Letzte Woche durfte ich ein Xbox One-Event besuchen, bei dem die meisten Launch-Titel ausprobiert werden konnten. Von „Ryse“ über „Forza 5“ bis hin zu „Crimson Dragon“ – abgesehen von „Dead Rising 3“ hat kaum ein Exklusiv-Titel gefehlt. Nachdem ich zwei, drei Stunden mit dem knappen Dutzend Spielen verbracht habe, setzte jedoch eine Erkenntnis ein: „Next-Gen“ hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. 

 

Xbox One

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Das soll nicht heißen, dass ich mit den verfügbaren Spielen keinen Spaß hatte! „Forza Motorsport 5“ wird für Auto-Freunde den gleichen Fahrspaß bieten wie die vier Vorgänger. „LocoCycle“ hat mich mehrere Male zum Lachen gebracht und nutzt seine absurde Prämisse perfekt aus. „Zoo Tycoon“ entpuppte sich als überraschend komplexe Wirtschaftssimulation, die sich dank übersichtlicher Menüs mit dem Controller sehr komfortabel steuern lässt. Aufgrund fehlender Innovationen im spielerischen Bereich müssen Next-Gen-Titel momentan jedoch vor allen Dingen in technischen Aspekten überzeugen können. Und das hat dort leider kein einziger Titel geschafft.

Bei „Ryse“ war lediglich der Mehrspieler-Modus spielbar, der zwar sehr gut aussah – aber eben auch nicht sehr viel besser, als man das von der aktuellen Generation kennt. „Forza Motorsports 5“ leidet unterdessen darunter, dass Rennspiele bereits in dieser Generation am Photorealismus kratzten, ein merklicher Sprung nach vorne ist kaum bemerkbar.

„Zoo Tycoon“ und „LocoCycle“ erscheinen ebenfalls für die Xbox 360, bei „Crimson Dragon“ ist es zu jeder Zeit ersichtlich, dass das Spiel ursprünglich ebenfalls für die 360 gebaut wurde. Ich habe mit den meisten dieser Spiele Spaß. Doch den gleichen Spaß kann ich auch mit meiner acht Jahre alten Maschine haben.

Ich war sehr überrascht davon, dass es Killer Instinct sein sollte, dass mich optisch noch am meisten beeindruckte. Zwar sind die gezeigten Arenen reichlich unspektakulär, die sehr detaillierten Charaktere-Modelle gepaart mit großartigen (wenn auch etwas übertrieben eingesetzten) Partikel-Effekten und einer flüssigen Framerate von 60 Bildern pro Sekunde lassen jedoch erahnen, was die nächste Generation irgendwann einmal für uns bereithalten könnte.

Das ist natürlich alles kaum überraschend. Wer sich die Launch-Titel der Xbox 360 und Playstation 3 anschaut, sieht kaum noch eine Ähnlichkeit mit „The Last of Us“ oder „Halo 4“. Damals suchte man bei der Xbox 360-Portierung von „Gun“ genauso erzwungen nach Unterschieden, wie man es heute bei „Battlefield 4“, „Assassins Creed 4: Black Flag“ und Co. macht.

Selbst Exklusiv-Spiele wie „Ryse“ und „Killzone: Shadow Fall“ können keine vernünftige Aussage über die Leistungsfähigkeit der beiden Konsolen treffen. Beide Spiele sind bereits seit mehreren Jahren in Entwicklung, während sich die technischen Spezifikationen der Konsolen ständig geändert haben. Man musste also zusammen mit Microsoft und Sony schätzen, wo man irgendwann einmal landen würde und drauflos entwickeln.

Das ist alles nicht dramatisch, will aber einfach nicht so recht zum Hype um die neue Generation passen. Alles soll sich ändern! Die Cloud! Internet! Alles neu! Hurra! Nein, so weit sind wir noch nicht. Es wird noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die ersten Exklusiv-Titel wirklich zeigen, was Xbox One und Playstation 4 auf dem Kasten haben. Und erst dann lohnt sich für die meisten auch die Anschaffung der beiden Geräte. Bis dahin erkauft man sich für 400 bis 500 Euro in erster Linie das wohlige Gefühl, endlich wieder eine neue Konsole im Haus stehen zu haben und ein paar mehr oder weniger schärfere Texturen.

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