Sony sagt: Auf Einfach spielen ist okay – warum das eine wichtige Botschaft ist

Lisa Fleischer 3

Unter Gamern ist der einfachste Schwierigkeitsgrad geradezu verpönt. Selbst, wer ihn gerne nutzt, verschweigt das oft, um nicht von anderen Gamern damit aufgezogen zu werden. Jetzt meldet sich Sony zu Wort – und verteidigt den in Verruf geratenen Schwierigkeitsgrad.

Aufhänger der Debatte darüber, ob es okay ist, auf Leicht zu spielen, war übrigens das neue Spider-Man. Was das Spiel ausmacht, erfährst du in unserem Vorschau-Video.

Spider-Man: So spielt es sich.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

Mit einem niedlichen Kawaii-Face, das ein kleines Schild in die Höhe hält, teilt Sony über den offiziellen PlayStation UK-Twitter-Kanal mit, dass es okay ist, „auf Leicht zu spielen“. Kurz danach bricht offenbar unabhängig davon auf Resetera eine Diskussion über ebendieses Thema aus. Der Thread zeigt: Scheinbar gibt es zahlreiche Gamer, die den leichten Schwierigkeitsgrad aus ganz unterschiedlichen Gründen nutzen.

Manche wollen beim Spielen einfach Spaß haben und von Herausforderungen nicht unnötig lange von der Geschichte abgehalten werden. Andere haben als Jugendliche oft und gerne auf Schwer gespielt, inzwischen durch Job und Familie aber einfach zu wenig Zeit, um zahlreiche Stunden in immer wieder die gleiche Challenge zu stecken. Und natürlich gibt es auch Gamer, die das Spiel zuerst auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad durchspielen, um sich optimal auf den Hard-Mode vorbereiten zu können. Besonders wichtig ist der leichte Modus auch für körperlich eingeschränkte Gamer, sind für sie allzu schnelle Controller-Abfolgen doch einfach nicht machbar.

Doch die Wenigsten trauen sich, offen zuzugeben, dass sie auf Einfach spielen. Zu bedrohlich scheint die Masse an Hardcore-Gamern zu sein, die sie dafür verurteilen und niedermachen.

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Die Angst, als Gamer nicht ernst genommen zu werden

Ich persönlich kenne das nur allzu gut. Und das, obwohl es durchaus zahlreiche Genres gibt, die ich liebend gerne auf Normal oder auch auf Schwer spiele. Nur sind das eben vorwiegend Hack-and-Slays und JRPGs – Shooter hingegen spiele ich sehr selten, dementsprechend schlecht bin ich in dem Genre. Da würde es sich doch anbieten, genau dieses vernachlässigte Genre auf Leicht anzugehen.

Trotzdem beiße ich mich regelmäßig auf dem normalen Schwierigkeitsgrad durch Singleplayer-Shooter wie die Metro-Reihe oder Wolfenstein – einfach um zu vermeiden, dass mir irgendjemand vorwerfen kann, es sei ja klar, dass ich auf Leicht spiele, weil ich ja eine Frau sei. Dabei verliere ich oft jeglichen Spaß an den Spielen – doch ich gebe lieber auf, als mir die Blöße zu geben, auf Leicht spielen zu müssen. Und das, obwohl mir das Spiel auf Leicht sicherlich viel mehr Spaß machen würde. Ist mir das Ansehen unter Gamern wirklich so viel wert, dass ich sogar bereit bin, dafür den Spaß am Spielen zu opfern?

Schließlich sollte der Spaß doch vor allem anderen stehen. Und den habe ich nun einmal nicht, staut sich bei mir durch schier unmögliche Passagen Frust an. Sicher: Gerade im Multiplayer-Bereich ist auch die kompetitive Seite der Spiele wichtig. Doch mit wem will ich mich in Singleplayer-Erfahrungen eigentlich messen? Sollte ich nicht das Erlebnis genießen dürfen? Unabhängig davon, wie andere ihre Spiele gerne haben?

Nicht alle Entwickler unterstützen Gamer, die sich ein einfaches Spielerlebnis wünschen. So verarschen sie Spieler, die auf Leicht zocken.

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Diese Spiele ärgern dich, wenn du es dir zu leicht machst.

Spiele sollten Spaß machen dürfen

Trotzdem wird Spielern, die Games gerne auf Einfach genießen, abgesprochen „richtige Gamer“ zu sein. Dabei kann man Spiele so oder so von kleinauf genießen und Spaß an ihnen haben – ob man nun lieber eine Herausforderung sucht oder einfach die Geschichte oder Atmosphäre genießen möchte, ist dabei egal. Der Meinung sind auch die Resetera- und Twitter-Kommentatoren. So schreibt Sir Guts auf Resetera: „Schere dich nicht um die ‚Hardcore‘-Scheißer, die dich dissen, nur weil du auf Einfach spielst, okay? Habe Spaß!

Die Entwickler von Vampyr reichen mit einem Patch jetzt einen neuen Modus für Spieler an, die den Spiel-Spaß nicht aus Kämpfen, sondern aus der Geschichte ziehen – einen reinen Story-Modus ohne schwere Kämpfe. Sie nehmen damit Spieler, die gerne weniger Herausforderungen haben, genauso ernst wie Hardcore-Gamer, veröffentlichen sie doch im selben Zug auch einen Schweren Modus.

Und auch der Twitter-Post von Sony ist ein wichtiges Zeichen. Er sagt genau das: Auch, wenn du auf Einfach spielst, degradiert dich das noch lange nicht vom Gamer zum Noob. Damit scheint das Unternehmen zahlreichen Gamern aus der Seele zu sprechen. Inzwischen hat der Post schon knapp 132.000 Likes und ist damit wesentlich beliebter als die sonstigen Twitter-Posts des Unternehmens. Oder wie Usyren so schön auf Resetera schreibt: „Wenn ein Spiel ’nicht dafür gedacht wäre, es auf Einfach zu spielen‘, hätten die Entwickler die Option niemals integriert.“ In diesem Sinne:

Auf welchem Schwierigkeitsgrad spielst du Games am liebsten? Hast du auch schon einmal mitbekommen, dass andere Gamer für das Spielen auf Leicht nieder gemacht wurden? Hast du vielleicht selbst schon mal einen Spieler als Noob bezeichnet, nur weil er ein Spiel auf Einfach gespielt hat, das du auf einem höheren Schwierigkeitsgrad geschafft hast? Warum? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

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