Mit dem Project Shield hat NVIDIA auf der CES im Januar dieses Jahres völlig unerwartet ein Handheld-Device vorgestellt, welches einerseits von einem vollständigen Android-OS betrieben wird und andererseits erlaubt, Games vom PC auf das integrierte Display zu streamen. Schon vor seinem Release Ende Juli konnten viele US-amerikanische Blogs und Magazine den interessanten Hybriden einigen Tests unterziehen und entsprechende Reviews veröffentlichen — wir fassen die wichtigsten Meinungen zusammen.

 

Project SHIELD

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Project SHIELD

Was ist NVIDIA Shield?

Das NVIDIA Shield ist eine Art Game-Controller mit integriertem Display und Smartphone-Hardware auf dem aktuellen Stand. Technisch setzt man natürlich auf den hauseigenen Tegra 4-Chip, welcher 4 auf 1,9 GHz getaktete Hauptkerne sowie einen stromsparenden Companion Core besitzt. 2 GB RAM und Android 4.2 sorgen für eine flüssige Bedienung mittels des 5 Zoll großen 720p-Touchscreen oder der Hardware-Buttons. Neben dem Betrieb von Android liegt das Hauptaugenmerk aber auf seiner Streaming-Fähigkeit, welche in Kombination mit einer PC-Grafikkarte der neueren Generation (ab Geforce GTX 650) PC-Spiele auf dem integrierten Display spielbar macht. Abgerundet wird das Medien-Paket mit einem Mini-HDMI-Port, welcher umgekehrt Inhalte des kleinen auf einem großen Bildschirm darstellt. Das Handheld-Device ist seit Ende Juli und vorerst nur in den USA für 299 US-Dollar erhältlich. Hier unser Hands-On vom NVIDIA Shield:

Joystiq

„Wenn Not erfinderisch macht, dann stellt mich die Erfindung von Shield vor ein Rätsel“, mit dieser sinngemäß übersetzten Abwandlung eines Sprichworts beginnt das Review von Gawkers Online-Gaming-Magazin Joystiq. Shield stelle zwar eine sehr interessante Idee dar und zeige, wozu mobile Hardware inzwischen in der Lage sei, könne in einer Welt voller spezialisierter Gaming-Alternativen nur einen Nischenplatz belegen. Im Android-Modus sei das Gerät — abgesehen von den physischen Buttons — einem Tablet wegen seiner Sperrigkeit und seinem Gewicht unterlegen. Nintendo 3DS und PS Vita seien außerdem wegen der größeren Auswahl an Spielen im Vorteil.

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Das Streamen von PC-Games funktioniere in der Regel auch gut und mit vernachlässigbarer Latenz, allerdings sei die Auswahl offiziell unterstützter Spiele mit 15 Stück noch etwas begrenzt. Das Konzept verliere weiterhin an Reiz, da das Streaming nur innerhalb des eigenen WLANs funktioniere, und wer würde schon seinen großen Monitor gegen die integrierte 5 Zoll-Alternative tauschen?

Slashgear

Ähnlich ratlos stehen die Techies von Slashgear dem Shield gegenüber. Allerdings betonen sie das große Potential, welches dem Gerät innewohnt und dass dessen volles Spektrum an Einsatzmöglichkeiten — auch abseits des Gaming — noch nicht vollständig erforscht ist. In einem unterhaltsamen Video nutzen sie das Gerät beispielsweise, um eine Parrot AR Drohne fernzusteuern.

The Verge

Besonders die gute Verarbeitung des Shield, welche der des optisch ähnlichen XBox-Controllers in nichts nachstehe, begeistert The Verge-Autor Sean Hollister trotz des insgesamt eher klobigen Eindrucks des Geräts. Darüber hinaus lobt er die Performance der Tegra 4-Plattform und ihre optimierte Batterielaufzeit. Auch das Streaming von Spielen von PC aus funktioniere unerwartet gut.

Größter Schwachpunkt des Gerätes sei jedoch die begrenzte Auswahl von Spielen, die auf Android sowohl das grafische Potential als auch das des Gamepads ausnutzen. Besonders Portierungen alter PC- und Konsolenspiele aber ließen sich gut bedienen. Einige Apps und Games wie Temple Run dagegen funktionieren nur im Portrait-Modus und seien so nur umständlich spielbar. Generell führe jede Touchscreen-intensive Nutzung, beispielsweise das Tippen auf der virtuellen Tastatur, zu unnatürlichen Verrenkungen.

Wertung: 7,8/10 Punkte

AnandTech

Im direkten Gegensatz dazu lobt AnandTech neben der guten Verarbeitung auch die Ergonomie des Controllers, dessen Gewicht ihm eher ein Gefühl von Wertigkeit verleihe, als dass es negativ auffalle. Es sei überraschend, wie viel NVIDIA bei seinem ersten Abstecher in die Herstellung von Endnutzer-Hardware richtig gemacht habe.

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Hardware-seitig gäbe es nur das Display zu bemängeln, welches größer und sein und höher auflösen könnte. Mit solch einem kleinen Bildschirm locke man niemanden hinter dem großen Monitor hervor, eine 1080p 5,5 Zoll-Alternative à la LG Optimus G Pro würde das Gerät deutlich aufwerten.

Allerdings sieht man auch deutlichen Bedarf an besseren Games im Android-Ökosystem und sehnt sich nach einer Sonderbehandlung des Shield durch Google, um diese Entwicklung anzustoßen. Bisher aber seien zu wenige gute Games vorhanden, um Android als Gaming-Plattform ernst zu nehmen. Seine Daseinsberechtigung habe Shield aber allemal, meistert es das Game-Streaming doch mit Bravour. Die zwar wenigen, dafür aber hochrangigen verfügbaren Titel ließen sich im Test fast unterbrechungsfrei spielen.

IGN

Ebenfalls aus Perspektive der Gamer widmet IGN dem Shield ein ausführliches Review. Dieses hebt vor allem den Status als experimentelles Projekt und ersten Gehversuch NVIDIAs in diese Richtung hervor. Hardware-technisch sei Shield zwar nicht schön, aber auf der Höhe der Zeit und auch das PC-Streaming sei grundsätzlich gut umgesetzt. Letzteres leide noch unter Kinderkrankheiten wie mangelnder Stabilität und zeitweisen Performance-Einbrüchen, Androids Gaming-Angebot sei noch stark ausbaufähig. Insgesamt falle es schwer, für ein solches experimentelles Produkt den Startpreis von 300 US-Dollar auszugeben.

6,8/10 Punkte

Engadget

Nicht zuletzt zeigte sich Engadget von den Streaming-Fähigkeiten des Shield begeistert. Eine gewisse Latenz sei nicht zu übersehen, jedoch halten sie deren Auswirkungen bei weniger hektischen Games wie Bioshock Infinite in Grenzen. Für gerade für Gamer und Fans von Film-Streaming biete sich das Gerät statt eines Tablets an, allen anderen dürfte die Investition eher schwerfallen. Als direkte Konkurrenz nennt das Review die PS Vita, welche zwar weniger Multimedia-geeignet ist, Shield aber in Hinsicht auf mobiles Gaming locker in die Tasche stecke. Besonders die inkonsistente Unterstützung für Controller beeinträchtige die ohnehin schon kleine Auswahl an guten Android-Games.

Bonus: NVIDIA Shield auseinandergenommen

Auch die Jungs von ifixit haben Shield schon in die Finger bekommen. Wie gewohnt blieb das Teil nicht lange ganz, sondern wurde Stück für Stück und fein säuberlich in seine Einzelteile zerlegt. Das Resultat: Mit 6 von 10 Punkten ist das Gerät nicht besonders leicht reparierbar. So sei es zwar stabil und in modularer Weise gebaut, besonders aber das Display und die tief im Inneren verborgene Batterie seien nicht leicht zu ersetzen.

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Quellen: Joystiq, Slashgear, The Verge, AnandTech, IGN, Engadget, ifixit [via Android Authority]

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Lukas Funk
Lukas Funk, GIGA-Experte.

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