Deswegen wird Microsofts Project Scorpio ein Flop [Kommentar]

Sandro Kreitlow 65

Mit der Xbox One liegt Microsoft klar unter den Verkaufszahlen von Sonys PlayStation 4. Die Project Scorpio lässt zwar auf eine innovative Konsole hoffen. Doch so richtig Vertrauen zeigen die Wenigsten. Woran liegt das?

Xbox Project Scorpio E3 2016.

Mit Project Scorpio zeigt sich Microsoft ungewohnt offensiv. Dich erwartet die leistungsstärkste Videospielkonsole aller Zeiten. Mit der neuen Hardware kommt nicht nur ein verbessertes Gerät, sondern ein technisch vollständiges Upgrade. Dank mehr Arbeitsspeicher, verbesserter Grafiktechnik und besonders vielen Teraflops verspricht der Hersteller eine kompromisslose 4k-Auflösung und flüssigere Bilder. Alle Spiele der Vorgänger-Konsole sollen von der neuen Technik profitieren und an Qualität gewinnen. Damit versucht Microsoft, die Vergangenheit und Zukunft der Xbox-Ära an einem Ort zu bündeln und so einen neuen Abschnitt einzuläuten.

Mehr Reaktion als Innovation

Der Konsolenmarkt befindet sich aktuell in einer Selbstfindungsphase. Sony hat mit der PlayStation 4 Pro den etablierten Veröffentlichkeits-Kreislauf im Hardware-Bereich aufgebrochen. Nintendo hinterfragt das Konzept stationärer Konsolen gleich ganz und veröffentlichte mit der Switch eine Hybrid-Konsole. Microsoft bewährt hingegen mit der Scorpio ein altbekanntes Konzept. Nach einigen Jahren wird eine deutlich stärkere Konsole veröffentlicht, auf der noch größere und schönere Spiele laufen. Auch wenn damit eine verbesserte und komplexere Videospielentwicklung ermöglicht wird, ist dieser Ansatz mehr Reaktion als Innovation.

Project Scorpio: Ist dies das Logo der neuen Xbox One?

Mit der Xbox One wollte Microsoft bereits vor einigen Jahren neue Pfade gehen, um endgültig die Konsolen-Vorherrschaft im Wohnzimmer zu erlangen. Mit ihr kamen nicht nur Videospiele, sondern auch diverse TV-Funktionen und Sportdienste. Gaming war nicht mehr das alleinige Kaufargument. Diese Idee ging jedoch nicht auf. Entscheidungen wie der Kopierschutz schadeten dem Image der neuen Konsole, Vertrauen der Spieler wurde verloren. Dank Phil Spencers Visionen mit der Scorpio soll all das nun Geschichte sein. Die kommende Powerkonsole widmet sich nun wieder den Spielern. Der Fokus liegt jedoch auf Technik. Dabei hat Microsoft das wichtigste vergessen…

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Fehlende Exlusivtitel

Spieler werden nicht mit Begriffen wie Teraflops und 4k überzeugt, sondern am besten mit Spielen. Außergewöhntliche Titel wie Zelda: Breath of the Wild machen es vor und verkaufen Konsolen im Alleingang. Sony hingegen achtet auf eine große inhaltliche Bandbreite an Konsolen-Exklusivtiteln. Allein in diesem und dem kommenden Jahr werden so allerlei Spielergruppen abgeholt. Beispiele:

Für Project Scorpio hast du mit Forza Motorsport 6 bisher nur einen Titel gesehen - allerdings als für die neue Technik hochskalierte Xbox One-Version des Rennspiels. Auch wenn Rennspiele bestens geeignet sind, um die Power der neuen Hardware zu demonstrieren, braucht es originelle Titel, um Spieler zurückzugewinnen. Genau dieser Aspekt scheint eine Baustelle zu sein. Neben Fable Legends hatte Microsoft mit Scalebound einen vielversprechenden Titel aus dem Hause Platinum Games (Bayonetta, NieR Automata) an Bord. Beide Spiele wurden jedoch eingestellt.

Scalebound - E3 2016 - Xbox E3 Briefing 2016.

Alle Xbox One-Spiele und das Zubehör sind allerdings auch mit Project Scorpio kompatibel, wodurch letztere nie Exklusivtitel erhalten wird. Das könnte zur Folge haben, dass Entwickler die Power der Scorpio nie ganz ausnutzen, da das Spiel gleichzeitig auf der Xbox One laufen soll. Ähnlich war es häufig bei Titeln wie beispielsweise Persona 5, die gleichzeitig für PlayStation 3 und 4 kamen. Fakt ist: Auf der E3 2017 muss Microsoft nun originelle neue IPs und neue Titel ihrer stärksten hauseigenen Marken präsentieren, um abseits von Technik-Geeks Kaufargumente zu schaffen.

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Grafik-Fanatiker bleiben am PC

Die Frage ist also: An welche Art Spieler ist die Scorpio eigentlich gerichtet? Westliche Konsolenspieler geht es hauptsächlich um die Spiele. Japanische Spieler werden immer zur Switch und zur PlayStation 4 greifen. Und PC-Spieler? Die werden sicherlich auch mit diesem neuen Angebot nicht auf die Konsole umsteigen. Zwar verriet Mike Ybarra von Microsoft, dass die Scorpio weiterhin feinjustiert wird, um Entwicklern die Möglichkeit zu geben, die beste Version ihrer Spiele umzusetzen. Doch letztendlich bleibt die Scorpio ein in sich abgeschlossenes System. Es ist nicht zu erwarten, dass die Hardware ständig geupgradet werden kann. Grafik-Fanatiker investieren üblicherweise jährlich, um die Hardware des PCs zu verbessern. Das wird sich auch mit der Scorpio nicht ändern.

Auf uns kann eine noch so leistungsstarke Konsole zukommen. Einzig und allein die Grafikpower wird auf langer Basis allerdings nicht reichen, wenn ihr der Charakter fehlt. Auf der E3 2017 wird sich zeigen, ob Phil Spencer & Co. sich dessen die ganze Zeit bewusst waren und Microsoft mit der ein oder anderen Überraschung im Zuge der Project Scorpio-Enthüllung zu bieten hat.

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