Rise of Nightmares Test - Das erste echte Kinect-Spiel: Dead Island zum Selberfuchteln

David Hain 5

Es soll ja Leute geben, die halten Kinect für die nächste Spaßstufe auf der nach oben offenen Unterhaltungsskala. Die freuen sich über "Dance Central 24", hüpfen sich bei "Joyride 180" die Füße blutig oder hoffen, mit "Star Wars Kinect" mal so richtig einen abschwingen zu können. Und es gibt uns, die in Microsofts Wunderperiphere bisher nicht mehr als unerfüllte Versprechungen sehen, die nach der visionären E3-Präsentation von "Milo & Kate" auf den erhofften Gaming-Urknall warten.

Rise of Nightmares Test - Das erste echte Kinect-Spiel: Dead Island zum Selberfuchteln

Bisher jedoch bestach Kinect vorwiegend, nein, ausschließlich durch Casual-Titel – also genau jenen Spielen, denen Microsoft eigentlich mit ihrem neuen Konzept entgegen treten wollte. Den Anfang macht nun, fast ein Jahr nach dem Kinect-Verkaufstart, „Rise of Nightmares“ und darf sich damit schon mal über den Titel „Erstes, echtes Kinect-Spiel“ freuen. Worüber es sich nicht freuen darf: den Titel „Erstes, echtes, gutes Kinect-Spiel“.


Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Idee, uns mit allerlei martialischem Werkzeug in einen dunklen Keller zu sperren und Zombies niedermetzeln zu lassen, ist prinzipiell schon mal super. Abgegriffen, ja, aber hey – Zombies gehen irgendwie immer. „Rise of Nightmares“ macht seine Arbeit zu Beginn auch richtig gut. Da erwachen wir nach einem Zugunglück gefesselt, inmitten modriger Wände, von unserer Freundin, mit der wir auf Reisen waren, keine Spur, gegenüber steht ein verrückter Arzt, der einem weiteren Gefangenen mit Schmackes die linke Hand abhackt.

Ja-ha, so und nicht anders ist das halt in Osteuropa, wo man in jedem zweiten „Hostel“ einfach weggemümmelt wird. Die Handlung von „Rise“ ist absoluter Trash, auf eine ebenso blöde, wie drollig-kultige Art und Weise, die an die frühen „House of the Dead“-Titel erinnert. Die Geschichte über ein schauriges Schloss und dessen Einwohner wird in recht stimmungsvollen Zwischensequenzen erzählt, die Genrekenner wahrscheinlich nicht vom Hocker hauen, aber zumindest gut ins Bild passen.


Warum dann also der im Einstieg geäußerte Unmut? Weil das Spiel danach anfängt – und damit das eigentliche Grauen. Dann wird gewackelt, gehampelt, gezuckt, geschlagen, gezogen und getreten, wie in jedem Kinect-Partyspielchen, dass uns fit halten oder für dumm verkaufen will. „Rise of Nightmares“ ist entgegen den Erwartungen also doch wieder kein echtes Spiel, auch wenn es sich redlich bemüht, uns genau das vorzugaukeln.

Das fängt bei der Bewegung an: Vorwärts geht’s hier nur, wenn wir einen Fuß nach vorne stellen. Dann bewegt sich unser Protagonist Josh, allerdings so quälend langsam, dass man ihn am liebsten selber foltern möchte. Gedreht wird sich mit der Bewegung der Schulter, beides funktioniert meist gut, wobei man sich vor allem in hitzigen Situationen gerne mal verhaspelt. Ähnlich wie Kinect, dass gerne unsere ausgestreckte Hand mit einer Schlagbewegung verwechselt, obwohl wir nur in den nächsten Bereich laufen möchten.


„Rise of Nightmares“ hat nämlich eine integrierte Abkürzungsfunktion. Wenn ihr in den nächsten Abschnitt laufen möchtet, ohne euch selbst bewegen zu müssen, hebt ihr die Hand und der Charakter läuft automatisch los. Auf Schienen. Der Anspruch bewegt sich damit quasi gen Null, der Nervfaktor sinkt aber, weil wir dann weniger hampeln müssen. Schließlich dürfen wir das in den Kämpfen schon zur Genüge abrackern.

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