ein sauber verarbeitetes Teil. Kleiner Wermutstropfen: Das Gummi neigt dazu, im Jackenärmel hängen zu bleiben und bei längerem Ablegen des Handgelenks etwas zu drücken. Der guten Gesamteindruck wird dadurch aber nur geringfügig getrübt. Komplett wasserdicht ist das FuelBand zwar nicht. Duschen oder heftige Regenschauer sind aber kein Problem.

Für unterschiedlich umfangreiche Handgelenke gibt es das Band in drei Größen, denen jeweils noch Versatzstücke beigelegt sind. So müsste eigentlich jeder eine bequeme Passform finden.

Die Funktionen: Ist weniger wirklich mehr?

Mit dem FuelBand SE bedient Nike, wie auch schon beim Vorgängermodell, den Spieltrieb. Anders als bei den Modellen der Konkurrenz sammelt man nicht Schritte oder zählt Kalorien (obwohl das auch möglich ist), sondern Fuel. Diese ausgedachten „Gummipunkte“ werden aus den Bewegungen des Trägers errechnet. Ein schlauer Algorithmus kann dabei angeblich echte Schritte von anderen, weniger Fuel-würdigen Bewegungen unterscheiden.

Besonders anstrengende Aktivitäten oder solche, bei denen das Handgelenk ruhig bleibt, kann ich als „Sessions“ markieren. Später verknüpfe ich den markierten Zeitraum in der App zum Beispiel mit einer Runde Radfahren und bekomme die entsprechenden Fuel-Punkte gutgeschrieben.

Clever: Die App motiviert, Stunden zu „gewinnen“. Dazu muss ich mich nur irgendwann innerhalb einer Zeitstunde für fünf Minuten ununterbrochen bewegen. Das klingt einfach, ist aber im Büroalltag gar nicht so leicht umzusetzen. Nur so viel: Zwei gewonnene Stunden schafft man leicht - ab fünf aufwärts wird's schwierig.

Wer sein Tagesziel erreicht oder überschreitet (von Hause aus sind 2.500 Fuel eingestellt — sportlich, aber machbar), bekommt Trophäen und Abzeichen. Dieses Belohnungssystem funktioniert: Man fühlt sich ungewollt angespornt, das Tagesziel zu knacken, Umwege zu gehen oder kurz vor 0:00 Uhr noch eine Runde zu Joggen.

Die App: Gelungen

Wo wir gerade bei der App sind: sie sieht gut aus, ist intuitiv bedienbar — und es gibt sie nur für iOS. Android-User können aber natürlich auch über den Computer synchroniseren. Das nimmt der ganzen Erfahrung aber das unmittelbare. Richtig Spaß macht das FuelBand SE nur mit Bluetooth-LE-fähigen Geräten (iOS 6.1, iPhone 4S und neuer, iPod touch 5G und neuer). Nur diese bieten nämlich sofortige Synchronisation und sofortige Belohnung, ohne dabei den Akku übermäßig zu taxieren.

Wer das mag, kann zu jeder Zeit seinen Fuel-Stand oder seine Aktivitäten bei Twitter oder Facebook teilen, inklusive Position und Foto. Mehrere FuelBand-Träger können sich zu Gruppen zusammenschließen und gemeinsame Wochenziele anstreben. Aber auch ganz allein für sich kann man einiges über den Bewegungsalltag erfahren. Diverse Grafiken und Statistiken zeigen mir, Tagesdurschnitte, Wochenwerte und einiges mehr.

Anders als etwa das Jawbone UP oder das Fitbit Flex mangelt es dem Nike+ FuelBand SE an einem Vibrationsmotor. Das heißt auch, dass es keine Wecker-Funktion besitzt und ein Aktivitätsalarm, wie etwa beim UP, fehlt. Zwar meldet sich auch das FuelBand, wenn es eine Weile nicht geschüttelt wurde — aber nur mit visuellen Benachrichtigungen. Es leuchtet, was jedoch kaum auffällt, wenn man nicht zufällig gerade hinguckt.

Das Fazit zum Nike+ FuelBand SE:

Das Nike+ FuelBand SE ist nicht so ein Allrounder wie die beiden anderen Bänder, die ich schon getestet habe. Was ihm aber an Weck- und Schlaf-Analysefunktionen fehlt, macht es durch ein fokussiertes Social-Konzept wieder wett. Was heißt das? Die App ist darauf ausgerichtet, mich spielerisch und durch Gruppendynamik zu motivieren. Das gefällt, weil es funktioniert und es sich zumindest nicht so anfühlt, als würde man sich quälen.

Da merkt man, wessen Geistes Kinde das FuelBand SE ist. Nike hat sich voll auf die sportliche Seite des Konzeptes Fitness-Armband gestürzt. Und damit kennen sie sich aus, soviel steht fest.

Der Preis von 139 Euro ist stattlich — vor allem im Vergleich zum Fitbit Flex, welches man derzeit für unter 100 Euro bekommt. Trotzdem einen Blick wert ist es auf jeden Fall. Die einfache Bedienung, das praktische und die gelungene App zeichnen es aus. Das Prinzip der Fuel-Punkte ist ebenfalls gelungen — insbesondere in Verbindung mit der LED-Anzeige und der Sofort-Belohnung via Bluetooth LE.

Ein Schwachpunkt ist die Akkulaufzeit. Das Nike+ FuelBand SE muss mindestens alle 4 Tage an den Strom. Damit zeigt es nur knapp halb so viel Ausdauer wie Jawbone UP oder Fitbit Flex. Da man es aber über Nacht ohnehin kaum gebrauchen kann, ist das nicht so schlimm.

Wer von seinem Fitnessband mehr erwartet als bloße Motivation zu mehr Bewegung, ist vielleicht bei anderen Herstellern besser aufgehoben. Echtes Schlaf-Tracking, eine Weck-Funktion oder eine Koppelung an Kalorien-Aufnahe ist beim FuelBand SE nicht vorgesehen. Dafür ist meiner Meinung nach keiner so gut darin wie Nike, bei der Überwindung des inneren Schweinehunds effektiv zu helfen.

Ab sofort könnt ihr das Nike+ FuelBand SE bei Nike.com oder im Apple Online Store für 140 Euro kaufen. Die METALUXE-Edition mit „Rose Gold“-Applikationen bekommt ihr im Nike-Onlinestore für 150 Euro.

Vorteile
+ Praktisches LED-Display
+ Gute Community-Funktionen
+ Tolle App

Nachteile
- Kostet etwas mehr als andere Fitness-Bänder
- Kein Vibrationsmotor, keine Weckfunktion

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