Wir fragen Maxi Gräff von Xbox: Wie ist es als Frau in der Gaming-Branche?

Stephan Otto

Maxi Gräff ist Gamerin und gehört definitiv zu den bekannteren Frauen in der deutschen Gaming-Branche. Doch wie ist das eigentlich in einer von „Männern dominierten Welt?“

Wir fragen Maxi Gräff von Xbox: Wie ist es als Frau in der Gaming-Branche?

Dieser Artikel ist Teil einer ganzen Reihe von Artikeln, die sich mit dem Thema Frauen in Games befasst. Gemeint ist damit nicht nur die Darstellung von Frauen in Games, sondern auch die Leistungen, die Frauen für eine gesamte Branche bislang erbracht haben – und wie und ob diese Branche es den Frauen dankt.

Einige kennen die rosafarbenen Haare aus zahlreichen Videos oder hat ihren Namen vor vielen Jahren unter Artikeln der GamePro gelesen. Maxi Gräff ist unter Spielerinnen und Spielern keine Unbekannte. Seit beinahe 10 Jahren arbeitet die junge Frau schon in der Gaming-Branche und hat dabei unterschiedliche Stationen durchlaufen. Vom Trainee in einem Magazin, über YouTube-Moderatorin bis zur PR-Managerin für Xbox bei Microsoft. Doch wie ist es nun eigentlich ein Teil dieser Branche zu sein, der oft nachgesagt wird, sie sei eine von Männern dominierte Welt? Von Männern, die nicht bereit sind, Frauen in den eigenen Reihen zu akzeptieren? Im Interview hat sie die wichtigsten Fragen beantwortet.

Ihre ersten Schritte unternahm Maxi noch während des Studiums bei der Seite GamerGirls.de.

GIGA GAMES: Wie war es für dich als junge Frau in diese Branche hereinzukommen?

Maxi Gräff: Da hast du einmal die Leute gehabt, die super begeistert waren und sich gefreut haben, dass es eben auch von der weiblichen Seite Leute gibt, die aktiv sind. Und dann hast du auf der anderen Seite auch die Leute, die dann nicht wirklich geglaubt haben, dass du dich mit Spielen auskennst. Bei denen du da immer so Prüfungssituationen gegenüberstehst (lacht.) Da wird man ein bisschen ausgefragt und getestet, ob man sich denn auskennt oder man das nur gesagt hat, um sich zu profilieren, was ja oft das Vorurteil war. Das hat sich durchgezogen bis noch vor drei Jahren.

Warum Street Fighter sexistisch ist und Bayonetta nicht

GG: Wie begegnet man den Kritikern?

MG: Es kommt immer auf den Typ an. Es sind ja oft nicht irgendwelche Kollegen, sondern Freunde von Bekannten oder so. Ich hinterfrage die Menschen dann immer ein wenig: Warum glaubst du das? Was denkst du denn über Frauen in Spielen? Meistens stellt sich heraus, die haben sich darüber noch nie Gedanken gemacht. Und teilweise sind sie durch Social Media beeinflusst, durch Frauen, die sich etwas freizügiger darstellen und dann schließen sie schnell auf anderes. Wie es eben in der Gesellschaft so ist, Vorurteile setzen sich schnell im Kopf fest. Wenn man das aber anspricht, stellt sich eher heraus „ist eigentlich cool“ und dann kommt der Bewunderungspart (lacht). Das ist einfach Aufklärungsarbeit und ich möchte ja auch verstehen: Warum fragt der mich solche Sachen? Und ich selbst möchte auch niemanden in eine Schublade stecken, also frage ich nach.

GG: Ist das nicht ein wenig mühselig?

MG: Bestimmt. Aber alles was zwischenmenschlich ist, ist nicht im negativen Sinne mühselig, aber da sollte man sich Zeit nehmen. Lieber erstmal fragen, bevor man sich ein Urteil bildet.

In vielen Games spielen Frauen die Hauptrolle:

Bilderstrecke starten
21 Bilder
Von Aloy bis Lara Croft: 20 coole Videospiel-Heldinnen.

GG: Hattest du selbst schon negative Erfahrungen?

MG: Ja, es gibt da zwei Parts. Das gute Internet, das kein Blatt vor den Mund nimmt und mit Vorurteilen um sich schmeißt. Jetzt lache ich drüber, teilweise gab es Zeiten, da fand ich das nicht lustig. Ich weiß noch, ich hatte Uncharted getestet bei der GamePro und hatte dann so Kommentare unter dem Text „Seit wann gibt es eine Konsole in der Küche?“ Oder auch bei Call of Duty den Kommentar „Das kann ja nicht sein, dass eine Frau das testet, die kennt sich nicht mit Shootern aus!“ Und ich hatte persönlich auf einer Messe ein Gespräch mit einem Chefredakteur eines Magazins, das es heute nicht mehr gibt. Und der hatte mich dann auf dem Weg zu einer Preview gefragt „Hey, ich hab gesehen du bist auf Facebook, bist das wirklich du oder tust du nur so, die da Bilder von Spielen reinstellt?“ Und da dachte ich mir auch: „Du bist Chefredakteur eines Magazins, du hast einen bestimmten Intelligenz-Grad“ und da war es mir einfach zu blöd und die Zeit war auch zu kurz durch diverse Kommunikationsschleifen zu gehen und zu fragen, wie kommt er jetzt drauf, dass ich das erfunden habe? – Sondern ich habe mich dann einfach von der Person entfernt.

GG: Was sollten denn zum Beispiel die Herren der Branche ändern?

MG: Ich finde es gut, wenn sich Leute damit auseinandersetzen. Wenn man sich austauscht, die unterschiedlichen Seiten zeigt, dann entsteht immer viel Verständnis und der Aha-Moment: „Okay, so hab ich das gar nicht gesehen. Bin hier jahrelang durch die Branche gegangen und hab sexistische Witze gemacht, hab es aber gar nicht so gemeint und nicht begriffen, dass ich damit jemanden verletze.“  Also einfach ein Gefühl dafür entwickeln und sensibilisieren. Man muss den Austausch schaffen, die Beispiele auch aufzeigen: „So ging es mir und wir könnten gemeinsam mehr schaffen, wenn du mich anders behandelst.“

Bei diesem Interview handelt es sich um den Auszug aus einem Gespräch, welches wir für RUSH - Der Gaming-Podcast geführt haben. Das gesamte Gespräch kannst du in wenigen Tagen hier auf GIGA GAMES, bei detektor.fm oder bei , Spotify oder Deezer anhören.

Weitere Artikel der Reihe:
Ohne diese Frauen könntest du nicht am PC spielen

Christina Barleben leitet die erfolgreiche Entwicklerschmiede Thoughtfish

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung