Die Nintendo NX wird eine Kinderkonsole – und das ist sehr gut so!

Dominic Stetschnig 17

Erinnert ihr euch noch an den Konsolenkampf Ende der 90er, in dem das Nintendo 64 als „Kinderkonsole“ gegenüber der ach so erwachsenen PlayStation verschrien war? Ob das jetzt Tatsachen entsprach oder nicht, sei dahingestellt, aber: Wenn ich einen Wunsch an Nintendo NX habe, dann der, dass Nintendo endlich wieder eine Kinderkonsole baut. Ich erkläre euch auch, warum.

Es ist noch gar nicht so lange her, da kursierte das Gerücht, dass Nintendos im März 2017 erscheinende Konsole angeblich Cartridges statt optische Datenträger als Speichermedium nutzen werde. Blanke Nostalgie oder messerscharfes Kalkül? Vermutlich letzteres. Denn obwohl viele Dritthersteller im ersten Augenblick zurückschrecken könnten, wenn ihnen der Gedanke an teure Lizenzen aus dem düsteren Konsolen-Mittelalter kommt, so erzählen Cartridges doch Geschichten aus einer Zeit, in der Gaming noch ein anderes Erlebnis war als heute.

Nintendo NX - Gerüchte & Fakten (Stand: April 2016).

Zurück auf Anfang: Die vergessene Zielgruppe

Bilderstrecke starten(11 Bilder)
Nintendo Switch: Unsere Geheimtipps auf der Hybrid-Konsole

Ich bin mit Videospielen aufgewachsen. So ziemlich genau ab dem Zeitpunkt, ab dem ich einigermaßen ein Verständnis von logischen Vorgängen und Zusammenhängen hatte, haben mich Games fasziniert. Ich konnte noch nicht lesen, dass dort auf dem Bildschirm in grün-schwarzen Buchstaben „Type A“ steht, aber ich wusste, wenn ich den lila Knopf drücke, fängt das Spiel an, die Blöcke beginnen zu fallen und die tolle Musik geht los. Jetzt stehe ich am Ende meiner 20er und habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Gaming-Industrie im Wandel erlebt. Den Aufstieg und Fall von Nintendo, den Eintritt von Microsoft in den Konsolenmarkt, den Ausstieg von SEGA aus selbigem. Super Mario wurde dreidimensional, Red Dead Redemption und The Last of Us haben mich zutiefst berührt und irgendwann hat man für eine gewisse Art von Spielen plötzlich Gitarren statt normale Controller benutzt. Ich war, wie viele von euch, bei diesen Entwicklungen dabei und habe einige von ihnen freudig, andere wiederum mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen.

Doch so unterschiedlich unsere Meinungen gegenüber vielen Entwicklungen auch sein mögen, eines eint uns alle: Am Anfang waren wir alle Zielgruppe. Zielgruppe für Nintendo, Zielgruppe für Sony. Und hinter diesem im Marketing so unverzichtbaren Begriff könnte das Erfolgsgeheimnis für Nintendos Zukunft liegen.

Wir schreiben das Jahr 2006: Nintendo Wii erscheint und schafft etwas, das viele nie für möglich gehalten haben: Der Sohn steht mit dem Vater, der Großmutter und der Cousine vor dem TV und spielt eine Runde Tennis. Nintendos Bewegungssteuerung hat Personengruppen abgeholt, die nie im Leben auch nur den geringsten Berührungspunkt zum Telespiel hatte. Das Rezept ging auf: Die Wii hat über 100 Millionen Einheiten verkauft und öffnete auch für die Konkurrenz eine Möglichkeit, Spiele an erwachsene Spieler zu vermarkten, die offensichtlich nicht ihr ganzes Leben lang im stickigen Kellerzimmer verbrachten. Was brachte uns das in den letzten zehn Jahren? Spieler aus der ganzen Welt vernetzten sich online in Communitys, Games wurden im öffentlichen Fokus wahrgenommen und bekamen Drehbücher spendiert, bei denen selbst Hollywood mittlerweile die Spucke wegbleibt – oh, und werden für solch horrenden Summen produziert, dass selbst die opulenten Werke eines James Cameron daneben wie Discount-Indies aussehen.

Der Nachteil von Gaming im Jahr 2016: Es ist zu kompliziert

Der Fokus hat sich in den letzten Jahren vom endlosen Melken des Casual-Gamers auf der Konsole wieder zurückbewegt zum Core-Gamer. Während alle Gelegenheitsspieler Candy Crush und Flappy Bird auf ihrem Smartphone zocken dürfen, bleibt die Konsole (und auch der PC) zu größten Teilen einer Spielerschaft vorbehalten, die bereits im Vorfeld Erfahrung mit Videospielen gesammelt hat. Wir befinden uns hier auf GIGA GAMES bei einem Special-Interest-Magazin, uns freut das natürlich, sonst würdet ihr nicht hier sein. Die ganze Sache hat nur einen Haken – und nun komme ich einfach nicht drum herum, Helen Lovejoy zu zitieren: „Kann denn nicht wenigstens einer an die Kinder denken?“

Ebenjene Zielgruppe – die ursprünglich die einzige Zielgruppe war, für die Videospiele gemacht wurden – wird in der heutigen Zeit nämlich nicht mehr bedacht. Natürlich kann man jetzt behaupten, dass sich die Digital Natives von heute bereits im Säuglingsalter nur noch auf Smartphones und Tablets aufhalten und das Prinzip besser verstehen als die Generation 35+. Und ja, vermutlich könnte jeder Achtjährige Snapchat besser erklären, als ich es je selbst begreifen könnte, aber ich spreche hier von wahrem Gaming. Von fesselnden Erfahrungen, Charakteren, die uns ein Leben lang begleiten und irgendwann als Tattoo auf der Wade enden – nicht von In-App-Purchases und One-Touch-Steuerung.

„… und bis ich dann mal im Spiel bin, sind 45 Minuten vergangen“

Und diese Kinder werden heute kaum mehr bedient. Denn neben den Toy-To-Life-Franchises, diversen Lego-Spielen und Pokémon wird die Luft für Spieler im einstelligen Alter ganz schön dünn. Kein Wunder, denn Plug & Play ist nicht mehr. Während ich 1994 Super Mario World ins Super Nintendo gesteckt habe und sofort loslegen konnte, muss ich heute, nachdem ich die BluRay ins Laufwerk gelegt habe, erstmal ein Update der Systemsoftware durchführen, damit ich mich dann im PlayStation Network anmelden kann, um Version 1.10 des eben installierten Spiels herunterzuladen. Dann muss ich noch Uplay und Origin zustimmen oder widersprechen, um Online-Features des Spiels nutzen zu können. Und bis ich dann mal im Spiel bin, sind 45 Minuten vergangen.

Reinstecken, anschalten, loslegen – das war für mich damals ein fundamentaler Prozess, um das Wesen des Videospiels zu verstehen. In Baby-Steps habe ich mich Schritt für Schritt weiterbewegt. Mit dem ersten PC kam dann die Auseinandersetzung mit Installationsprozessen, Patches, Mods, etc. Und dadurch hat sich meine Begeisterung und Leidenschaft für Games entwickelt.

Nintendos zweite Revolution

Bislang schweigt sich Nintendo auffällig über sein nächstes Hardware-Prachtstück aus. Das treibt natürlich die Spekulationen voran, welch großartiger Clou hinter NX stecken muss. Daher bleibt die Frage im Raum, ob Nintendo sich wirklich – entgegen des Trends – auf den Spielspaß-Kern konzentriert. Eine stationäre Konsole für zu Hause, gesteuert mit einem Controller, der unterwegs auch als Handheld fungiert. Darauf spielbar sind nicht nur zahlreiche neue Erfahrungen mit altbekannten Charakteren – allen voran Zelda: Breath of the Wild – sondern auch ein Back-Katalog von Nintendo-Titeln, der auf über 30 Jahre Videospielgeschichte zurückblickt. Damit würde man nämlich auch auf einen Schlag die erwachsene Spielerschaft glücklich stimmen. Das Ganze verbunden mit einem einfachen Account-System, welches systemübergreifend funktioniert, kompatibel mit dem Smartphone ist und für Spieler von 8 bis 88 eine breite Palette an Software anbietet.

Und das ganz einfach, in dem man die Cartridge entweder in die Konsole oder den Handheld steckt. So hat auch die nächste Generation etwas davon.

Nintendo Switch Pro könnte ohne Handheld-Funktion erscheinen

Die Nintendo Switch hat sich bei vielen Fans inzwischen zum richtigen Konsolen-Liebling gemaustert. Einer der Gründe ist sicherlich die Flexibilität, die sie beim Spielen bietet. Aktuelle Gerüchte deuten jedoch auf eine neues Modell der Switch hin, das auf ihr bisher wichtigstes Feature verzichten könnte.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung