Behaltet den 19. Juni 2013 gut in Erinnerung – es war ein besonderer Tag. Wenn ein mächtiger Weltkonzern wie Microsoft dem Druck der Konsumenten nachgibt, dann ist das keine Selbstverständlichkeit. Microsoft wollte mit den neuen DRM-Maßnahmen der Xbox One Geld verdienen und das hat der Spielergemeinde nicht gefallen. Die harsche Kritik, die Empörung in den zahllosen Xbox One Threads, die große Meme-Offensive – reicht ein Shitstorm, um einen Konzernriesen wie Microsoft zum Einlenken zu bewegen? Mitnichten! Was wirklich zählt, ist unser Geld.

 

Xbox One

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Plötzlich ist alles möglich. Kein Online-Zwang, kein Region-Lock, keinerlei Einschränkungen beim Weiterverkauf oder beim Verschenken von Xbox One-Spielen und heruntergeladene Spiele können nun auch offline gespielt werden. Microsoft rudert zurück. Die Änderungen an den Funktionen der Xbox One sind fundamental und werfen den kompletten Businessplan der Unternehmer aus Redmonder von heute auf morgen über den Haufen. Ein Albtraum für die Chefetage. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?

Hat Microsoft, so wie es die offizielle Pressemeldung nahelegt, plötzlich die Seele der Gamer verstanden? Ganz nach dem Motto: Hätten wir gewusst, dass ihr DRM und die Abschaffung des Gebrauchtspielemarktes so doof findet, dann hätten wir uns natürlich von Anfang an gegen diese Maßnahmen entscheiden.

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Die DRM-Maßnahmen waren natürlich kein unglückliches Missverständnis, das dank des Spieler-Feedbacks nun aus der Welt geschafft wurde. Mit Widerstand aus der Spielergemeinde wurde im Hause Microsoft gerechnet. Bei der Einführung eines neuen Produktes werden die Risiken mangelnder Zustimmung immer eiskalt kalkuliert. Da werden Szenarien berechnet und Verteidigungsstrategien vorbereit. Auch wenn Microsoft während der öffentlichen Debatte um die Xbox One ein denkbar schlechtes Krisenmanagement betrieben hat – den Shitstorm sahen sie kommen.

In Zeiten, in denen man einen Shitstorm ganz legal über spezialisierte Agenturen kaufen kann, sind die meisten Unternehmen auf Kritik aus der Netzwelt vorbereitet. Zwar fielen Ärger und Empörung über die Xbox One überraschend harsch und kreativ aus – mit ein paar Memes und Threads verschafft man sich erst einmal nur Gehör. Erreicht wird dadurch aber noch gar nichts, denn Unternehmen und auch Parteien wissen meist genau: Die Zeit spielt für sie.

Dass sich ein Shitstorm nicht zu einem nachhaltigen Instrument der Käufer-Intervention eignet, das ist in dem Begriff selbst schon angelegt. Ein Sturm kommt und geht. Alles was ein Unternehmen tun muss, um ihn zu überstehen, ist eine Regenjacke überziehen und sich an einem sicheren Ort unterstellen, bis das Mistwetter wieder abzieht.

Xbox One: Woher der kommt der Sinneswandel bei Microsoft?

Warum fügt sich Microsoft dann dem Willen der Spieler? Die Antwort ist ebenso banal wie lehrreich. Weil ihr Produkt sich nicht wie geplant verkauft hat.

Amazon hatte vor wenigen Tagen eine Umfrage auf Facebook veranstaltet. Dort wurden die User gefragt, ob sie sich aktuell für eine PS4 oder eine Xbox One entscheiden würden. Von 40.000 befragten Spielern entscheiden sich 95% für eine PS4. Schätzungen zufolge hatte sich Sonys PlayStation 4 zu diesem Zeitpunkt bereits doppelt so gut verkauft wie die Xbox One. Wer ernsthaft und kritisch mit einem Unternehmen kommunizieren will, der sollte sich also nicht allein auf ein paar Memes verlassen. Nur wer auch seine Brieftasche zu Wort kommen lässt, der wird wirklich erhört.

Genau in dieser Hinsicht stellt die gestrige Meldung von Microsofts Einlenken auch eine echte Zäsur für unsere Spielekultur dar. Die Überarbeitung des Geschäftsmodells der Xbox One ist ein eindrucksvoller Beleg für die oft verborgene Macht der Spiele-Konsumenten. Zwar ist kritisches Konsumentenverhalten an sich kein neues Phänomen – unter Gamern war der aus dem Portemonnaie gezogene Stinkefinger bisher aber die absolute Ausnahme der Konsumregeln.

Xbox One Protest: Eine neue Macht?

Gerade auch in Kombination mit enem Shitstorm ist unsere persönliche Kaufentscheidung ein unglaublich mächtiges Werkzeug der Teilhabe. Was mit der digitalen Empörung über das umstrittene Ende von „Mass Effect 3“ seinen Anfang nahm, hat sich nun im Fall der Xbox One zu etwas Neuem hochgeschaukelt. Dabei könnte sich in Zukunft insbesondere die Vorbestellungsphase eines neuen Produkts als Ausdrucksmittel dieser neuen Macht etablieren. Hier könnten sich die bisher fehlenden Konsequenzen eines Shistorms niederschlagen.

Gefällt den Spielern der unternehmerische Umgang mit einem liebgewonnenen Produkt nicht, dann wird es eben nicht gekauft – es sei denn, das Unternehmen kommt den Wünschen der Spieler nach. Mal sehen, ob die neue Macht der Spiele in Zukunft auch genutzt wird.

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