Der Steam Controller im Test: Lohnt sich der Kauf?

Kristin Knillmann 13

Wie klappt das Zocken mit dem Steam Controller?

Egal wie das Ding nun aussieht oder sich anfühlt, am wichtigsten ist natürlich, wie das Zocken mit dem Controller klappt. Um das zu testen, habe ich mir die unterschiedlichsten Spiele aus allen möglichen Genre-Kategorien vorgenommen, um dir ein möglichst umfassendes Bild zu geben. Ausgewählt habe ich diese über den Big-Picture-Modus von Steam, der mir zusätzlich noch das schöne Gefühl gegeben hat, mich in einem geschlossenen Universum (ähnlich dem einer Konsole) zu bewegen, von dem aus ich alles tun, lassen und anwählen kann.

Los geht’s:

2D-Spiele (Platformer, Hack & Slash, etc.)

Das habe ich gespielt: Ori and the Blind Forest, Castle Crashers, Telltales Game of Thrones

Ori and the Blind Forest Launch Trailer.

Das war mein Eindruck: Ori and the Blind Forest war das erste Spiel, das ich mit dem Steam Controller gespielt habe. Entsprechend war dort das Gefühl, einem ganz neuen Steuerungskonzept ausgeliefert zu sein, am größten. Direkt schoss mir ein „Uhhh, das ist aber echt gewöhnungsbedürftig.“ durch den Kopf. Denn hier kommen vor allem die rückseitigen Buttons zum Einsatz, die optional zum Springen und Attackieren genutzt werden können. Das fühlte sich ganz anders an als die Steuerung, die ich von dem Spiel gewohnt war. Nach wenigen Minuten meiner Hüpferei war ich dann ganz in meinem Element: Das Klicken auf die rückseitigen Buttons ging mir ins Blut über und ich musste mich nicht ungünstig verkrampfen, um an die A-Taste zu gelangen.

Auch in den späteren Levels, in denen ursprünglich komplexe Kombinationen der vier Buttons gefordert waren, um im Spiel vorwärts zu kommen, kam mir der Controller gelegen. Die Möglichkeit, diese Kombinationen durch Buttons auf beiden Seiten des Steam Controllers auszuführen, machte einfach mehr Spaß als das Gehampel, das ich mit dem Xbox Controller ausgeübt habe. Die Flächen von Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleinem Finger für Springen und Attackieren zu nutzen, fühlte sich natürlicher an als bei anderen Steuerungskonzepten und warf mich in einen unaufhaltsamen Flow, der richtig viel Spaß machte.

Das einzige Problem - und das fällt eben besonders bei den Genres auf, in denen du diese Steuerung häufig nutzen wirst: Die rückseitigen Buttons des Steam Controllers sind EXTREM laut. Wenn deine Kopfhörer also nicht sehr gut abschirmen, du gar ohne spielst oder dir das (Wohn)Zimmer mit anderen Menschen teilst, dann kann das laute Dauergeklicke verdammt schnell nervig werden.

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Valves Steam Machines: Revolution oder Rohrkrepierer?

3D-Spiele, die auf Schnelligkeit setzen (Action, Shooter, etc.)

Das habe ich gespielt: BioShock, Spec Ops: The Line

Bioshock Trailer.mp4.

Das war mein Eindruck: Eigentlich ist das Potential da, denn das neue Touchpad des Steam Controllers erlaubt mir eine unterschiedlich sensitive Steuerung. Möchte ich mich langsam umsehen, lasse ich meinen Finger sehr langsam über das Pad gleiten. Soll’s der schnelle Überblick über das Schlachtfeld sein, bewege ich ihn entsprechend schneller. Das zielt darauf ab, möglichst intuitiv zu sein… ein Effekt, der sich bei mir vor allem in schnelleren Spielen nicht wirklich einstellen wollte. Dass die Umgewöhnung vom Analog-Stick auf ein Touchpad eine gewisse Gewöhnungszeit benötigt, ist klar. Zu Beginn drehte ich die Kamera grundsätzlich und mit jeder Bewegung viel zu stark.

Unabhängig davon - und das wird vermutlich der entscheidende Faktor sein - hatte ich nach einiger Spielzeit in BioShock unangenehme Krämpfe in meinem Daumen. Das kommt durch minimale Unterschiede der Daumen-Bewegung, die für diese Steuerung nötig ist:

  • Beim Analog-Stick halte ich die Spitze des Daumens fest an einer Stelle (dem Knubbel) und bewege den Finger in die gewünschte Richtung - immer von der Richtung aus gesehen, in die der Stick zuvor zeigte.
  • Beim Touchpad des Steam Controllers ist ein Wischen von der Mitte des Pads in die gewünschte Richtung nötig. Habe ich die Kamera zuvor nach rechts justiert und möchte anschließend nach oben schauen, muss ich den Daumen umständlich über die Mitte des Pads nach oben bewegen.

Ob Bug oder Feature: das fühlt sich derzeit nicht sehr angenehm und genau an, ruckelt im Ergebnis zu sehr und resultiert so in zu viel Frust, wenn schnelle Reaktionen gefragt sind.

Kleiner Plus-Punkt: Das Nachladen der Waffen über die rückseitigen Buttons ist erfreulich unkompliziert.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.

Alle anderen 3D-Spiele (Horror, Puzzle, etc.)

Das habe ich gespielt: The Talos Principle, Albino Lullaby

Albino Lullaby - Pre-Launch-Trailer.

Das war mein Eindruck: Nach meinen Erfahrungen mit der Kamera-Steuerung in Action-lastigen Spielen, war ich auf alles vorbereitet. Überraschenderweise funktioniert genau diese alternative Steuerung bei langsamen Spielen sehr gut. Das Schleichen in Stealth-Games, das langsame Umsehen in Horror-Spielen oder das gemäßigte Tempo in vielen Puzzlern erlauben mir mehr Raum im Gehirn, das den Fingern das Signal übermittelt, doch bitte langsamer auf dem verdammten Touchpad rumzuschubbern. Das klappt dann auch nach kurzer Zeit schon sehr gut, so dass ich mich mit dem Steam Controller auf jeden Fall in ein Spiel dieser Genres wagen würde.

MOBAs und andere Spiele ohne Controller-Support

Das habe ich gespielt: SMITE

Smite - Gameplay Trailer.

Das war mein Eindruck: Smite selbst bietet - wie bei einem großen Teil der Spiele des MOBA-Genres - keinen Controller-Support an. Da kommt ein schönes Feature des Steam Controllers zum Einsatz: Die Community-Mappings. Zu Beginn des Spiels kann ich entweder aus klassischen Controller-Vorlagen, die Steam vorgibt, auswählen, oder mich für eine Vorlage entscheiden, die ein/e Spieler/in selbst angelegt hat. Bei SMITE konnte ich aus mehreren Vorschlägen wählen - die meisten inklusive einer kurzen Beschreibung, die mir Hinweise darauf gab, was ich zu erwarten hatte.

Für diese Mappings empfand ich die Gewöhnungsphase als besonders langwierig. Das liegt daran, dass das Spiel - weil eben nicht dafür ausgelegt - auch keine entsprechenden Grafiken bereitstellt. Im Spiel selbst sehe ich also nicht vermerkt, welcher Button und welche Taste was genau auslöst. Über den Guide-Button des Steam Controllers kann ich dies zwar nachsehen, auch während die Action läuft. Das bleibt aber stets etwas umständlich, weshalb du mit „Learning by doing“ oft schneller Erfolge einfährst.

Wenn du den Bogen raus hast, fühlt sich die Steuerung sehr intuitiv an. Und damit meine ich SMITE spezifisch, denn bei Spielen ohne Controller-Support kommt es natürlich sehr stark darauf an, welches Mapping und Genre gewählt wird - siehe dazu die Punkte oben. In diesem Fall geht es zwar um ein action-lastiges 3rd-Person-Spiel, dank der eingeschränkten Kamera, die von mir primär auf die Lane fokussiert wird, spielt sich SMITE mit dem Steam Controller trotzdem gut.

Mein Fazit zum Steam Controller:

SteamController-Thumb

tl;dr: Der Steam-Controller bringt einige innovative Steuerungskonzepte mit - beispielsweise das Touchpad zur Steuerung der Kamera und die rückseitigen Buttons, die je nach Genre unterschiedliche Funktionen haben. Davon funktioniert manches besser als anderes:

Während die rückseitigen Buttons in allen Genres sinnvolle Erweiterungen oder völlig neue Möglichkeiten und Tastenkombinationen bieten, klappt das mit dem Touchpad nicht immer so flüssig. Die Idee, eine Kamera darüber noch direkter steuern zu können, ist klug gedacht. In der Realität ist die Funktionalität und vor allem der Nutzen aber noch stark vom Tempo des Spiels abhängig. Für langsame Titel ist es eine angenehme Alternative, für Action-Spiele gibt es hingegen noch einige Barrieren.

Auf jeden Fall wirst du dich beim Steam Controller auf eine lange Eingewöhnungsphase einstellen müssen. Es ist absolut zwingend, den Kopf auszuschalten und einige Gaming-Konventionen zu vergessen, denn der Steam Controller will seine eigenen prägen. Und selbst wenn’s schwer fällt oder noch in den Kinderschuhen steckt: Dass es überhaupt einen Ansatz dazu gibt, halte ich für einen wichtigen Fortschritt.

Sollst du dir den Controller kaufen?

  • Ja, wenn du viele kleine Indie-Spiele spielst, die sich mit dem Konzept gut vereinen lassen.
  • Nein, wenn du sowieso eher die großen AAA-Shooter und Action-Spiele zocken willst.
  • Ja, wenn du grundsätzlich Bock hast, was Neues zu probieren und frische Entwicklungen in der Gamesbranche gern unterstützt.

Der Steam Controller kommt offiziell am 10. November auf den Markt und kann via Steam-Shop vorbestellt werden.

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