The Caligula Effect: Overdose - Es könnte wie Persona sein, ist es aber nicht

Franziska Behner

Als großer Persona 5-Fan habe ich mir The Caligula Effect: Overdose genauer angesehen. Schließlich scheint Persona 6 noch in weiter Ferne zu liegen (wenn überhaupt) und ich möchte die Lücke gern füllen. Ob das mit diesem Rollenspiel aus Japan geht, kannst du hier lesen.

The Caligula Effect ist jetzt schon einige Tage auf der PlayStation 4 erhältlich. Das japanische Rollenspiel erschien in seiner Erstauflage bereits 2016 und hatte scheinbar genügend Fans, um eine aufpolierte Version zu bekommen, die sogar im Westen erscheint. Obendrauf gibt’s verschiedene Enden, die zum erneuten Spielen animieren. Zumindest, wenn man das Spiel super findet.

Eine deutsche Sprachausgabe gibt es (natürlich) nicht, aber die englischen Texte sind vom Sprachniveau her gut zu verstehen. Da waren einige, vor allem juristische, Konversationen zwischen Joker und den andere Charalkteren aus P5 deutlich komplexer.

Inhaltlich kam mir Caligula, wie ich es hier einfach mal abkürze, aber doch eher verwirrend vor. FuRyu schmeißt dich mit dem Spiel einfach in ein Geschehen, bei dem du zunächst überhaupt nichts verstehst. Im Laufe der ersten Stunden setzt sich dann dank Gesprächen mit unzähligen Klassenkameraden ein grobes Bild zusammen.

Die wichtigsten Punkte, ohne zu viel zu spoilern: Die Menschen in The Caligula Effect: Overdose existieren nicht wirklich auf diesem Planeten. Sie haben in der echten Welt etwas Furchtbares erlebt und führen aus diesem Grund hier ein zweites, virtuelles Leben in dem sie diesen Schmerz nicht spüren. Doch dieses vermeidliche Paradies ist nicht so perfekt wie es wirkt - deshalb versucht eine Gruppe von Schülern zu entkommen.

Selbst waschechten Persona-Fans sind vermutlich die ein oder anderen Geheimnisse entgangen:

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Persona 5: Easter Eggs mit Dragon Ball, Smash Bros. und mehr.

Es gibt auch „zu viele“ Freunde

Bevor ich zu anderen, wichtigen, Dingen des Spiels komme, möchte ich dir gern eine Frage stellen: Bist du fleißig, wenn es um Whatsapp-Nachrichten geht? Jeder kennt bestimmt diese Leute, die ihre Nachrichten zwar lesen, aber irgendwie immer zu beschäftigt oder faul sind, um sie zu beantworten. Gehörst du zu dieser Kategorie Mensch, ist The Caligula Effect: Overdose auf jeden Fall nichts für dich. Hier hast du nämlich die Möglichkeit, mit mehr als 500 Charakteren Freundschaft zu schließen. Und die verlangen auch (fast) alle nach deiner Aufmerksamkeit!

Jeder von ihnen erzählt dir eine Geschichte und dein virtuelles Handy klingelt gefühlt die ganze Zeit. Je mehr du dich mit den einzelnen Personen beschäftigst, desto höher steigt der Freundschaftsrang, was wiederum zusätzliche Nebenmissionen freischalten kann. Wenn ihr mich fragt sind Sidequests etwas Tolles – aber bitte in Maßen! Bei dieser Menge kann es sich nur um repetitive Aufgaben handeln. Leider!

Ich wollte The Caliugula Effect: Overdose wirklich mögen. Schließlich liebe ich die Persona-Reihe und bin unsterblich verliebt in den aktuellen Teil mit Joker. Dieses Spiel sah auf den ersten Blick ähnlich aus. Doch hier haben sich die Entwickler einfach in den Details verloren und es nicht geschafft, einzelne Ideen wirklich zu Ende und vernünftig auszuführen. Dabei sind die Ansätze wirklich gut! Das Kampfsystem beispielsweise …

So wird gekämpft

Wie in einem RPG im Persona-Look üblich, werdet ihr in den Dungeons von Feinden angegriffen. Rundenbasiert werden dann die Attacken eingegeben schließlich ausgeführt. Ob der Gegner immun gegen die jeweilige Attacke ist oder ich richtig Schaden verursache, hängt dabei oft von Erfahrung oder Glück ab. So läuft das zumindest in Persona 5. Caligula Effect führt hingegen ein Feature ein, was zeitgleich genial ist und dem Spiel das Genick gebrochen hat. Auf dem schachbrettartigen Kampffeld kannst du deine Attacken nämlich planen. Bis zu drei Aktionen von einem Charakter lassen sich dabei zu einer Kette aneinanderreihen.

Bist du unsicher, ob die Kombination zum Erfolg führt, kannst du die Abfolge samt gegnerischer Reaktion darauf einfach testen und wie einen Film abspielen. Funktioniert es nicht so gut wie gedacht, überlegst du dir eben was Neues. War ja nur eine Probe und lässt sich zurückspulen! Obwohl vor allem die generische Erwiderung auf die einzelnen Angriffe nicht immer zu 100 Prozent vorhergesagt werden kann, ist das eine deutliche Erleichterung für knackige Kämpfe. Die gibt es nur blöderweise nicht. Diese Funktion ist völlig überflüssig, denn selbst die Endgegner einzelner Stages sind leicht zu besiegen und benötigen diese strategischen Extras nicht.

Willst du mein Freund auf der unscharfen Bank sein?

Was mich hingegen wieder sehr an Persona erinnert (und damit positiv ist) sind die Beziehungen und Geflechte, die zwischen den Charakteren entstehen können.

Such‘ dir einfach aus, wer sich näher kommen soll und lass‘ den Arsch links liegen, dessen Marotten dir nicht zusagen – so könnte man das Motto des Spiels beschreiben. Ein schönes Feature, das ich auch aus Persona so kennen und lieben gelernt habe.

Negativ aufgefallen sind mir hingegen die grafischen Aspekte des Spiels und die technische Umsetzung. Abgesehen von der Tatsache, dass der Protagonist mal wieder kein Wort hervorbringt, fehlen echte Emotionen. Das hübsche Mädchen im knappen Bühnenoutfit ist verärgert? Tja – dann hörst du das lediglich an der Synchronisation. Ihr Gesicht zeigt eher weniger davon. Ich weiß, wir sprechen hier von einer überarbeiteten Version eines PS Vita-Games. Aber im Jahre 2019 sind die Grafiken, gerade was Hintergründe betrifft, nicht mehr zeitgemäß. Ich erwarte keine scharf gestochenen Bäume und ein Erspähen von Blattläusen, aber etwas weniger verwaschene Locations hätte dem Spiel gut getan.

Ich mag Persona 5 sehr und habe The Caligula Effect: Overdose eine Chance gegeben. Die einzelnen Dungeons zogen sich wie Kaugummi und waren an Eintönigkeit für mich persönlich nur schwer zu übertreffen. Dieses „Problem“ hatte ich bereits mit Persona 3, da gestaltete sich das Grinden immer zu einer düsteren Reise durch lange Gänge voller eintöniger Gegner. Persona 5 hat das besser gemacht und angenehm lange, farbenfrohe, sowie herausfordernde Dungeons gestaltet, die mit Kniffen und kleinen Rätseln aufwarteten.

So viel Pepp findet sich hier leider eher nicht. In den Stages des Möbius suchst du einfach immer nach dem Boss, haust ihn kaputt, bekommst einen Story-Schnipsel und hüpfst zwischen Schule und nächstem Dungeon hin und her. Im Grunde also wie bei Persona – nur viel langweiliger. Und das, obwohl die Story eigentlich ziemlich spannend ist! Aber irgendwie verliert sie sich zwischen Langeweile-Kämpfen und den 500 NPCs, mit denen ich mich einfach nicht anfreunden möchte. Wer hat schon die Zeit für so viele zwischenmenschliche Beziehungen? Weniger ist da manchmal echt mehr.

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